Klimaforscher schlagen Alarm: Erde nähert sich mehreren gefährlichen Kipppunkten

Führende Klimaforscherinnen und -forscher warnen vor aktuellen Entwicklungen. Im vergangenen Jahr hätten mehrere maßgebliche Indikatoren einen Höchststand erreicht, der unumkehrbar sein könnte.
Klimaforscher schlagen Alarm: Erde nähert sich mehreren gefährlichen Kipppunkten
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Ein kurz vor der UN-Klimakonferenz im November veröffentlichter Bericht warnt vor den wachsenden Risiken in Bezug auf das Klima und benennt diese klar. Beteiligt waren etwa 160 führende Forscherinnen und Forscher des Feldes. In der menschengemachten Klimakrise warnen Expertinnen und Experten schon lange vor sogenannten Kipppunkten. Diese Elemente sollten keinesfalls gewisse Grenzwerte überschreiten, weil dann neue Prozesse angestoßen werden, die unumkehrbar sind.

Um diese Elemente im Blick zu behalten, gibt es eine Reihe wesentlicher Indikatoren, die genau beobachtet werden. Dem vorgelegten Bericht zufolge haben allerdings mehrere dieser Klima-Indikatoren im Jahr 2025, teilweise auch bereits 2024, einen Höchstwert erreicht. „Wir beobachten, dass weltweit Meer- und Festlandeis schrumpfen, der Anstieg des Meeresspiegels sich beschleunigt und Wetterextreme wie Hitzewellen, Dürren und Starkregen zunehmen“, warnt Professor Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut. Die Folgen sind bereits jetzt fatal.

Klimawandel: Eislandschaft in Grönland von oben
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Forscher fordern Politik zum Handeln auf, um Kipppunkte abzuwenden

So waren dem Papier zufolge die zurückliegenden zehn Jahre die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Europa ist dabei laut den Daten des EU-Klimadienstes Copernicus der Kontinent, der sich am schnellsten erwärmt. Und das im Pariser Klimaabkommen definierte 1,5-Grad-Ziel dürfte bereits im kommenden Jahrzehnt überschritten werden. Damit droht das Erreichen mehrerer kritischer Kipppunkte. Dazu gehören die tropischen Korallenriffe, die Eisschilde auf Grönland sowie der Antarktis und auch die atlantische Umwälzzirkulation, ein zentrales System von Meeresströmungen, das ebenfalls vor allem für das Klima in Europa wichtig ist.

Dabei betonen die Expertinnen und Experten, dass mit dem Erreichen dieser Punkte Klimaschutzmaßnahmen keinesfalls unwichtig werden – im Gegenteil. „Jedes vermiedene Zehntelgrad Erderwärmung hilft und leistet nicht zuletzt einen Beitrag zur Reduzierung der andernfalls enormen Kosten der Klimaanpassung“, erklärt Andreas Becker vom Deutschen Wetterdienst.

Klimawandel und Erderwärmung: Ein Thermometer neben einem Erdball zeigt große Hitze an
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Studie betont auch Chancen, die der Klimawandel eröffnet

Die Autorinnen und Autoren der Studie betonen allerdings auch die Chancen, die in der Klimakrise liegen würden. So würden global gesehen erneuerbare Energien deutlich günstiger als fossile Brennstoffe und seien es teilweise jetzt schon. Soziale Dynamiken, die durch den Klimawandel verstärkt werden, könnten zudem beispielsweise zu weniger Fleischkonsum führen und auch das Mobilitätsverhalten der Menschen grundlegend ändern. Auch solche Prozesse könnten auf lange Sicht unumkehrbar sein.

Zudem arbeiten renommierte Forscherinnen und Forscher bereits an einem „Plan B“, für den nicht unwahrscheinlichen Fall, dass das Abbremsen des Klimawandels misslingt. Dazu gehören zum einen besser ausgearbeitete Katastrophenpläne für den Ernstfall, deren Notwendigkeit etwa die Flutkatastrophe im Ahrtal betont hat. Viele Regierungen machen die Bevölkerung zudem immer gezielter auf Themen wie Notfallvorräte und Krisenregelung aufmerksam. Darüber hinaus werden Ideen wie ein solarer Schutzschirm diskutiert. Dabei sollen mithilfe reflektierender Partikel Sonnenstrahlung ins All zurückgeworfen werden. Die Folgen solcher theoretischer Überlegungen sin allerdings nicht abzusehen.