Der Oktober verabschiedet sich langsam und damit rückt der Winter auch wettertechnisch ein ganz schönes Stück näher. Und schon in einigen Tagen könnten in Deutschland aufgrund des Polarwirbels deutlich winterliche Verhältnisse herrschen. Grund dafür ist eine aktuelle Wetterentwicklung, auf die Meteorologinnen und Meteorologen aufmerksam machen.
Denn aufgrund warmer Luft am Nordpol könnte der Polarwirbel bald schon brechen, was kalte Luftmassen nach Deutschland drücken könnte. Expertinnen und Experten sprechen von einem beinahe historisch frühen Wintereinbruch.
Was ist der Polarwirbel und was passiert, wenn er bricht? Wetterphänomen erklärt
Als Polarwirbel wird ein großes Tiefdruckgebiet über der Arktis bezeichnet, das in der Stratosphäre, also der zweiten Schicht der Erdatmosphäre, in etwa 15 bis 50 Kilometern Höhe existiert. Dort dreht sich eisiger Wind in einer strudelförmigen Bewegung und hält dabei kalte Luft fest.
Dringt allerdings von außen warme Luft in diesen Wirbel ein, kann das weitreichende Auswirkungen haben. So könnte das gesamte globale Wind- und Drucksystem durcheinandergeraten. Das hat auch in Deutschland unter Umständen Folgen:
- Wegfall des „Kälteschutzes“: Die vorher im Polarwirbel gehaltene Luft kann austreten und führt zu einem Temperatursturz.
- Umkehr der Winde: Die starken Westwinde in der Stratosphäre werden abgeschwächt oder kehren sich sogar in Ostwinde um.
- Störung des Jetstreams: Das Starkwindband gerät aus dem Takt und schlägt Wellen, was das Wetter auf der Nordhalbkugel unbeständig macht.
Mögliche Auswirkungen des Polarwirbels auf das Wetter in Deutschland 2026
Dass warme Luft in starker Form in den Wirbel eindringt, passiert etwa alle zwei bis drei Jahre. Die sich abzeichnende aktuelle Besonderheit ist allerdings, wie früh im Jahr das passiert. So droht bereits Anfang November eine massive Störung des Polarwirbels, wie unter anderem Fabian Ruhnau von „Kachelmannwetter“ erklärt.
Grund dafür könnte ein ausgeprägtes Hochdruckgebiet zwischen Skandinavien und dem Ural sein. Dieses schickt kräftige Wellen bis in die Stratosphäre, was den Wirbel abbremsen und potenziell spalten könnte.
Sollte es tatsächlich, wie teilweise prognostiziert, um den 5. November herum zu einem sogenannten Polarwirbelsplit kommen, wäre das so früh wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Der bekannte Meteorologe Dominik Jung spricht zum jetzigen Zeitpunkt von einer gesicherten Schwächung. „Wie stark sie ausfällt, ist offen“, erklärt der Experte bei „t-online“.
Experte sieht drei Wetterszenarien – eins hat es in sich
Jung spricht von insgesamt drei Szenarien, wenn es dazu kommen sollte, dass der Polarwirbel bricht.
- Kaltluft fließt nach Süden ab, aber an Europa vorbei, sodass die Auswirkungen eher in Nordamerika und Teilen Asiens zu spüren wären.
- Kaltluft bleibt in der Stratosphäre, sodass sich die Auswirkungen in der unteren Erdatmosphäre in Grenzen halten.
- Die kalte Luft gelangt nach Europa und bringt auch im Flachland Frost und sogar Schnee.
Meteorologen warnen vor voreiligen Schlüssen
Sollte das als drittes genannte Szenario eintreten, würde das einen deutlichen Wintereinbruch in Deutschland um den 11. und 12. November herum bedeuten. Gesichert ist das allerdings keinesfalls, wie sowohl Jung als auch Ruhnau betonen. Selbst wenn es zu der Störung kommt, könnte sich der Polarwirbel auch einfach wieder erholen.
Zudem ist auch der Bruch selbst noch gar nicht ausgemacht. Die Prognosen beruhen auf Berechnungen des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) und auch die Wahrscheinlichkeitsangaben des Instituts selbst schwanken. Dennoch zeigen die Daten in jedem Fall etwas „sehr Außergewöhnliches“, so Ruhnau.

