Zahlreiche Bars in München verhängen Trachtenverbot während der Wiesn

Ein Schild an der Tür, das Trachten untersagt, ist in München zum Oktoberfest kein Einzelfall. Immer mehr Gastronomen nutzen ihr Hausrecht, um während der Wiesn-Zeit entsprechende Regeln aufzustellen. Die Debatte ist nicht neu, aber ungebrochen hitzig.
Zahlreiche Bars in München verhängen Trachtenverbot während der Wiesn
Shutterstock / FooTToo

Morgen beginnt offiziell das Oktoberfest 2026 in München und damit das größte Volksfest der Welt. Teil dieses Volksfestes waren schon immer und sind es auch heute noch die typischen bayrischen Trachten. So wird man wohl auch in diesem Jahr wieder die meisten Besucherinnen und Besucher in den traditionellen Dirndl und Lederhosen sehen – allerdings nicht überall.

Anzeige

Immer mehr Bars in der bayrischen Hauptstadt haben inzwischen angekündigt, dass in ihren Einrichtungen für die Dauer des Oktoberfestes ein Trachtenverbot besteht. Das soll verhindern, dass Oktoberfest-Gäste nach der Schließung der Wiesn-Zelte um 23 Uhr einfach in der nächstgelegenen Bar weiter feiern. Diese Vorsicht resultiert aus Erfahrungen der vergangenen Jahre.

Warum in manchen Bars und Clubs in München Trachten verboten sind

Für besonderes Aufsehen sorgte in diesem Zusammenhang die Bekanntgabe einer beliebten Bar im Glockenbachviertel knapp südlich des Münchner Altstadtrings und somit in einer beliebten Gegend, wenn auch nicht in unmittelbarer Nähe zum Oktoberfest. Ein Schild an der Tür der Bar Gebrüder Keller und Erben im Glockenbachviertel verkündet zurzeit: „Keine Trachten – Mainstream gibt es woanders“.

Anzeige

Gegenüber der „TZ“ erklärte Chef Florian Keller das Vorhaben, das sich nicht generell gegen Personen richte, die gerne Trachten tragen. Allerdings sei das Oktoberfest eine spezielle Zeit für die Stadt und Trachten würden in diesem Kontext oft bedeuten: „Ist betrunken, konsumiert nichts, belästigt andere Gäste und kotzt mir am Ende schlimmstenfalls den Laden voll.“

Trachtenverbot während des Oktoberfestes ist nichts Neues

In erster Linie möchte der Betreiber also durch die Maßnahme sein Geschäft schützen, aber auch die anderen Gäste. Ähnlich sehen es auch andere Gastronomiebetreiberinnen und -betreiber während der Wiesn. Bei einer großen volltrunkenen Männergruppe könne er die Sicherheit seiner Gäste nicht garantieren, erklärt etwa Florian Schönhofer, Besitzer des Café Kosmos am Hauptbahnhof, bei München TV.

Zudem biete sein Café explizit eine gemütliche Wohnzimmeratmosphäre, die dadurch gestört werde. Teilweise sei es zudem schon zu unangenehmen Zwischenfällen gekommen, in denen sich betrunkene Wiesn-Gäste unangemessen verhalten und beispielsweise in den Eingang gepinkelt hätten.

Es gehe ihm explizit nicht darum, bestimmte Kleidungsformen zu diskriminieren, betont Schönhofer. Es handele sich vor allem um eine plakative Maßnahme, um klar zu machen: „Nach der Wiesn wollen wir das hier nicht so gerne haben.“ Neu ist das Trachtenverbot im Café Kosmos im Übrigen nicht. Bereits seit mehr als zehn Jahren haben speziell während des Oktoberfestes Personen in Dirndl oder Lederhosen keinen Zutritt.

Hausrecht ermöglicht Bar-Betreibern individuelle Verbote

Im Laufe der Jahre haben zahlreiche Einrichtungen wie beispielsweise die „Loretta Bar“ oder die Bar „Cucurucu“ ähnliche Regelungen erlassen. Da die Betreiberinnen und Betreiber Hausrecht in ihrer Gastronomie besitzen, sind solche Zugangsbeschränkungen auch zulässig.

Wiesn-Besucherinnen und -Besucher mit Tracht müssen sich allerdings keine Sorgen machen, es gibt noch ausreichend Clubs und Bars, in denen es erlaubt oder sogar erwünscht ist, die traditionelle bayrische Kleidung zu tragen. Gerade im unmittelbaren Umfeld der Theresienwiese finden während des Oktoberfests 2026 zahlreiche After-Partys statt.

Trachtenverbot ruft gemischte Reaktionen hervor

Die Reaktionen auf entsprechende Maßnahmen fallen gemischt aus. So merken etwa einige an, dass sie es vor allem den Einwohnerinnen und Einwohnern gegenüber ungerecht finden. Nicht alle Personen mit Tracht würden zudem vom Oktoberfest kommen oder sich, selbst wenn sie zuvor auf der Wiesn feiern waren, unangemessen verhalten.

Markus Kolbeck vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege merkt zudem an, dass Trachten eigentlich ein Element seien, „das Menschen verbindet und um das uns Menschen auf der ganzen Welt beneiden, dass wir hier so etwas haben.“ Er verweist zudem beim Sat.1 Bayern auf das Identifikationspotenzial traditioneller Kleidung.

Es gibt aber auch zahlreiche verständnisvolle oder sogar positive Stimmen. „Es gibt doch genug Alternativen“, schreibt etwa ein Nutzer auf Facebook. Eine Nutzerin, die offenbar selbst in München wohnt, erklärt zudem, dass sie solche Regeln sogar wichtig findet, um Leuten, die keine Lust auf die Wiesn und alles, was damit verbunden ist, haben, einen sicheren Raum zu bieten. Auch 2026 werden immerhin wieder 6,5 Millionen Besucherinnen und Besucher auf der Wiesn erwartet.