Vorwürfe gegen RTL nach DSDS-Finale: „Erst Gil, jetzt Menowin“

Menowin Fröhlich hat die aktuelle DSDS-Staffel für sich entschieden, vor allem dank eines starken Zuschauervotings. Es gibt allerdings scharfe Kritik an RTL; einige werfen dem Sender sogar vor, gezielt Personen mit einem problematischen Hintergrund eine Bühne zu bieten.
Vorwürfe gegen RTL nach DSDS-Finale: „Erst Gil, jetzt Menowin“
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Vor 21 und dann noch einmal vor 16 Jahren war Hasso Menowin Fröhlich schon einmal bei der Kult-Show „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) dabei. 2010 kam er damals bis ins Finale. Dieses Jahr wagte er zur 22. Staffel einen neuen Anlauf und gewann das Finale am Samstag mit „Billie Jean“ von Michael Jackson und seinem eigenen Song „Mercy On Me“.

Auf den weiteren Plätzen folgten Constance Dizendorf, Tyrell Hagedorn und Paco Simic, der sich zuvor im Showdown knapp gegen Abii Faizan durchgesetzt hatte. Es folgten emotionale Szenen. Zu sehen war unter anderem, wie ein sichtbar gerührter Menowin Fröhlich DSDS-Urgestein Dieter Bohlen umarmte. Grund für den Gefühlsausbruch war sicher auch die unerwartete Niederlage im Finale 2010. Und genau deshalb hagelt es nun in den nachfolgenden Tagen Kritik am ausstrahlenden Sender RTL.

Menowins Vergangenheit wird von Konflikten mit dem Gesetz überschattet

2010 galt Menowin Fröhlich nämlich als haushoher Favorit. Vor dem Finale hatte er jede DSDS-Liveshow für sich entschieden, weshalb er – und auch viele im Publikum und in der Jury – fest mit einem Sieg gerechnet hatten. Im Finale gewann dann allerdings recht überraschend Mehrzad Marashi. Das lag wohl auch daran, dass es einige Aufregung um Menowin Fröhlich und dessen bewegte Vergangenheit gab.

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Das Finale wurde damals nämlich von Berichten über seine Haftstrafen und Drogendelikte überschattet. So wurde Fröhlich im Dezember 2005 wegen gefährlicher Körperverletzung und Betrug zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Später folgten etwa ein Verstoß gegen Bewährungsauflagen, ein Vollstreckungsbefehl wegen Verweigerung des freiwilligen Haftantritts und eine Verurteilung wegen Fahrens unter Drogeneinfluss.

Juror Dieter Bohlen gratuliert Kandidat Menowin Fröhlich zum Gewinn der 22. Staffel der deutschen Gesangs-Castingshow 'Deutschland sucht den Superstar' (DSDS) in den MMC-Studios
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„Muss niemandem etwas beweisen“: DSDS-Sieger wehrt sich

Menowin Fröhlich spricht über diese Dinge recht offen in Interviews. Mit Blick auf seine erneute Teilnahme bei DSDS sagte der inzwischen 38-Jährige unter anderem: „Die Chance, die ich bekommen habe, habe ich wahrgenommen und ich muss niemandem mehr etwas beweisen – will ich auch nicht.“ Vielmehr sei es sein Ziel, anderen Mut zu machen, dass man auch nach Rückschlägen wieder auf die Beine kommen könne.

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Während ganz offensichtlich viele Zuschauerinnen und Zuschauer der Show diese Ehrlichkeit schätzen, gibt es auch harsche Kritik. Diese richtet sich allerdings weniger gegen den Sänger selbst als gegen RTL, das Fröhlich eine erneute Plattform gegeben hat. Viele finden es unverständlich, dass ein solcher „Problemfall“ nicht nur wiederholt teilnehmen durfte, sondern von der Jury vielfach gelobt und vom Sender sehr positiv dargestellt wurde.

Manipulationsvorwürfe und Kritik an DSDS, RTL und Dieter Bohlen

Vor allem an Dieter Bohlen gibt es diesbezüglich Kritik. So kann man in sozialen Netzwerken etwa vielfach den Vorwurf lesen, dass der DSDS-Gründer zu sehr „die Werbetrommel für Menowin“ gerührt habe. Und auch in der Presse wird teilweise mit Zeilen wie „Dieter sucht auf der Resterampe“ wenig schmeichelhaft getitelt.

Ein Vorwurf der Fans lautet dabei auch, dass am Ende nicht die bessere Sängerin Constance Dizendorf gewonnen, sondern Fröhlich aufgrund seiner Geschichte gesiegt habe, die viele problematisch finden. Sogar Manipulation wird dem Kölner Sender bisweilen vorgeworfen, was etwa Dieter Bohlen in einem Video auf seinem Instagram-Kanal verneinte.

Die Voting-Zahlen zeigen klaren Sieger bei DSDS

RTL hat inzwischen wie gewohnt das Voting zum DSDS-Finale detailliert aufgelöst. Und das zeigt: Menowin Fröhlich hat mit deutlichem Abstand gewonnen. Das Endergebnis sah wie folgt aus:

  • Menowin Fröhlich: 56,52 Prozent
  • Constance Dizendorf: 30,30 Prozent
  • Tyrell Hagedorn: 8,75 Prozent
  • Paco Simic: 4,43 Prozent

Der Abstand zwischen Platz 1 und Platz 2 ist also deutlich. Allerdings zeigt etwa ein Blick auf die vorherige Staffel aus dem Jahr 2024, dass Christian Jährig damals mit satten 75,61 Prozent gewonnen hat (vor Philip Matas mit 9,92 Prozent auf Platz 2). Ein wesentliches Problem für den Sender dürfte sein, dass es bereits das zweite Mal innerhalb kürzester Zeit ist, dass solche Vorwürfe laut werden.

Gil Ofarim bei der Abreise der Dschungelcamp-Kandidaten der RTL Reality-TV-Show 'Ich bin ein Star - holt mich hier raus'
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Fans vergleichen Menowin Fröhlich mit Gil Ofarim

Denn bei vielen weckt Fröhlichs DSDS-Sieg Erinnerungen an die diesjährige Staffel der Erfolgsshow „Ich bin ein Star, holt mich hier raus.“ Diese gewann Sänger Gil Ofarim, der ebenfalls der mit Abstand umstrittenste Teilnehmer war. Das lag in erster Linie am Skandal um Ofarim im Jahr 2021. Damals warf der Sänger einem Hotelmitarbeiter Antisemitismus vor.

Dieser wehrte sich vor Gericht und erstattete Anzeige wegen Verleumdung und falscher Verdächtigung. Am Ende wurde das Verfahren eingestellt – vor allem, weil Ofarim vor Gericht einräumte, dass seine Behauptungen nicht der Wahrheit entsprochen hätten. Seitdem hat es der Sänger in der Öffentlichkeit schwer gehabt. Das „Dschungelcamp“ verschaffte ihm wieder große Aufmerksamkeit und die Möglichkeit, sich in einem anderen Licht darzustellen.

Anfang April räumte der RTL-Chef ein, dass im Umgang mit Gil Ofarim Fehler gemacht worden seien. Deshalb stößt es bei vielen Zuschauerinnen und Zuschauern sauer auf, dass mit Menowin Fröhlich bei DSDS erneut ein so umstrittener Kandidat den Sieg davontragen konnte. Auch Tage nach dem Finale wird das Thema etwa in den sozialen Medien heiß diskutiert. RTL hat sich noch nicht öffentlich dazu geäußert.