Frankfurter Bahnhof könnte als erster in Deutschland Schranken bekommen

In vielen Metropolen sind Bahnsteigsperren Alltag, in Deutschland bisher undenkbar. Nun könnte der Frankfurter Hauptbahnhof zum Modellprojekt werden. Ein Vorstoß, der mehr Sicherheit verspricht – aber auch massive Probleme mit sich bringen könnte.
Frankfurter Bahnhof könnte als erster in Deutschland Schranken bekommen
Shutterstock / Ceri Breeze

Barcelona, Peking, Paris, Tokio, London – in zahlreichen Großstädten anderer Länder ist es längst üblich, dass man nur noch mit einem gültigen Ticket Zugang zu einem Bahnhof und den Zügen bekommt. Das wird durch ein Schrankensystem sichergestellt, das nur jene durchlässt, die ihr Ticket vorzeigen können.

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In Deutschland gibt es solche Systeme bisher nicht (mehr). Hierzulande werden Tickets nur manuell durch Kontrolleurinnen und Kontrolleure in den jeweiligen Verkehrsmitteln kontrolliert. Das könnte sich allerdings bald ändern. Als wahrscheinlichster Kandidat dafür gilt Frankfurt.

Verkehrsminister hat große Bahnhofspläne

Die Pläne gehen auf einen Vorschlag des Bundesverkehrsministers Steffen Bilger (CDU) von Mitte September zurück. Bilger hatte dabei angeregt, dass nur noch Personen mit gültigem Ticket überhaupt Zugang zu den Bahnsteigen bekommen, was vor allem die Sicherheit an den Bahnhöfen erhöhen soll. Daten anderer Städte, die entsprechende Konzepte haben, würden solche Ergebnisse nahelegen.

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Der Vorschlag des Ministers beinhaltete noch keine konkreten Städte, allerdings hat sich nun Hessens Verkehrsminister Kaweh Mansoori (SPD) zu Wort gemeldet und Frankfurt als Modellstadt ins Gespräch gebracht. „Hessen hat Zugangskontrollen an großen Bahnhöfen bereits im Frühjahr in der Verkehrsministerkonferenz vorgeschlagen“, so Mansoori.

Was für Zugangskontrollen an den Bahngleisen spricht

Tatsächlich gibt es mehrere Gründe, die für solche Systeme sprechen, aber auch einige dagegen. In Deutschland wird die Debatte um eine Einführung seit Jahren hauptsächlich vor dem Hintergrund von zwei Punkten geführt: Sicherheit und Schwarzfahren. Das spricht für eine Einführung:

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  • Reduzierung von Schwarzfahren: Da man bereits nur mit Ticket auf den Bahnsteig kommt, sinken die Zahlen für Schwarzfahren. Das erhöht die Fahrgeldeinnahmen und entlastet zudem das Kontrollpersonal in den Zügen.
  • Bessere Sicherheit: Da Personen ohne Ticket (und damit oft auch Obdachlose oder potenzielle Randaliererinnen und Randalierer) keinen Zutritt haben, sinkt die Kriminalitätsrate an den Bahnhöfen. Dadurch steigt wiederum das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste.
  • Sauberkeit der Bahnhöfe: Ein regulierter Zugang kann nachweislich Vermüllung eingrenzen. Auch das ist für das Sicherheitsgefühl zuträglich.
  • Genauere Daten: Durch die Ticketsysteme sind sehr genaue Erhebungen dazu möglich, wie viele Menschen sich zu welchem Zeitpunkt an den Bahnsteigen aufhalten. Das hilft beispielsweise bei der Optimierung der Fahrpläne.
Frankfurter Hauptbahnhof in den Morgenstunden
picture alliance

Die Nachteile von Zugangskontrollen an Bahngleisen

Es gibt aber natürlich, wie bereits erwähnt, auch einige Bedenken und Nachteile. Diese drehen sich – auf den ersten Blick paradoxerweise – ebenfalls um Sicherheit. Es geht aber auch um Kosten und soziale Punkte. Das spricht gegen eine Einführung:

  • Hohe Umbaukosten: Entsprechende Systeme zur Ticketkontrolle müssten erst einmal installiert werden. Darüber hinaus sind viele Bahnhöfe in Deutschland baulich gar nicht für ein solches System geeignet. Auch diesbezüglich müsste man mit baulichen Maßnahmen nachbessern. Kritikerinnen und Kritiker befürchten, dass sich die Kosten dafür am Ende bei den Ticketpreisen bemerkbar machen.
  • Engpässe zu Stoßzeiten: Gerade im Berufsverkehr könnten die Schranken zum Nadelöhr werden, wodurch Menschen ihre Verbindung verpassen.
  • Brandschutz und Fluchtwege: Auch in Extremsituationen wie bei einem Brand können die schmalen Zugänge zum Problem werden.
  • Einschränkung: Das System würde es beispielsweise unmöglich machen, jemanden noch bis zum Zug zu begleiten, wenn man kein eigenes Ticket hat.
  • Soziale Ausgrenzung: Je nachdem, wo die Schranken angebracht werden, nehmen sie beispielsweise obdachlosen Personen einen wichtigen Raum, um sich vor schwieriger Witterung zu schützen.

Kommen Bahnsteigsperren am Frankfurter Hauptbahnhof?

Dass solche Schranken kommen, ist noch lange nicht ausgemacht. Und selbst wenn es Testläufe geben sollte, dann ist nicht klar, ob dabei der Nah- oder der Fernverkehr priorisiert werden würde. Bilger selbst räumte zudem ein, dass es angepasste Konzepte bräuchte, anstatt das Vorgehen anderer Länder zu übernehmen, da Bahnhöfe in Deutschland oft historisch gewachsen seien.

Bei einem Konzept für deutsche Bahnsteigsperren müssten entsprechend viele Details beachtet werden. Für einen eventuellen Testlauf würde sich der Frankfurter Hauptbahnhof auch dahingehend anbieten, dass es sich zumindest im oberirdischen Bereich um einen sogenannten Kopfbahnhof handelt. Das bedeutet, dass vor allem die oben ankommenden Fern- und Regionalzüge nach dem Halt in die ankommende Richtung zurückfahren müssen, da die Gleise dort am Prellbock enden.

Bei solchen Bahnhöfen gibt es in der Regel nur einen Zugang zum jeweiligen Gleis. Das würde die Installation von Bahnsteigsperren vereinfachen. Allerdings existieren zum jetzigen Zeitpunkt diesbezüglich keine offiziellen Pläne.