Die offizielle Aufgabe der Palastwachen am Buckingham Palace ist es, den Sitz des britischen Monarchen und der königlichen Familie rund um die Uhr zu beschützen. Längst sind die stramm stehenden Uniformierten, die im Dienst keine Miene verziehen, aber auch selbst zur Attraktion und zu einem beliebten Fotomotiv geworden. Besonders markant ist dabei nicht nur die rote Farbe der Uniformen, sondern auch die hoch aufgetürmten Kopfbedeckungen aus Fell.
Diese werden offiziell Bärenfellmützen genannt und bereits seit 1815 von der Palastwache getragen. Allerdings gibt es bereits seit Jahren Diskussionen über die ungewöhnlichen Kopfbedeckungen. Die Britinnen und Briten selbst sind sich dabei überhaupt nicht einig, ob man an den Mützen festhalten oder diese endlich abschaffen sollte. Hauptgrund für die Diskussionen ist, dass die Mützen bis heute aus echtem Bärenfell bestehen. Jetzt kommt Bewegung in die Sache.
Britische Abgeordnete fordern Abschaffung der Bärenfellmützen
Zahlreiche Parlamentarierinnen und Parlamentarier haben in einem offenen Brief die Abschaffung der Bärenfellmützen gefordert. Das Dokument wurde fraktionsübergreifend aufgesetzt und ist an den formal für die Wache zuständigen Verteidigungsminister Luke Pollard gerichtet. Unterzeichnet haben 18 Abgeordnete des Unterhauses und ein Mitglied des Oberhauses.
Das Ziel ist vor allem, dass nicht länger echtes Bärenfell zum Einsatz kommt. Aktuell greift man dafür auf das Fell legal geschossener Tiere aus Kanada zurück. Dem wollen die Abgeordneten ein Ende setzen und fordern stattdessen den Einsatz von synthetischem Material. In diesem Fall passe die Tradition einfach nicht mehr zu modernen Tierschutzstandards, wird argumentiert.

Streit um Mützen der Palastwachen wird seit Jahren geführt
Die Debatte um die Bärenfellmützen ist keinesfalls neu. Zuletzt wurden 2024 Forderungen zur Abschaffung laut, als bekannt wurde, dass das Verteidigungsministerium 1,2 Millionen in zehn Jahren für die auffällige Kopfbedeckung ausgegeben hat. Ein einzige Ausgabe kostet dabei rund 2.460 Pfund, was in etwa 2.868 Euro entspricht. Diese Summe mag in der Gesamtrelation nicht groß ins Gewicht fallen, dennoch wäre ein Umstieg auf künstliche Alternativen günstiger und hätte darüber hinaus auch eine symbolische Wirkung.
Denn für jede Mütze wird umgerechnet ein Schwarzbär geschossen. Pro Jahr werden allein 50 bis 100 Stück für die britische Wache benötigt. Die Tierschutzorganisation Peta hat deshalb bereits 2019 eine recht aufsehenerregende Kampagne gestartet und die bekannte Designerin Vivienne Westwood gebeten, eine neue und zeitgemäßere Kopfbedeckung zu entwerfen, bei der kein echtes Fell zum Einsatz kommt.
Bei diesem Unterfangen zählt nicht nur die Optik, sondern auch die Widerstandskraft des verwendeten Materials. Denn die Wachen stehen bei Wind und Wetter vor dem Buckingham Palace. Dabei geht es nicht nur darum, dass die Mützen weiterhin zu jeder Zeit ein schönes Fotomotiv abgeben sollen. Würden sie ständig durch das Wetter beschädigt, würden wiederum die Kosten für die Anschaffung steigen.
Kopfbedeckungen haben eine militärische Tradition
Für die Abschaffung sprechen also – bei der richtigen Alternative – sowohl eine Senkung der Kosten als auch und vor allem das Tierwohl. Es gibt aber auch Gegenstimmen, die vor allem auf die lange Tradition verweisen. Diese besteht seit 1815 und wurde vor allem aus Frankreich übernommen. Die in der Schlacht von Waterloo siegreichen britischen Soldaten sollen damals die Mode übernommen haben, um größer zu wirken – immerhin sind die Mützen 45 Zentimeter hoch.
In Frankreich gab es hingegen sogar mehrere Varianten, die sich allesamt von der sogenannten Grenadiermütze ableiteten, die seit Mitte des 17. Jahrhunderts von Grenadieren, einem Teil der Infanterie, getragen wurden. Zuvor hatten Soldaten vor allem breitkrempige Hüte getragen, was beispielsweise beim Schultern neuer Waffen wie der Muskete oder auch beim Werfen von Granaten hinderlich war.
Daraus entwickelte sich eine höhere, krempenlose Variante, die beim französischen Militär bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf der Vorderseite mit Bärenfell überzogen wurde. Während die Kopfbedeckungen aber beispielsweise in Preußen aufgrund ihrer teuren Herstellung schnell wieder abgeschafft beziehungsweise günstig modifiziert wurden, wurden sie in Großbritannien zum Symbol. Und auch in einigen weiteren Ländern, darunter beispielsweise Kanada und Dänemark, werden Bärenfellmützen zu offiziellen Anlässen noch vom Militär getragen.

