Der menschliche Körper braucht Flüssigkeit zum Überleben. Denn während er eine gewisse Zeit auf Nahrung verzichten kann, kann der Mensch nur wenige Tage ohne auskommen, bis er verdurstet. Wasser gilt dabei als das Basisgetränk schlechthin, mit dem man nicht viel verkehrt machen kann. Aber auch Fruchtsaft erfreut sich großer Beliebtheit – möglicherweise zu Unrecht?
Früchte enthalten bekanntermaßen Vitamine und Ballaststoffe und gelten deshalb allgemein als gesund. Viele schließen daraus, dass das auch für Fruchtsäfte gelten muss. Unter anderem auch deshalb belegen sie seit Jahren den zweiten Platz der beliebtesten Getränke in Deutschland, direkt hinter Wasser und noch vor Kaffee oder Bier. Besonders beliebt sind dabei Apfel- und Orangensaft. Allerdings enthalten Fruchtsaft oder auch Smoothies oft hohe Mengen an Zucker, während die wertvollen und viel gepriesenen Vitamine im Herstellungsprozess eher verloren gehen. Eine Studie eines Forschungsteams aus Wien hat sogar herausgefunden, dass schon kleine Mengen Saft ausreichen können, um dem Immunsystem zu schaden.

Fruktose kann das Immunsystem beeinflussen und Entzündungen verursachen
In der Studie ging es konkret um die Aufnahme von Fruktose, also von Fruchtzucker, der in Fruchtsäften und -smoothies in großen Mengen auftaucht. Im Rahmen des Versuchs wurden zwei Teilexperimente durchgeführt. Zum einen mussten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer drei Tage lang 25 Prozent ihrer Kalorien aus Fruktose beziehen. Das entsprach etwa 120 bis 150 Gramm Fruchtzucker am Tag. Im zweiten Teil mussten sie wiederum innerhalb einer Stunde ein Getränk konsumieren, das 100 Gramm Fruchtzucker enthielt. Das ist vergleichbar mit einem Liter Fruchtsaft oder auch einem gängigen Softdrink. Es handelt sich um dem Forschungsteam zufolge übliche Mengen, die in gängigen Haushalten konsumiert werden, zumal Fruchtzucker auch als gängiges Süßungsmittel für andere Lebensmittel eingesetzt wird.
Die anschließende Blutprobe ergab eine verstärkte Reaktion des Immunsystems auf die Fruktose, vor allem in den Säften. Nach wenigen Stunden stieg etwa die Ausschüttung entzündungsfördernder Stoffe, teilweise sogar um das Fünffache. Das hat eine entzündungsfördernde Wirkung auf das Immunsystem. Den Expertinnen und Experten der Studie zufolge liegt das daran, dass Fruchtzucker, wie er eben auch in Fruchtsaft vorkommt, bestimmte Schalter in den Monozyten aktiviert. Dabei handelt es sich um die Immunzellen, die Krankheitserreger identifizieren. Diese werden durch die Fruktose quasi überreizt, was eine Entzündung zur Folge hat, obwohl es dem Körper eigentlich gut geht.

Fruchtsaft sollte laut Studie mit Vorsicht und nicht in rauen Mengen genossen werden
Darüber hinaus beeinflusst Fruchtzucker offenbar auch den Energiehaushalt der Zellen negativ und stößt damit eine Kettenreaktion an, die dem Immunsystem schadet. „Unsere bisherigen Studien, die allerdings immer nur kurzfristige Effekte von Fruchtzucker und Glucose oder aber Mischungen aus Saccharose, Glucose und Fructose mit z. B. Apfelsaft verglichen haben, weisen darauf hin, dass Fruchtzucker (alleine oder in Mischung mit anderen Zuckern) die Darmbarriere und auch Entzündungsprozesse beeinflusst, was wir nach dem Verzehr von Glucose oder Apfelsaft nicht in der Form gesehen haben“, erläutert Prof. Dr. Bergheim gegenüber „Fitbook“.
Schon ein Glas Fruchtsaft mit 200 bis 250 Millilitern Flüssigkeit kann etwa 13 bis 16 Gramm Fruktose enthalten und damit negative Auswirkungen haben. Am besten setzt man deshalb auf Obst in seiner puren Form und trinkt stattdessen Wasser oder andere ungesüßte Getränke. Das bedeutet nicht, dass man überhaupt keinen Fruchtsaft trinken sollte, aber am besten in kleineren Mengen.
