Warum „Generation Burnout“ nicht die Gen Z meint

Bei „Generation Burnout“ denken vermutlich viele zunächst an jüngere Arbeitnehmer, die zur Generation Z gehören. Experten machen allerdings darauf aufmerksam, dass durch diese Zuschreibung häufig übersehen wird, wie die Belastung in anderen Generationen aussieht.
Warum „Generation Burnout“ nicht die Gen Z meint
iStock / Simplylove

Der Begriff „Generation Burnout“ hat sich zunehmend in der Popkultur etabliert. Die Bezeichnung geht maßgeblich auf die Journalistin Anne Helen Petersen zurück, die damit in einem Essay vor allem die Millennials, also Generation Y, beschreibt. Seitdem haben mehrfach Expertinnen und Experten argumentiert, dass inzwischen die nachfolgende Gen Z dieses Erbe angetreten habe.

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Das liegt unter anderem dem Deutschen Bundesverband für Burnout-Prävention (DBVB) zufolge zum einen an erhöhtem Druck auf diese Generation, der durch jüngere Entwicklungen wie Social Media deutlich gestiegen ist. Zum anderen herrscht ein größeres Bewusstsein für die psychologischen Risiken dieses Drucks. Der Verband drückt sich diesbezüglich deutlich aus: „Die 'Generation Burnout' kämpft mit massiver Überlastung.“

Es gibt aber auch Stimmen, die den Begriff „Generation Burnout“ eher als Konzept denn als eine festgelegte Zuschreibung verstehen. Bei der Verschiebung dieser Sichtweise wird eine Sache deutlich, die oft in Diskussionen übersehen wird: Auch die sogenannten Babyboomer sind – teilweise deutlich – von einem Burnout bedroht.

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Warum Babyboomer die wahre „Generation Burnout“ sind

Als Babyboomer werden jene Menschen bezeichnet, die zu den Geburtenjahrgängen zwischen 1946 und 1964 gehören. Wer zu dieser Generation gehört, ist in einer völlig anderen Lebensrealität aufgewachsen. Gerade die Jugendjahre dieser Menschen waren vom Wirtschaftswunder und dem damit einhergehenden gesellschaftlichen Wandel geprägt.

Das bedeutete oft noch klare Rollenbilder, während sich Deutschland gleichzeitig nach dem Zweiten Weltkrieg noch im Wiederaufbau befand und viele Kriegstraumata nicht aufgearbeitet wurden. Das hatte verschiedene Folgen. Schaut man aber beispielsweise auf die Arbeitswege der Babyboomer, dann sind diese oft von einem klaren Karrierefokus geprägt. Gleichzeitig etablierte sich ein pflichtbewusstes Arbeitsverständnis, das selten hinterfragt wurde.

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Gleichzeitig zeichnet sich die Generation durch ein großes Verantwortungsgefühl in bestimmten Bereichen und eine spürbare Resilienz aus. Daraus leiteten sich aber auch ein großer Leistungsdruck und das Verständnis ab, dass Leistung nur dann etwas zählt, wenn sie auch gut sichtbar ist. All das führte jedoch im Laufe der Jahre zu einer dauerhaften Überlastung – die ultimativen Voraussetzungen für eine „Generation Burnout“.

Alarmierende Zahlen zu Überlastung von Babyboomern

Babyboomer leiden seit Jahren im Stillen und teilweise von sich selbst unbemerkt an chronischem Stress und Erschöpfung. Anzeichen dafür sind beispielsweise wachsende Zahlen bei Frühverrentungen und das macht das Ganze wiederum zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem, vor allem, wenn man an dem strikten Leistungsgedanken festhält, mit dem diese Generation aufgewachsen ist.

Die Zahlen zeigen unter anderem, dass beispielsweise bereits zwischen 1993 und 2001 weniger als zehn Prozent der verbeamteten Personen die Regelaltersgrenze erreichten. Die meisten Frühpensionierungen gingen damals schon auf Symptome zurück, die heute klar als Depression identifiziert werden können. 2025 erreichte die Zahl derer, die wegen psychischer Erkrankungen Neuzugänge in der Erwerbsminderungsrente waren, einen vorläufigen Rekordwert.

Generation Burnout Symbolbild: Bausteine zeigen eine sich leerende Batterie
Shutterstock / 3rdtimeluckystudio

Die „Generation Burnout“ nimmt ihre Probleme mit in die (Früh-)Rente

Mit Blick auf die Entwicklungen über das Leben der Babyboomer hinweg, zeigen sich Expertinnen und Experten von diesen Entwicklungen nicht verwundert. Die Mitglieder dieser Generation sind mit einem einmaligen Wohlstandsversprechen aufgewachsen, das tatsächlich eingelöst wurde. Bedingt durch die im Krieg gerissenen Lücken und den anschließenden Wirtschaftsaufschwung gab es enorme Entwicklungsmöglichkeiten in der Bildung und der späteren Karriere.

Nie war der positive Wohlstandssprung zwischen zwei Generationen größer als zwischen den Babyboomern und der vorherigen sogenannten „Stillen Generation“. Kinder hatten plötzlich deutlich bessere Möglichkeiten und Chancen als ihre Eltern, sich echten Wohlstand zu erarbeiten. Gleichzeitig gab es enorme Spielräume, politische Entwicklungen voranzutreiben.

Das lag sowohl an der Zeit an sich als auch an der schieren Größe der Generation der Babyboomer, die diesem Umstand auch ihren Namen verdankt. Daraus ergab sich jahrzehntelang ein großer Arbeitswille, der enorm wichtig für das Land und die Wirtschaftsleistung war.

Warum sich viele an der Gen Z ein Beispiel nehmen könnten

Allerdings zeigt sich aktuell, dass die Probleme, die in ihrer Dringlichkeit primär jüngeren Generationen zugeschrieben werden, auch auf die Babyboomer Auswirkungen haben und sie zur geheimen „Generation Burnout“ machen. Das war unter anderem Thema bei einem Fachsymposium der Universität Kassel.

Dabei legte die Psychoanalytikerin Marie-Luise Hermann dar, dass aktuell viele angesichts neuer Lebensrealitäten an gesteckten Zielen scheitern, was zu einem Gefühl des persönlichen Scheiterns wird. Gleichzeitig sei es für viele Mitglieder der Babyboomer nach wie vor nicht üblich, sich mit psychischen Problemen auseinanderzusetzen.

Zahlen belegen deutlich, dass Generation Z beispielsweise Erschöpfung besser und früher erkennt und entsprechend reagiert. Dadurch entsteht oft der Eindruck, dass diese Generation besonders von Erkrankungen wie Burnout betroffen ist, während man auf der anderen Seite davon ausgehen kann, dass sie dem Arbeitsmarkt auf diese Weise nachhaltiger zur Verfügung steht – angesichts einer zunehmend in Rente gehenden Generation der Babyboomer und aktuellen Entwicklungen beispielsweise in der gesetzlichen Rente könnte das ein wichtiger Faktor sein.