Wer sich dauerhaft ausgebrannt, erschöpft und überfordert fühlt, leidet vermutlich am sogenannten Burnout-Syndrom. Der Begriff stammt bereits aus den 1970er-Jahren und wurde maßgeblich von dem US-amerikanischen Psychotherapeuten Herbert Freudenberger geprägt. Gemeint sind die Folgen übermäßiger Belastung, wobei der Begriff ursprünglich vor allem auf Personen in pflegenden Berufen angewendet wurde.
Inzwischen ist er allerdings allgemein gültig und kann sowohl aus totaler Erschöpfung im Privaten als auch im Berufsalltag resultieren. Mögliche Symptome eines Burnouts sind chronische Müdigkeit und Erschöpfung, negative und bedrückte Stimmung, Gereiztheit und ein messbares Nachlassen der Belastungs- und Leistungsfähigkeit.
Wer Burnout nicht behandelt und einfach weitermacht, riskiert psychische und sogar physische Schäden wie Depressionen oder Herz-Kreislauf-Probleme. Studien beschäftigen sich deswegen schon lange mit dem Syndrom und haben – mit Fokus auf den Job – drei wesentliche Faktoren identifiziert, die zu Burnout führen können und die man deshalb vermeiden sollte.
Mehr als 500 Studien ausgewertet
In einer groß angelegten Meta-Analyse hat sich ein Team der Auburn University, der Old Dominion University und der University of Illinois Urbana-Champaign mehr als 500 wissenschaftliche Studien zu Themen wie Stress am Arbeitsplatz angeschaut und diese ausgewertet. Die Daten basieren auf ungefähr 60 Jahren Forschungsarbeit und beziehen sich auf etwa 800.000 Angestellte in verschiedenen Berufen. Der Analyse zufolge gibt es drei Faktoren für Burnout:
- Role Overload
- Role Conflict
- Role Ambiguity
Alle drei Faktoren haben also etwas mit der Rolle zu tun, die man im Beruf einnimmt und auf welche Art von Konflikten man dort vor allem strukturell stößt. Alle drei haben das Potenzial, Beschäftigten systematisch die Kontrolle und vor allem das Erfolgserlebnis zu entziehen.

Burnout ist oft eine Frage der genauen Arbeitsbedingungen
„Role Overload“ bedeutet Rollenüberlastung und ist vermutlich das Erste, an das Leute denken, wenn sie das Wort Burnout hören. Es bedeutet schlicht, dass in einer Rolle zu viel zu tun ist oder auch, dass die Aufgaben zu komplex sind. Für Beschäftigte bedeutet das, dass der Berg an Arbeit niemals kleiner wird. Das kann zu chronischem Stress und Überlastung führen, weil der Körper die permanent ausgeschütteten Stresshormone nicht mehr richtig abbauen kann.
Der sogenannte „Role Conflict“, also Rollenkonflikt, entsteht durch verschiedene Erwartungen, die nicht in derselben Rolle zu vereinbaren sind. Ein klassisches Beispiel ist etwa, wenn zwei Führungskräfte in Bezug auf dieselbe Aufgabe etwas völlig Verschiedenes fordern. Es kann sich aber auch um einen inneren Konflikt handeln wie etwa bei Pflegekräften, die allen Patientinnen und Patienten gerecht werden möchten, dabei allerdings einer strengen Zeiteinteilung unterliegen.
Die Rollenmehrdeutigkeit beziehungsweise Rollenunklarheit – „Role Ambiguity“ genannt – entsteht, wenn Angestellte nicht genau wissen, was sie eigentlich machen sollen. Auch dafür kann es verschiedene Ursachen geben. Oft hängt das aber von mangelnden Vorgaben vonseiten des Unternehmens ab. Dadurch leiden Performance und Stimmung am Arbeitsplatz, aber auch das Selbstbewusstsein von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, da es das Gefühl der persönlichen Leistungsfähigkeit zerstört.
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Arbeitgeber müssen klare Strukturen schaffen
Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass „Role Ambiguity“ tatsächlich der mit Abstand schädlichste Faktor ist und zu einem Rückgang des Arbeitsengagement von etwa 70 Prozent führen kann. Entgegen weit verbreiteter Meinungen wird Burnout also meistens nicht von „Overload“ verursacht, sondern von unklaren Anforderungen.
So simpel alle drei Burnout-Faktoren scheinen, so schwierig sind sie oft im Detail zu lösen. Zwar erfordert Überlastung in der Theorie einfach nur weniger Aufgaben, Konflikte können durch klarere Strukturen gelöst und Mehrdeutigkeit durch klare Zielsetzungen vermieden werden. Das stellt vor allem Führungskräfte allerdings mitunter vor große Herausforderungen, zumal nicht immer die Ressourcen vorhanden sind, um alles adäquat umzusetzen.
Dabei wären entsprechende Maßnahmen nicht nur im Sinne der Angestellten. Auch Unternehmen profitieren schließlich davon, wenn ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besser arbeiten können und nicht vielleicht sogar wegen Burnout komplett ausfallen. Eine AOK-Studie aus dem Jahr 2023 zeigt zudem deutlich, dass die Zahlen steigen. Waren es im Jahr 2004 noch 0,6 Burnout-bedingte Arbeitsunfähigkeitsfälle auf 1.000 AOK-Versicherte, so waren es 2023 bereits 7,7 – ein sattes Plus von mehr als 1.000 Prozent.

