Von wegen Arbeitserleichterung: Studie zeigt die wahren Folgen von KI im Job

KI krempelt in vielen Branchen den Arbeitsalltag komplett um und verspricht dabei vor allem mehr Effizienz und Entlastung für die Beschäftigten. Allerdings zeigt eine neue Studie, dass das nur bedingt stimmt.
Von wegen Arbeitserleichterung: Studie zeigt die wahren Folgen von KI im Job
iStock / Sean Anthony Eddy

Texte per Knopfdruck erstellen, lange Inhalte zusammenfassen, Daten verarbeiten – Künstliche Intelligenz (KI) übernimmt inzwischen in vielen Branchen solche und auch noch zahlreiche andere Aufgaben. Das Versprechen dahinter ist groß: Die KI soll viele umfangreiche und repetitive Tätigkeiten ausführen. Dadurch sollen sich die menschlichen Arbeitskräfte besser auf wichtige, kreative und „wertschöpfende“ Aufgaben konzentrieren können, was insgesamt für mehr Effizienz sorgen und die Arbeitsleistung verdichten soll.

Grundsätzlich stimmt das auch. Allerdings zeigen sich im Rahmen einer achtmonatigen Langzeitstudie mit etwa 200 Beschäftigten auch schwere Folgen, die die Produktivität langfristig eher schmälern könnten. Dafür wurden sowohl interne Kommunikation als auch Vor-Ort-Beobachtungen ausgewertet, ergänzt durch umfangreiche Interviews. Über das Ergebnis berichtete das „Harvard Buisiness Review“, das allerdings auch direkt klarstellt: Das Entlastungsversprechen durch KI ist mit großer Vorsicht zu behandeln.

KI am Arbeitsplatz: Leute sitzen im Schreibtisch, um sie herum Hologramme
iStock / metamorworks

Künstliche Intelligenz übernimmt zunehmend „einfache“ Aufgaben, was den Druck für Beschäftigte erhöht

Die Studie zeigte eine tatsächliche Produktivitätssteigerung durch KI. Wer entsprechende Tools nutzte, lieferte schnellere Ergebnisse und konnte dadurch weitere Aufgaben übernehmen. Dadurch entsteht zwar eine erhöhte Produktivität für Unternehmen, allerdings steigt die Arbeitsbelastung für die Beschäftigten, da eine Arbeitsverdichtung stattfindet. Der Studie zufolge geht es um drei verschiedene Formen dieser Verdichtung:

  • schleichende Ausweitung der Aufgaben
  • Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen
  • zunehmend mehr Multitasking

Beschäftigte übernehmen mithilfe von KI-Tools häufiger eigentlich fachfremde Tätigkeiten zusätzlich zu ihren Aufgaben, die vorher eine eigene Stelle ausgeführt hätte. Teilweise entsteht durch die fachfremden Kolleginnen und Kollegen Mehrarbeit für die Expertinnen und Experten zu einem Thema, die oft außerhalb des formalen Rahmens stattfindet. Dadurch, dass sich die Nutzung von KI-Tools etwa durch die Chat-Form niedrigschwelliger anfühlt, tendieren viele Beschäftigte dazu, vermeintlich kleine Aufgaben während Meetings, parallel zu einer anderen Aufgabe oder sogar in ihrer Pausenzeit anzustoßen. Das führt zu teils deutlich verkürzten und weniger erholsamen Pausen.

Durch die zunehmende Nutzung von KI-Tools übernehmen zudem immer mehr Beschäftigte mehr Aufgaben zur gleichen Zeit. Viele beschrieben dabei im Rahmen der Studie ein grundsätzlich positives Gefühl; die Künstliche Intelligenz wurde als kompetenter Partner wahrgenommen. Dadurch wird aber auch ein permanenter Aufmerksamkeitswechsel herbeigeführt, der langfristig belastet, zumal auch die Erwartungshaltung an die Schnelligkeit, mit der Aufgaben erledigt werden, steigt.

KI am Arbeitsplatz: Holografische Projektionen schweben über einem Tablet, das jemand in der Hand hält
iStock / Sakorn Sukkasemsakorn

KI kann eine Bereicherung sein, muss in Unternehmen aber klaren Normen unterliegen

Die kumulierten Ergebnisse dieser Arbeitsverdichtung lassen aufhorchen. Die Forscherinnen und Forscher beschreiben dabei einen sich selbst immer weiter verstärkenden Kreislauf aus Schnelligkeit, Erwartungsdruck und Abhängigkeit von der Technologie, der Beschäftigte zunehmend unter Druck setzen würde.

Kurzfristig könne KI also eine teils deutliche Produktivitätssteigerung bedeuten. Langfristig wird auf Basis der Studienergebnisse aber vor einer Überlastung gewarnt. Diese könne wiederum zu höheren Fehlerquoten und auch zu personellen Ausfällen führen. Um das zu vermeiden und echte KI-Nachhaltigkeit in Arbeitsprozessen zu erreichen, empfehlen die Forscherinnen und Forscher daher verbindliche Regelungen für die Einbindung der Technologie.