Künstliche Intelligenz hat die Arbeitswelt in den vergangenen Jahren geprägt wie keine andere Technologie. Manche Branchen sind davon kaum betroffen, in anderen wurden menschliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits durch KI ersetzt oder es wurden Stellen mit Verweis auf die Technologie nicht nachbesetzt.
Anders als bei vorherigen digitalen Entwicklungen sind dabei überdurchschnittlich häufig Jobs betroffen, die einen akademischen Hintergrund haben und die lange als besonders sicher galten. Das bedeutet für betroffene Berufe wie beispielsweise in der IT, im Ingenieurwesen oder im Journalismus zwar mitunter auch, aber nicht automatisch einen Jobverlust. Häufig äußert sich der Wandel in einer wachsenden Einbindung von KI in verschiedenste Prozesse.
Für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist KI dadurch ein fester Bestandteil ihres Berufsalltags geworden. Dass das nicht nur Vorteile hat, haben Umfragen und Studien schon mehrfach gezeigt. Eine neue Datenerhebung unterstreicht nun noch einmal den Aspekt, der häufig als KI-Müdigkeit bezeichnet wird.
Was ist KI-Müdigkeit und welche Ursachen gibt es?
Das im Englischen als AI Fatigue bezeichnete Phänomen ist vor allem in den Berufsgruppen zu betrachten, die besonders viel mit Künstlicher Intelligenz zu tun haben. Hinter dem Begriff steckt das Konzept der Überlastung durch eine Technologie, die eigentlich alles einfacher und schneller machen sollte und dadurch Mehrarbeit produziert. Diese Mehrarbeit gilt dabei für mehrere Bereiche.
- Größerer Korrekturaufwand: KI-Ergebnisse sind nach wie vor in anderem Maße fehleranfällig als die von Menschen, was in erster Linie auf der grundsätzlichen Funktionsweise beruht, die stark vereinfacht gesagt einer großen Wahrscheinlichkeitsrechnung entspricht. Das Prüfen und gegebenenfalls das Ausbessern der KI-Ergebnisse ist je nach Beruf inzwischen wesentlicher Teil des Arbeitsalltags vieler Angestellter. Teilweise nimmt dieser Prozess dann sogar mehr Zeit in Anspruch, als wenn die Person die Aufgabe von vornherein selbst erledigt hätte.
- Gestiegener Erwartungsdruck: Vorgesetzte erwarten durch den Einsatz von KI oft schnellere und bessere Ergebnisse.
- Fachfremder Einsatz: Mit KI steht theoretisch noch mehr Wissen in noch kürzerer Zeit zur Verfügung. Das führt dazu, dass Angestellte zunehmend mit KI-Unterstützung Aufgaben übernehmen, die eigentlich nicht in ihren Einsatzbereich fallen. Teilweise geschieht das auch nach einem Stellenabbau.
- Weniger Sinn: Für viele Angestellte bedeutet der Einsatz von KI nicht einfach eine Anpassung der Arbeitsweise, sondern es gehen wesentliche Inhalte des ursprünglichen Berufs verloren, beispielsweise im Kreativen.
Diese Gemengelage führt bei immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu Demotivation und Frust. Aktuelle Umfragewerte zeigen, dass der grundsätzliche Einfluss von Künstlicher Intelligenz dadurch zunehmend negativ wahrgenommen wird.

Künstliche Intelligenz verändert Art und Wahrnehmung von Arbeit
Einer Umfrage der Beratungsfirma Adaptavist zufolge führt das in vielen betroffenen Berufsfeldern, die als „Wissensjobs“ zusammengefasst werden, dazu, dass sich viele sogar die komplette Abschaffung von generativer KI wünschen. Die Auswertung ist im Rahmen des Berichts „Der Preis der digitalen Transformation“ erschienen, wobei sich das entsprechende Kapitel vor allem mit dem kognitiven Preis von Künstlicher Intelligenz am Arbeitsplatz beschäftigt.
Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die eigentlich durch die Technologie entlastet werden sollen, beschreiben eine wachsende Entfremdung von KI. Das führt zum einen dazu, dass mit 72 Prozent ein großer Teil regelmäßig nostalgisch auf die Zeit vor der KI-Einführung zurückblickt. Das gilt im Übrigen auch für zahlreiche jüngere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
25 Prozent würden Künstliche Intelligenz sogar am liebsten wieder komplett abschaffen. In diesem Kontext zeigt die Umfrage zudem eine scheinbar subtile, aber dennoch wichtige Verschiebung in der Wahrnehmung von Expertise. Immer mehr Menschen haben das Gefühl, dass ihre Expertise nicht mehr wertgeschätzt wird und weniger wert ist – und das in einer Zeit, in der Expertise und menschliche Erfahrung eigentlich wichtiger denn je sind.
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Fachkräfte wandern in Jobs mit weniger KI ab
Darüber hinaus befürchtet mit 54 Prozent mehr als die Hälfte der Wissensarbeiterinnen und -arbeiter, dass KI den Bedarf an ihrer Rolle in den kommenden Jahren verringern wird. Die größten Sorgen machen sich diesbezüglich dem Bericht zufolge im Übrigen vor allem Führungskräfte.
Die Folge dieser Entwicklungen laut Adaptivist: Immer mehr Fachkräfte in den betroffenen Wissensberufen denken über einen Branchenwechsel nach. Insgesamt sollen es inzwischen 39 Prozent sein. Dabei lehnen die meisten der Befragten die Technologie trotz ihrer Bedenken nicht per se ab, allerdings führt der Einsatz bei vielen zu Unsicherheit.

