Der schwedische Musik-Streaming-Dienst Spotify konnte zuletzt Rekordzahlen verzeichnen. Für weiteres Wachstum sollen unter anderem weitere Kundinnen und Kunden vom kostenlosen Werbe-Abo zum Abschluss eines Premium-Abonnements bewegt werden, unter anderem indem ihnen mehr Werbung ausgespielt wird. Aber auch Künstliche Intelligenz unter anderem in Form neuer Funktionen soll beim Wachstum eine wichtige Rolle spielen.
Jetzt hat Spotify allerdings angekündigt, KI an anderer Stelle deutlich einzuschränken. Dabei geht es um die inzwischen zahlreichen KI-generierten Inhalte auf der Plattform. Dafür setzt der Anbieter ab September auf eine Kennzeichnungspflicht. Diese sieht nicht nur vor, dass Nutzerinnen und Nutzer KI-Inhalte besser erkennen können. Die entsprechenden Titel sollen zudem aus allen algorithmischen Empfehlungen und redaktionellen Playlists verbannt werden. Wie sieht das in der Praxis aus?
Warum KI-Inhalte auf Spotify so ein großes Problem sind
Vor einer Schwemme entsprechender Inhalte warnen Künstlerinnen und Künstler schon länger, zumal auch die Bands hinter den Songs oft gar nicht wirklich existieren, wie etwa das Beispiel der fiktiven beziehungsweise KI-generierten Band „The Velvet Sundown“ zeigt. Das ist vor allem mit Blick auf das Vergütungsmodell des Anbieters problematisch. Dieses sieht nämlich vor, dass Künstlerinnen und Künstler nicht per Stream bezahlt werden, sondern dass am Ende die zur Auszahlung vorgesehene Gesamtsumme aus den Erlösen anteilig nach Streams verteilt wird.
Entsprechend verdrängen KI-Inhalte die Musik echter Personen und schmälern dadurch ihr Einkommen massiv. Das hat zur direkten Folge, dass weniger Titel von echten Musikerinnen und Musikern zur Verfügung stehen, während gleichzeitig die Masse an KI-Inhalten immer weiter zunimmt, an denen es zudem auch qualitative Kritik gibt.
Zudem tauchen auch immer wieder KI-Imitationen bekannter Songs auf, deren Veröffentlichung gar nicht rechtmäßig ist. Zudem gab es prominente Kritik an einigen KI-Funktionen von Sängerin Lorde, aber auch von Indie-Bands wie King Gizzard & the Lizard Wizard. Der Spotify-Boykott der Band hat allerdings auch etwas mit den Investitionen des Firmengründers Daniel Ek in die Rüstungsindustrie zu tun.
Passend zum Thema: KI-Schauspielerin Tilly Norwood bekommt erste Hauptrolle
Kennzeichnungspflicht bezieht sich auf die Künstlerprofile
Auf die Kritik bezüglich Künstlicher Intelligenz reagiert Spotify nun mit seiner Kennzeichnungspflicht. Ab Mitte September 2026 müssen entsprechend alle Musikerinnen und Musiker auf der Plattform, die komplett mit KI erstellt wurden, mit dem KI-Persona-Label gekennzeichnet werden. Dieses Label ist dann direkt auf den Profilen, aber auch in der Suche und in Playlists sichtbar.
Die Inhalte dieser Profile werden dann zudem automatisch vom Algorithmus abgewertet. Zudem werden markierte „Personen“ standardmäßig aus redaktionellen Playlists ausgeschlossen. Für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet das, dass sie nur noch dann in Kontakt mit den KI-Inhalten kommen, wenn sie ganz aktiv danach suchen.

Spotify kündigt interne Kontrollen an
Im ersten Schritt überlässt es Spotify den Urheberinnen und Urhebern der Profile, diese entsprechend zu labeln. Im nächsten Schritt überprüft der Anbieter die Einhaltung der Kennzeichnungspflicht. Dabei soll ein internes Team reichweitenstarke Profile überprüfen. Bei diesem Vorgehen ist nicht ausgeschlossen, dass vor allem kleinere Profile durchs Netz schlüpfen. Allerdings stellen diese im Vergleich ein deutlich kleineres Problem dar.
Wird ein Profil von Spotify als künstlich erstellt markiert, erhalten die Urheberinnen und Urheber die Möglichkeit auf Einspruch. Grundsätzlich richtet sich die Maßnahme nicht gegen KI-Inhalte per se, sondern gegen komplett generierte Künstlerinnen und Künstler. Wenn also echte Personen, die auch als solche auftreten, per KI-Werkzeuge Musik generieren, ist das kein Problem.
Weitere geplante Maßnahmen für die Zukunft
Die Kennzeichnungspflicht im September soll nur ein erster Schritt sein. Spotify hat zudem angekündigt, weitere Werkzeuge einführen zu wollen, um Fehlalarme zu minimieren und unentdeckte Profile zu finden. Dazu gehört unter anderem eine geplante Meldefunktion für Nutzerinnen und Nutzer, die dann verdächtige Profile markieren können.
Die neuen Richtlinien ab September sind Teil der KI-Regelungen von Spotify, die der Anbieter bereits im September 2025 ankündigte. Eigenen Angaben zufolge hat das Unternehmen allein in den vergangenen zwölf Monaten rund 75 Millionen Spam-Titel aus seinem Katalog entfernt.

