Rekordzahlen bei Spotify: So will der Streaming-Dienst jetzt noch weiter wachsen

Zum ersten Mal in seiner 20-jährigen Geschichte hat Spotify mehr eingenommen als es investiert hat. Das liegt vor allem an den 300 Millionen zahlenden Abonnenten. Diese Zahl will der Streaming-Dienst mit mehreren Mitteln dennoch weiter erhöhen.
Rekordzahlen bei Spotify: So will der Streaming-Dienst jetzt noch weiter wachsen
iStock / stockcam

Angesichts der Marktmacht Spotifys kommt es für die meisten überraschend, dass das schwedische Unternehmen viele Jahre lang überhaupt nicht rentabel war – im Gegenteil. Seit der Firmengründung im Jahr 2006 wurde mehrfach Verlust gemacht. Vor allem in den vergangenen zwei Jahren ist allerdings ein Aufwärtstrend zu beobachten.

So war 2024 das erste Jahr, in dem Spotify über alle Monate hinweg schwarze Zahlen schrieb. Die Quartalszahlen zeigten damals bereits deutlich, welche Richtung das Unternehmen einschlagen würde. Die zum damaligen Zeitpunkt 265 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten sorgten nämlich allein in Q4 für 90 Prozent des Gesamtumsatzes. Mehr Abos und auch höhere Preise haben die Zahlen seitdem weiter steigen lassen.

Die zahlreichen Nutzerinnen und Nutzer, die den Streaming-Dienst kostenlos nutzen, dafür aber Werbung ausgespielt bekommen, fielen hingegen kaum ins Gewicht. Wenig verwunderlich machte Spotify deshalb in den vergangenen Jahren sein werbefinanziertes Angebot schrittweise unattraktiver – mit Erfolg.

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300 Millionen Nutzer zahlen für Spotify-Abo

Wie nun vermeldet wurde, war zum ersten Mal die Summe aller Nettogewinne höher als die Summe aller verbuchten Ausgaben. Diese Zahlen beziehen sich auf den Stand am 30. Juni 2026 und somit auf den Abschluss von Q2. Aus den Zahlen geht außerdem hervor, dass der schwedische Anbieter 777 Millionen aktive Hörerinnen und Hörer hat, von denen circa 300 Millionen dafür im Rahmen eines Abonnements bezahlen.

Dem gegenüber stehen jedoch etwa 477 Millionen Nutzerinnen und Nutzer, die nach wie vor das kostenlose werbefinanzierte Angebot nutzen. Da das Werbegeschäft trotz einer wachsenden Anzahl an Unternehmen, die Werbung buchen, stagniert, ist das für Spotify verhältnismäßig unattraktiv. Das Unternehmen hat entsprechende Maßnahmen angekündigt.

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Kostenlose Nutzer sollen zu Abo gedrängt werden

Dabei geht es vorrangig um Entwicklungsländer, in denen besonders viele Hörerinnen und Hörer ohne Premium-Abo leben. „Um diese Chance [das Hörerwachstum, Anm. d. Red.] zu nutzen, passen wir unter anderem Aspekte wie die Produktoptimierung und die Anzeigenbelastung in ausgewählten Schwellenmärkten an“, erklärt Alex Norström, Co-Chief Executive Officer von Spotify.

Das bedeutet, dass in diesen Märkten die Nutzerinnen und Nutzer noch mehr Werbung ausgespielt bekommen mit dem Ziel, dass sie entweder in ein Bezahlabo wechseln oder den Dienst nicht mehr nutzen. Bislang wurde das nur für bestimmte Entwicklungsmärkte angekündigt. Ob entsprechende Maßnahmen auch in Europa zur Anwendung kommen könnten, ist nicht bekannt. Norström betont das Potenzial, das in dieser Maßnahme läge, für langfristig höhere Einnahmen.

Kritik an Streaming-Riese Spotify

Den Wachstumszahlen steht eine teilweise ebenso wachsende kritische Haltung vieler Nutzerinnen und Nutzer gegenüber. Ende 2025 wurde in sozialen Netzwerken vielfach zum Boykott des Streaming-Dienstes aufgerufen. Dafür gab es mehrere Gründe. Zum einen wurde bekannt, dass Spotify-Gründer Daniel Ek in KI-Waffentechnologie wie Drohnen investiert. Zum anderen sind auf der Plattform immer mehr KI-Inhalte zu finden.

Das wiederum setzt viele Künstlerinnen und Künstler unter Druck, die bei Spotify ohnehin schlecht verdienen. Wie „Musikkanal“ vorrechnet, gibt es pro Stream 0,002 bis 0,005 Cent. Mit 1.000 Streams verdienen Musikschaffende also 2 bis 5 Euro. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen festen Tarif, sondern um einen Durchschnittswert, zumal Spotify eben auch nicht pro Abruf bezahlt, sondern die Einnahmen in einem Topf sammelt und am Ende danach ausschüttet, wie viele Streams ein Song im Verhältnis zu anderen auf der Plattform erzielen konnte.

KI-Inhalte verkleinern diesen anteiligen Topf also zusätzlich. Dazu kommt die recht aktuelle Kritik, dass die auf der Plattform mittels KI zur Verfügung gestellten ergänzenden Informationen irreführend seien, wie etwa Sängerin Lorde öffentlich anmerkte. Dennoch investiert Spotify weiter in Künstliche Intelligenz und steht zudem unangefochten an der Spitze der Musik-Streaming-Dienste. In Deutschland lag der Marktanteil Ende 2025 sogar bei 95 Prozent.