Wer die Wahl zwischen zwei italienischen Restaurants hat, die in unmittelbarer Nähe zueinander liegen, wird sich am Ende vermutlich für die Einrichtung entscheiden, die die besseren Bewertungen hat. Viele greifen für den Vergleich dieser Bewertungen auf Google zurück, vor allem auf den Kartendienst Maps. Dort kann man nämlich in einem Atemzug das Restaurant recherchieren und eben auch die Bewertungen checken.
Gleiches gilt für andere Einrichtungen wie Hotels, Ladengeschäfte, Cafés und vieles mehr. Aber wie verlässlich sind die gezeigten Bewertungen eigentlich? Eine Stichprobenauswertung der dpa hat ergeben, dass bei mehr als 3.700 Einrichtungen Bewertungen entfernt wurden, nachdem dagegen Beschwerde eingereicht wurde.
Rezensionen löschen lassen dank EU-Gesetz
Nachvollziehen lässt sich das anhand von Löschhinweisen, die Google seit einigen Wochen mit einbindet. Bewertungen für das eigene Unternehmen löschen zu lassen, ist schon seit 2024 und der Einführung des „Digital Services Act“ der EU möglich. In seinen Richtlinien schreibt Google dazu: „Wenn Sie in Ihrem Unternehmensprofil eine Rezension finden, die gegen Google-Richtlinien verstößt, können Sie sie melden und die Entfernung beantragen.“
Das Unternehmen löscht also gemeldete Beiträge, die nicht den Richtlinien entsprechen. Das bedeutet theoretisch, dass nicht jede Google-Rezension, die für einen Anbieter unangenehm ist, einfach entfernt werden kann. Allerdings gibt es einige Schlupflöcher. So können Anbieter etwa angeben, dass die Rezension von einer Person kommt, die gar keine Kundin oder Kunde war.
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Wie viele Google-Bewertungen werden gelöscht?
Die dpa-Auswertung hat gezeigt, dass von den circa 3.700 untersuchten Betrieben rund die Hälfte eine bis 20 entfernte Bewertungen aufzuweisen hatte. Etwa 20 Prozent ließen 21 bis 50 Rezensionen entfernen. Einige wenige Betriebe ließen sogar bis zu 250 Einträge entfernen. Die Dichte betroffener Einrichtungen war dabei in Großstädten und besonders hoch und lag bei bis zu 30 Prozent.
Dabei fällt Deutschland im Übrigen besonders auf. Aus einer EU-Transparenzdatenbank ging hervor, dass im ersten Halbjahr 2026 fast 99,9 Prozent aller Löschungen auf Google Maps wegen „illegaler Inhalte“ auf Deutschland zurückzuführen sind. Das liegt auch daran, dass es hierzulande inzwischen spezialisierte Anwaltskanzleien und Agenturen gibt, an die sich die Unternehmen wenden können. Diese bieten teilweise sogar Staffelpreise an: Je mehr man löschen lässt, desto billiger wird es.
Verbraucherinnen und Verbraucher können gegen eine Löschung ihrer Rezension zwar ebenfalls Einspruch einlegen. Allerdings sei das mit Mühen und Nachweisen verbunden, teilweise wird auch mit Schadensersatzklagen gedroht. „Das begünstigt Overblocking – also dass am Ende mehr gelöscht wird, als eigentlich gelöscht werden sollte“, erläutert Professor Steffen Kroschwald, Direktor des Instituts für Verbraucherforschung und nachhaltigen Konsum (vunk) an der Hochschule Pforzheim.

Nutzer berichten von massenhaft gelöschten Bewertungen
Online findet man zahlreiche Beschwerden von Personen, die angeben, dass ihre Google-Bewertung zu Unrecht gelöscht wurde. Teilweise ist auch von einem regelrechten Ping-Pong die Rede. Selbst wenn man sich gegen die Löschung wehrt und die Rezension nach einer Prüfung wieder online ist, wird einfach erneut ein Antrag auf Entfernung gestellt. Die Überprüfung von gemeldeten Einträgen erfolgt im Übrigen mithilfe von künstlicher Intelligenz und einem Moderationsteam.
Überprüfen lassen sich diese Aufgaben allerdings nur schwer. Entsprechend gibt es auch keine genauen Zahlen dazu, wie viele Google-Bewertungen wirklich ungerechtfertigt gelöscht werden. Julia Gerhards von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz berichtet beim SWR allerdings, dass sie immer wieder mit solchen Verbraucherinnen und Verbrauchern zu tun hat.
Eine Prüfung der Fälle ergebe dann oft, dass schlechte Bewertungen zwar ungeschickt und teilweise unfreundlich formuliert, inhaltlich aber durchaus angemessen seien. Laut der Expertin müssten diese Rezensionen eigentlich nicht offline gehen. Allerdings hätten viele Betroffene nach dem ersten Anwaltsschreiben Angst und würden keinen Einspruch einlegen.
Rezensionen bei Google sind enorm wichtig fürs Geschäft
Die Bedeutung von Google-Bewertungen für ein Geschäft ist in jedem Fall enorm hoch einzuschätzen. Wer gute Rezensionen vorweisen kann, hat mehr Kundschaft. Umgekehrt machen sich auch schlechte Bewertungen teilweise deutlich bemerkbar, vor allem wenn die Konkurrenz groß ist. Für Unternehmen sind Google-Rezensionen also ein enorm wichtiger ökonomischer Faktor. Dabei geht es zum einen um den wirtschaftlichen Erfolg, zum anderen aber auch um den Schutz von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
So geben einige Unternehmen an, neben falschen Bewertungen auch jene löschen zu lassen, die beleidigend sind, Hetze verbreiten oder gezielt bestimmte Teile des Personals schlechtmachen. Viele Betriebe betonen darüber hinaus, dass sie angemessene schlechte Bewertungen mit seriöser Kritik sogar gerne online lassen, weil das die Glaubwürdigkeit verbessern und den Eindruck verhindern würde, dass die Einrichtungen etwas zu verbergen haben.
Wie vertrauenswürdig sind Google-Bewertungen?
Grundsätzlich mahnen Expertinnen und Experten, Rezensionen nicht uneingeschränkt zu vertrauen. Nicht nur, dass negative Einträge gelöscht werden können, positive Bewertungen können ebenfalls manipuliert sein. Grundsätzlich geben Rezensionen aber zumindest eine gute Richtung vor.
Wenn eine Einrichtung im Allgemeinen einen guten Eindruck macht und eine einigermaßen solide Bewertung hat, dann kann man das durchaus ernst nehmen. Gibt es umgekehrt massenhaft schlechte Bewertungen oder wurden Google zufolge in jüngster Vergangenheit zahlreiche Einträge gelöscht, sollte das hingegen hellhörig machen, auch wenn es für einige Löschungen sicherlich gute Gründe geben kann.
In jedem Fall sollte man nicht nur auf die reine Sterne-Bewertung schauen, sondern sich auch die Einträge dazu ansehen. Oft merkt man den Texten an, ob die Kritik gerechtfertigt ist oder nicht. Werden bestimmte Kriterien von mehreren Menschen negativ erwähnt, ist das ebenfalls ein seriöser Hinweis. Aufschluss gibt auch, ob Betriebe sichtbar auf die Kritik reagieren.

