Der „Walkman des 21. Jahrhunderts“: Wie die PSP den Gaming-Markt für immer veränderte

Wer heute Handhelds wie das Steam Deck nutzt, spürt das Erbe der PSP. Dabei hatte Sonys Plan eines Multimedia-Alleskönners diverse Tücken.
Der „Walkman des 21. Jahrhunderts“: Wie die PSP den Gaming-Markt für immer veränderte
Shutterstock / DMstudio House

Nintendo ist der unangefochtene Spitzenreiter auf dem Handheld-Markt. Doch wo das Unternehmen heute Konkurrenz vom Steam Deck oder auch Geräten wie dem ROG Ally bekommt, hieß der Hauptkonkurrent in diesem Bereich früher Sony. Die wichtigste Konsole in diesem Zusammenhang ist die PlayStation Portable, kurz PSP. Die Presse wertete die Vorstellung damals als direkte Kampfansage an Nintendo – was sie vermutlich auch war.

Dabei sollte die PSP mehr als „nur“ eine reine Spielekonsole sein. Stattdessen plante PlayStation-Schöpfer Ken Kutaragi ein vollwertiges Multimedia-Gerät, das er als „Walkman des 21. Jahrhunderts“ bezeichnete. Musik, Filme und Videospiele sollten sich in dem Gerät ergänzen. Damit gelang Sony auch im Handheld-Bereich erstmals, was im stationären Konsolenmarkt vor allem mit der PlayStation 2 längst umgesetzt wurde: ein echtes Konkurrenzprodukt für Nintendo.

Die PSP brachte die Nintendo-Sony-Rivalität in den Handheld-Markt

Vorgestellt wurde die PlayStation Portable auf der E3, der damals bedeutendsten Messe für Videospiele, im Jahr 2003. Damit trat das Produkt den direkten Vergleich mit dem Nintendo DS an, auch wenn die beiden Geräte nur schwer vergleichbar sind, weil die Unternehmen einen völlig anderen Ansatz verfolgten. Zwar bot auch der Nintendo DS mit Wifi und zwei Bildschirmen, von denen einer ein Touchscreen war, einige neue Möglichkeiten.

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Mit der PSP konnte man allerdings Musik hören, Filme und Fotos anschauen und im Internet surfen. Dafür war das Gerät aber auch deutlich teurer. Zum Launch, der in Japan im Dezember 2004, in den USA im März 2005 und in Europa dann im September 2005 erfolgte, kostete die Konsole 249 Euro. Zum Vergleich: Der Nintendo DS lag preislich bei etwa 150 Euro.

Kaz Hirai präsentiert die PlayStation Portable (PSP)
picture alliance

Technische Daten der PlayStation Portable

Die folgende Liste bezieht sich auf das erste Modell der PlayStation Portable, die PSP-1000.

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  • Display: 4,3 Zoll (11 cm) TFT LCD, 16:9 Breitbildformat
  • Auflösung: 480 × 272 Pixel (24-Bit Farbe)
  • Prozessor (CPU): 222–333 MHz (MIPS32 R4000-basiert)
  • Grafik (GPU): Custom Rendering Engine + Surface Engine GPU (2,6 GFLOPS)
  • Arbeitsspeicher (RAM): 32 MB (Spätere Modelle wie 2000 und 3000 hatten 64 MB)
  • Interner Speicher: nicht vorhanden (die PSP Go verfügte später über 16 GB)
  • Speichermedium: Memory Stick (Pro) Duo
  • Laufwerk: UMD (Universal Media Disc)
  • Konnektivität: Wi-Fi (802.11b)
  • Maße: 172,4 x 73,4 x 21,6 mm
  • Gewicht: Circa 223 Gramm

Im Laufe der Jahre hat Sony mehrere erweiterte und modifizierte Modelle seiner PlayStation Portable herausgebracht. Vor allem wurde das Gerät dabei dünner und leichter, weshalb das Original teilweise auch als „Fat PSP“ bezeichnet wird.

UMD-Format ein Flop, Modding top

Bemerkenswert ist mit Blick auf die technischen Daten der PlayStation Portable unter anderem das UMD-Laufwerk. Wer sich aus heutiger Sicht fragt, was es damit auf sich hat: Mit der PSP versuchte Sony, ein neues Filmformat zu etablieren, das eine echte Konkurrenz zur DVD sein sollte. Entsprechend wurden damals auch zahlreiche Kinohits auf die deutlich kleineren Discs gebracht, bei den Besitzerinnen und Besitzern konnte sich dieser Ansatz allerdings absolut nicht durchsetzen.

Das lag unter anderem an den langen Ladezeiten der UMDs. Vor allem, um diese zu verringern, stockte Sony den Arbeitsspeicher bei der PSP-2000 von 32 MB auf 64 MB auf. Genützt hat es allerdings nichts. Am Ende wurde das Ganze ein teurer Flop für Sony, der stillschweigend begraben wurde.

Was dafür sehr gut funktionierte, war die Flexibilität des Geräts. Vermutlich wurde keine Szene so intensiv in der Modding- und Homebrew-Community genutzt wie diese. Eine eigene und somit quasi unabhängige Software, Emulatoren (für SNES, GBA und viele mehr) und auch Custom Firmwares machten die PSP zu einem echten Alleskönner.

Schwarze PlayStation Portable (PSP) mit dem Spiel „God of War“
Shutterstock / laur2321

Sonys Handheld konnte mit einer beachtlichen Spielesammlung aufwarten

Obwohl der multimediale Ansatz ein Kernpunkt der Sony-Konsole war, war die Spieleauswahl natürlich dennoch enorm relevant. Das lag auch daran, dass es etwa mit dem 2007 vorgestellten ersten iPhone im Multimedia-Sektor schlicht starke Konkurrenz gab, die noch leistungsstärker und vor allem handlicher war. Zudem war ein zentrales Verkaufsargument der PSP, dass man „proper console games on the go“ spielen konnte, also „richtige“ Spiele für unterwegs. Das zeigt auch ein Blick auf die Bestseller-Liste der Spiele für die PlayStation Portable:

  • Grand Theft Auto: Liberty City Stories (2005): 7,5 Millionen verkaufte Einheiten
  • Monster Hunter Portable 3rd (2010): 4,9 Millionen verkaufte Einheiten
  • Gran Turismo (2009): 4,7 Millionen verkaufte Einheiten
  • Ratchet & Clank: Size Matters (2007): 4,4 Millionen verkaufte Einheiten
  • Monster Hunter Freedom Unite (2008): 3,8 Millionen verkaufte Einheiten

Weitere wichtige Spiele waren unter anderem „God of War: Chains of Olympus“ (2008), „Crisis Core: Final Fantasy VII“ (2007), „Daxter“ (2006), „Tekken: Dark Resurrection“ (2006) oder auch „Metal Gear Solid: Peace Walker“ (2010). Ein Teil dieses Line-ups war (zeit-)exklusiv, was für den Erfolg nahezu jeder Konsole enorm wichtig ist. Vor allem in Japan war dieser Sektor enorm relevant.

Bedeutung der PSP für den Gaming-Markt

Abgesehen davon, dass Sony mit seiner PlayStation Portable ein wichtiger Gegenpol zu Nintendos Produktportfolio war, hatte das Gerät auch noch einen grundlegend anderen Effekt. Denn vor dem Release galt es als gegeben, dass Handheld-Konsolen vor allem in ihrer grafischen Leistung weit abgeschlagen hinter ihren stationären Geschwistern lagen. Sony bewies mit der PSP jedoch, dass das nicht zwangsläufig so sein muss.

Deshalb und wegen des multimedialen Ansatzes gilt die Konsole rückblickend als Wegbereiter. Das sieht man vor allem bei der Spieleauswahl. Zwar ist aktuell auch in einigen Bereichen wieder eine Gegenbewegung zu beobachten. Grundsätzlich werden große AAA-Spiele aber früher oder später alle für die kleineren Handheld-Geräte optimiert. Das Ergebnis sieht man in aktuellen Geräten wie dem Steam Deck und auch in der Nintendo Switch, wobei es Entwicklerstudios teilweise vor enorme Herausforderungen stellt, diesen technischen Spagat zu schaffen.

Ein aufgeklappter Nintendo DS neben einer PlayStation Portable (PSP)
Shutterstock / laur2321

PSP Go bewies trotz Misserfolg früh den richtigen Riecher

Ebenfalls erwähnenswert im Bereich der Vorreiterrolle ist die PSP Go. Das Produkt war am Ende zwar nicht erfolgreich, war aber der erste Versuch eines großen Herstellers, eine rein auf digitalen Downloads basierende Konsole anzubieten. Damit wurde ein Trend gesetzt, der heute etwa in der PS5 Digital Edition oder auch in der Xbox Series S Standard zu sehen ist und der angesichts von Ankündigungen wie der von Sony, dass ab 2028 neue Spiele nicht mehr als physische Version erscheinen, immer relevanter wird.

Denn auch in der Videospielbranche haben sich digitale Ausgaben längst durchgesetzt, wozu letztlich auch Anbieter wie Valve mit seiner Plattform Steam beigetragen haben. Und auch, wenn immer weniger Leute ihre Spiele in physischer Form kaufen, so gibt es doch auch eine heftige Debatte über das Abschaffen physischer Versionen, die sich vor allem auch um digitale Besitzrechte dreht. Rückblickend könnte man aber durchaus sagen, dass die PSP Go, die im Jahr 2009 auf den Markt kam, ihrer Zeit einfach weit voraus war.

Das Ende der PlayStation Portable war das Ende einer Ära

Letztlich stellte Sony die Produktion der PlayStation Portable im Jahr 2014 ein. Das Ende kam dabei keinesfalls abrupt, sondern unterlag einem schleichenden Prozess – immerhin hatte die Konsole am Ende zehn Jahre auf dem Buckel beziehungsweise dem Gehäuse. Ausschlaggebend dürfte am Ende vor allem die veraltete Technik gewesen sein, die mit neueren Geräten einfach nicht mehr mithalten konnte. Zudem musste Sony Platz für den Nachfolger schaffen: die PS Vita.

Gleichzeitig wurden Smartphones zur zunehmenden Konkurrenz für das Multimedia-Konzept der Handheld-Konsole. Viele der Dinge, die man dort ergänzend zu den Videospielen machen konnte, konnten dann auch Mobiltelefone. Der Verlust dieses Monopols machte dem Konzern schwer zu schaffen.

Dennoch ist die PSP am Ende eine der erfolgreichsten Konsolen aller Zeiten geworden. Zwar musste sie sich dem direkten Konkurrenten, dem Nintendo DS, geschlagen geben. Mit fast 75 Millionen verkauften Einheiten rangiert die PlayStation Portable aber auf Platz 12 der erfolgreichsten Konsolen aller Zeiten und nimmt zudem eine besondere Rolle in der Geschichte der Konsolen ein.