Wer bei der Polizei in Dänemark arbeitet, kann unter Umständen die Möglichkeit haben, während des Dienstes Videospiele zu spielen. Was zunächst nach Spaß klingt, hat allerdings einen ernsten Hintergrund. Ein geschultes Team von Beamtinnen und Beamten will das Medium nämlich nutzen, um mit Jugendlichen in Kontakt zu treten und dabei möglichen Verbrechen auf die Spur zu kommen.
Denn kaum eine Gruppe ist im Internet so gefährdet, wie Teenagerinnen und Teenager. Zwar haben die Digital Natives eine hohe Affinität für das Netz, allerdings besteht häufig noch eine gewisse Naivität und Unbedarftheit – und das bei verbrecherischen Maschen, die speziell auf diese Altersgruppe zugeschnitten sind. Dem möchte die Spezialeinheit der dänischen Polizei mit ihrer besonderen Strategie und inzwischen zwölf Beamtinnen und Beamten entgegentreten.

Polizei in Dänemark klärt mithilfe von Videospielen Verbrechen auf
Die Idee hinter den Online-Videospielen: Mit Jugendlichen und somit mit potenziellen Opfern in Kontakt zu treten. Dabei soll es zum einen um Aufklärung, zum anderen um gezielte Verbrechensmeldung gehen. Denn viele Jugendliche würden sich scheuen, direkt den Kontakt zu Polizistinnen und Polizisten zu suchen. „Wir versuchen, uns der Entwicklung von Online-Verbrechen sehr bewusst zu sein“, erklärt Polizeisergeant Jeppe Torup gegenüber „Euronews Next“. Die Einheit gibt es bereits seit 2022 und ist Teil einer größeren Strategie der dänischen Polizei, mehr Präsenz im Netz zu zeigen.
Das Vorgehen ist offenbar von einigem Erfolg gekrönt. Im Zeitraum zwischen dem Start der Einheit im Jahr 2022 und Oktober 2024 konnten auf diese Weise 260 Ermittlungen eröffnet werden. Beim Spielen filmen sich die Polizistinnen und Polizisten auch teilweise; das ganze wird mitunter live auf Twitch und anderen Plattformen gestreamt. Das Konzept ist offenbar auch hierzulande interessant. So hat der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jochen Kopelke, nach einem Besuch im Jahr 2026 angemerkt, dass Deutschland echte digitale Polizeipräsenz brauche. Dabei könnte das dänische Modell ein Vorbild sein.
