Der Atari 2600 gilt als Urvater aller Konsolen und hat entsprechend eine interessante Geschichte zu bieten. Im September 1977 startete das Gerät allerdings noch unter dem Namen Atari Video Computer System (VCS) in den USA, nachdem es auf der bis heute existierenden Consumer Electronics Show (CES) vorgestellt worden war. Der damalige Preis von knapp 190 Dollar war durchaus stattlich (inflationsbereinigt wären das nach heutigen Maßstäben fast 1.000 Euro), allerdings hatte das Gerät auch einiges zu bieten.
Denn die damals existierenden Konsolen waren vor allem so konzipiert, dass man auf ihnen ein einziges, fest verdrahtetes Spiel zocken konnte, bei dem es sich in der Regel um eine „Pong“-Variante handelte. Der Atari 2600 änderte das allerdings flächendeckend und läutete damit eine neue technische Ära ein.
Mit „Space Invaders“ an die Spitze
Die erste richtige Spielekonsole mit austauschbaren Steckmodulen war zwar das Fairchild Channel F, das 1976 auf den Markt gekommen war. Mit dem ein Jahr später erscheinenden Atari-Gerät etablierte sich das damals völlig neue Konzept dann aber erst so richtig. Das bedeutete, dass man mit einem Gerät theoretisch unbegrenzt viele Titel spielen konnte.
Dafür stand Spielerinnen und Spielern als CPU der MOS Technology 6507 zur Verfügung, der über 1,19 MHz verfügte. Dazu kamen eine Auflösung von 160 x 192 Pixel und 128 Byte RAM – ja, kein Kilobyte oder gar Megabyte. Jeder Controller verfügt heutzutage über mehr Rechenleistung.
Für die damaligen Spiele war das aber auch absolut ausreichend. Besonders hervorzuheben ist diesbezüglich der Arcade-Titel „Space Invaders“. Im Jahr 1980 portierte Atari das Spiel für seine Konsole, und das mit enormem Erfolg. Die Verkäufe des Geräts schossen in die Höhe und der Atari 2600 wurde innerhalb der Community ziemlich populär.

Ein holpriger Start für den Atari 2600
Das war allerdings auch ein wichtiger Schub, denn zum Start lief es finanziell alles andere als rosig für das Unternehmen. Das hatte mehrere Gründe. Zum einen erschien das Gerät während des Dedicated Console Crash, bei dem ein Überangebot an älteren Geräten zu einer preislichen Abwärtsspirale führte, wodurch viele Hersteller aufgeben mussten. Zum anderen führten anhaltende technische und logistische Probleme zu einer Reklamationswelle.
Das und auch eine zu optimistische Wachstumsprognose führten letztlich dazu, dass Atari auf mehreren Hunderttausend Konsolen sitzenblieb. Erst nach einer groß angelegten Werbekampagne wurde das Konsolengeschäft dann 1979 für das Unternehmen profitabel.
Die Neuausrichtung führte allerdings auch dazu, dass einige Spieleentwickler das Unternehmen verließen, da sie ihre kreative Arbeit nicht mehr gewürdigt sahen. Das war die Geburtsstunde des bekannten Publishers Activision, der zum Start ausschließlich Spiele für den Atari 2600 entwickelte.
Passend zum Thema: Commodore 64 – wie der Heimcomputer zum ultimativen Kult-Gerät wurde
Wie sich Atari selbst sein Grab schaufelte
Vor allem dank „Space Invaders“ erzielte das Unternehmen dennoch Rekordumsätze und leistete damals zudem einen wesentlichen Beitrag, um Videospiele aus den schummrigen Ecken der Arcade-Hallen in die heimischen Wohnzimmer zu bringen. Wie essenziell dieser Ansatz für den Konzern selbst war, erahnt man im Design. Die erste Version des Atari 2600 hatte eine Frontblende in Holzfurnier-Optik. Das sollte den Ruf als billiges Kinderspielzeug von vornherein vermeiden.
Zwar war das Medium immer noch weit von seiner heutigen Popularität entfernt. Dennoch hatte das einen enormen Effekt, der der gesamten Branche einen Boom verschaffte, der allerdings irgendwann ins Gegenteil umschlug. Denn ab 1983 trug Atari massiv zum sogenannten Video Game Crash bei. Das lag vor allem daran, dass Atari es versäumte, Lizenzmodelle für Drittanbieter einzuführen.
Daraufhin fluteten Firmen den Markt mit Spielen von geringer Qualität. Das Vertrauen der Käuferinnen und Käufer litt darunter entsprechend und die ganze Branche kämpfte mit einem schlechten Ruf. Das führte letztlich auch zum Zusammenbruch des Konsolenmarktes.

Der (Nicht-)Mythos um das Spielegrab in New Mexico
Aber auch Atari selbst brachte einige deutlich minderwertige Spiele auf den Markt. Besondere Bekanntheit erlangte dabei das Spiel zum Film „E.T. – Der Außerirdische“. Denn während der Film als Meisterwerk gilt und zum Kult wurde, sagt man dem Spiel nach, dass es das schlechteste aller Zeiten ist.
Das lag unter anderem daran, dass das Spiel innerhalb kürzester Zeit und ohne viel Liebe entwickelt wurde, um das Weihnachtsgeschäft noch mitzunehmen. Am Ende verkaufte sich der Titel deshalb aber so miserabel, dass Atari auf zahlreichen Ausgaben sitzenblieb, weshalb sich das Unternehmen genötigt sah, diese in der Wüste von Alamogordo (New Mexico) zu vergraben. Jahrelang hielt man das für einen Mythos – bis die Module bei Ausgrabungen im Jahr 2014 tatsächlich gefunden wurden.
Alle nachfolgenden Hersteller – auch die heutigen großen drei: Sony, Nintendo und Microsoft – lernten durch Ataris Erfolge, vor allem aber durch die Fehler. Alle drei Unternehmen setzen mit unterschiedlichen Schwerpunkten auf strikte Qualitätskontrollen und geschlossene Ökosysteme. Zudem haben sich Lizenzgebühren für Dritthersteller, Third-Party-Entwickler genannt, längst in der Branche etabliert.
Atari 2600 prägte die Videospiel-Landschaft langfristig
Aus heutiger Sicht kann man deshalb guten Gewissens sagen, dass der Atari 2600, der im Übrigen trotz aller Widrigkeiten noch bis 1992 produziert wurde und sich am Ende ganze 30 Millionen Mal verkaufte, den nachfolgenden Konsolen den Weg geebnet hat. Und noch etwas nahm mit der Konsole seinen Anfang, das aus der heutigen Gaming-Industrie nicht mehr wegzudenken ist: Easter Eggs.
Im Spiel „Adventure“, übrigens dem ersten richtigen Action-Adventure, aus dem Jahr 1980 gab es nämlich keine Credits für die Entwicklerinnen und Entwickler, damit diese möglichst nicht abgeworben wurden. Der Entwickler Warren Robinett versteckte deshalb seinen Namen heimlich im Code des Spiels. Um ihn zu finden, musste man einen unscheinbaren grauen Pixel ausfindig machen, mit dem man dann in einen Raum gelangte, an dessen Wand der Schriftzug „Created by Warren Robinett“ prangte.
Am Ende hat der Atari 2600 der Videospielwelt in jedem Fall viel vermacht. Dank der Konsole konnten sich austauschbare Spielmodule etablieren und das Gerät trug entscheidend dazu bei, dass Videospiele Einzug in die heimischen Wohnzimmer hielten. Ob Games auch heute ein dermaßen wichtiger Teil der Unterhaltungsbranche wären, wenn es die Atari-Konsole nie gegeben hätte, wird man nie genau wissen – es scheint aber überaus fraglich.

