Rekordpreise erreicht: Der Führerschein ist so teuer wie nie zuvor

Wer den Führerschein machen möchte, muss sich mittlerweile auf extrem hohe Kosten einstellen.

05.11.2023, 18:26 Uhr
Rekordpreise erreicht: Der Führerschein ist so teuer wie nie zuvor
Dragana Gordic/Shutterstock
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Der Besitz des Führerscheins ist in der Gesellschaft oft Voraussetzung für den Job, oder die Anfahrt aus ländlichen Gegenden dorthin. Für einige Berufsgruppen ist der Besitz des Führerscheins unabdingbar. Auch der gewerbliche Güterverkehr, für den teilweise die Führerscheinklasse C nötig ist, zwingt zum Vorbesitz der Klasse B für normale PKW. Der kann aber mittlerweile zwischen 3000 bis 4000 Euro, oder sogar noch weit mehr kosten. Auch früher war der Führerschein noch nie ein preiswertes Vergnügen. Allerdings konnte man, wenn man sich einigermaßen geschickt anstellte, mit rund 1000 Euro dabei sein. Vor der Währungswende war es nochmals günstiger.

Diese Zeiten sind allerdings vorbei. Der Unterhalt der Fahrzeuge, die für die Fahrschüler zu Übungszwecken bereitgestellt werden müssen, sind deutlich teurer geworden. Dazu tragen höhere Treibstoffpreise, gestiegene Versicherungsprämien und teure Reparaturkosten bei. Das ist aber noch ein kleinerer Teil. Vor allem die gestiegenen Personalkosten für die Ausbilder und Fahrlehrer, die zwischen 55 Euro und 75 Euro für eine 45-minütige Fahrstunde liegen, lassen die Kosten geradezu explodieren. Dazu kommen noch die gesetzlich vorgeschriebenen „Sonderfahrten“. Gemeint damit sind mindestens zwölf Stunden auf Autobahnen, Landstraßen und während der Dunkelheit. Die können dann bis zu 95 Euro pro Fahrstunde kosten. 

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„Das ist nicht nur für Geringverdiener, sondern auch für viele Normalverdiener kaum noch zu stemmen“, so Malte Dringenberg, der Sprecher des Automobilclubs von Deutschland (AvD). Der Appell geht in Richtung Politik, den Führerschein für normale Einkommensverhältnisse erschwinglich zu halten, so der Automobilclub. Der hat auch gleich noch den Verdacht, „dass die angesprochene Entwicklung den politisch Verantwortlichen ganz gelegen kommt, um im Zuge der von ihnen selbstpostulierten Verkehrswende die Zahl der Autofahrer zu reduzieren.“ Auch das Wahrnehmen von bürgerlichen Freiheiten, wie Fortbewegung und Reisen, muss gewährleistet bleiben.

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Mittlerweile kostet der Führerschein zwischen 3.000 und 4.000 Euro

Neben den gestiegenen Kosten gibt es noch jede Menge verwaltungstechnischer Probleme. So gibt es oft einen teilweise ganz erheblichen Fahrlehrermangel. Das Anmelden zur Prüfung kann unter Umständen Monate dauern, weil die Behörden mit den Prüfterminen nicht hinterherkommt und die Theorie ist in den letzten Jahren deutlich komplexer geworden. Ökonomie im Verkehr sowie die komplexen, vom Gesetzgeber geforderten Assistenzsysteme lassen beide Prüfungen komplizierter werden. Die praktische Prüfung dauert nun 55 statt 45 Minuten. Das soll der Verkehrssicherheit dienen, macht allerdings die Prüfungsfahrt nochmals teurer. Bei der Theorie muss man nochmals deutlich mehr Fragen üben als noch vor einigen Jahren. Die Durchfallquote liegt dadurch bei rund 40 Prozent.  

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Zusätzlich, und das ist ein Phänomen, brauchen die Fahrschüler, um das Fahren richtig zu erlernen, deutlich länger als noch vor 20 Jahren. Damals benötigte man dafür durchschnittlich 20 Stunden – heute sind es rund 30 bis 40 Fahrstunden. Der Fahrlehrerverband Berlin erklärt durch seinen Chef Stephan Ackerschewski: „Der Flaschenhals ist die Prüfung. Es gibt in Berlin kaum Termine. Wer vier Monate auf eine Prüfung warten muss, braucht bis dahin noch mindestens zwei Doppelstunden pro Woche. Da kommen schnell 600 Euro extra zusammen. Und wer dann noch durchfällt, zahlt doppelt!“

Bei solch enormen Kosten lohnt sogar der Vergleich innerhalb des europäischen Auslands. Selbst die Reise, das Hotel und die Verpflegung können in der Summe mit den preiswerteren Fahrschulkosten den Erwerb des Führerscheins im Ausland günstiger werden lassen. Ob sich die deutschen Behörden und die Politik mit dieser Preisspirale einen Gefallen tut, ist fraglich. Immerhin ist die Mobilität der Deutschen entgegen der Ideologie vom autofreien Leben, eine substanzielle Voraussetzung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit innerhalb Europas. Immerhin wird sich das Ausland nicht aus lauter Wettbewerbsgleichheit auch aufs Fahrrad setzen. Und wer weiß – vielleicht gibt es dafür ja künftig auch einen teuren Führerschein.