Ghosting: Das sind die wahren Gründe für den plötzlichen Kontaktabbruch

Beim Dating kommt es immer häufiger vor, dass der Kontakt plötzlich abgebrochen wird. Das steckt am häufigsten hinter dem Ghosting.

02.03.2024, 19:50 Uhr
Ghosting: Das sind die wahren Gründe für den plötzlichen Kontaktabbruch
fizkes/Shutterstock
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So schön die wunderbare, neue Welt der Social-Media-Kommunikation ist, so viele unschöne Auswüchse produziert sie auch. Eines der schlimmsten und bösartigsten dieser Unarten ist zweifellos das sogenannte „Ghosting“. Was sich vom englischen Wort für „Geist“ ableitet, hat auch genau damit zu tun. Wie ein Geist „verschwindet“ das Gegenüber plötzlich und ohne irgendeine vorherige Ankündigung im digitalen Nirvana. Beim ghosten gibt es keine Ankündigung oder vorangegangenen Streit, aus dem man ableiten könnte, weshalb jemand ansatzlos den Kontakt unterbricht, sondern der Betroffene ist mit einem Mal allein. 

Das stürzt den ratlos Zurückgelassenen nicht selten in Wut und – was noch schlimmer ist, in massive Selbstzweifel. Der Raum für Spekulationen ist riesengroß und lässt sich mit plausiblem Gründen kaum füllen. Man fragt sichm und zwar gerade nach einem Date, woran es liegt, dass man plötzlich so abgelehnt wird. Körper- oder Mundgeruch? Ist es mein Wohnumfeld oder die Kleidung? Oder habe ich nicht den passenden Bildungsstand? Alles Fragen, auf die es vermutlich niemals eine gute Antwort geben wird. Das besonders Schlimme daran ist, dass die Zurückgelassenen eine sehr lange Zeit mit unaufgeklärten Fragen allein bleiben und leiden.

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Das plötzliche Ghosting kann Selbstzweifel auslösen

Noch schlimmer wird es, wenn neben den vermuteten äußerlichen Mängeln noch bereits entstandene Gefühle betroffen sind. Oft geht der plötzlichen Isolation eine schöne, beschwerdefreie Zeit voraus, in der niemals der Eindruck entstand, das etwas nicht stimmen könnte. Nun ist besonders interessant, warum Menschen ihr Umfeld plötzlich ghosten, und welche Auslöser für ein solches Handeln nötig sind. Die Psychologin Pia Kabitzsch beschäftigt sich insbesondere mit allen Themen rund um das Dating und spricht in ihrem Tinder-Podcast „Besser Daten“ über ihre Eindrücke. 

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Zunächst wird die Frage geklärt, an welchem Punkt „Ghosting“ eigentlich beginnt. So ist es nicht klar definiert, ob man sich bereits ghostet, wenn man auf Tinder nicht mehr antwortet, oder ob es dafür nötig ist, sich erstmal im Real-Life zu daten. Nichts davon ist klar definiert und scheint mit dem subjektiven Empfinden zu tun zu haben. Ein Single empfindet ein Nicht-Antworten möglicherweise als unverschämt, während der „andere“ so weit noch gar nicht mit seinen Zukunftsgedanken gediehen ist. 

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Rund 40 Prozent aller Datenden sind vom Ghosting betroffen

Laut der Psychologin haben rund 40 Prozent der Datenden schon einmal in irgendeiner Form Erfahrung mit dem „Ghosting“ gemacht. Sie erklärt dazu: "Onlinedating macht es einem aber auch verdammt leicht, Leute zu ghosten. Man kann einfach verschwinden. Im Freundeskreis oder auch an der Uni ist das nicht so easy, aber online schreibst du einfach nicht mehr zurück und damit hat sich die Sache." Laut Pia Kabitzsch ist dieses Ghosting aber alles andere als in Ordnung. Der „Täter“ scheint es sich hier besonders leicht zu machen und einem klärenden, und damit unangenehmen Gespräch einfach somit aus dem Weg zu gehen.

Interessant dabei ist auch das folgende: "Ghosting hat häufig mehr mit dem Ghoster zu tun als mit dem, der geghostet wird", so erklärt Pia Kabitzsch weiter. Aus Gründen der Fairness sollte der Alleingelassene aber spätestens nach einer Aufforderung eine Erklärung abgeben. Als Hauptgrund nennt die Psychologin allerdings ganz banale Gedankenlosigkeit. Kommunikation scheint also unterzugehen, speziell dann, wenn man mit mehreren gleichzeitig schreibt, oder der Ex-Partner bringt sich wieder in Stellung. Gründe dafür sind enorm vielfältig. Hier scheinen sich dann die persönlichen Umstände des „Ghosters“ so geändert zu haben, das eine weitere Kommunikation mit dem interessierten Anderen plötzlich obsolet wurde.

Wie man mit dem plötzlichen Kontaktabbruch umgehen sollte

Aber ansttatt dem Gegenüber einen „Korb“ zu geben, scheinen laut Kabitzsch, viele Ghoster zu glauben, es sei weniger verletzend, sich einfach nicht mehr zu melden. Hinter dem Ghosting können aber durchaus auch Bindungsängste oder Feigheit stecken. Der Ghoster möchte in diesem Fall einer Rechtfertigung oder einem Streit unbedingt aus dem Weg gehen. Aus psychologischer Sicht hält sie diese Haltung allerdings für „Bullshit“. Wie bei den allermeisten Dingen im Leben ist auch hier Fairness und Aufrichtigkeit der beste Weg – auch dann, wenn einem ein etwas unangenehmeres Gespräch blüht.

Abschließend rät Pia Kabitzsch jedem, der sich einfach mit „Ghosten“ aus der Affäre ziehen will, "eine kurze Nachricht schreiben, dass man kein Interesse hat, die andere Person weiter kennenzulernen. Das ist eine Sache von wenigen Sekunden". Immerhin sollte jeder bedenken, selbst mal „geghostet“ werden zu können – und damit fühlt sich garantiert keiner wohl.