Nach 250 Jahren: Deutsches Traditionsunternehmen ist insolvent

Ein weiteres deutsches Traditionsunternehmen ist insolvent und kämpft nun um seine Existenz.

13.11.2023, 12:54 Uhr
Nach 250 Jahren: Deutsches Traditionsunternehmen ist insolvent
renjelharvey photography/Shutterstock
Anzeige

Es muss ein Schock gewesen sein für die über 840 Mitarbeiter des Eisenwerk Hasenclever & Sohn GmbH. Das Unternehmen wurde bereits im Jahr 1773 gegründet und feierte gerade sein 250-jähriges Firmenjubiläum, als plötzlich die Nachricht die Runde machte, das Traditionsunternehmen wäre insolvent. Dem Einzelnen wird diese Firma vermutlich nicht besonders viel sagen, doch so gut wie jeder, der ein Fahrzeug bewegt, hat darin Produkte dieses Unternehmens benötigt, um fahren zu können.

Hier werden Komponenten gebaut, wie unter anderem Gehäuse für Turbolader, Ansaug- und Abgaskrümmer für Diesel- und Ottomotoren, komplett integrierte Module für hochmoderne Motoren und sogar ganze Zylinderköpfe für Nutzfahrzeuge, Schiffsmotoren oder für den allgemeinen Maschinenbau. Solche High-Tech-Produkte gab es natürlich nicht immer. Begonnen hat man mit einer normalen Eisengießerei und einem Hammerwerk.

13 Millionen Autofahrer betroffen: Kfz-Versicherung ändert Typklassen 13 Millionen Autofahrer betroffen: Kfz-Versicherung ändert Typklassen
Anzeige

Das Eisenwerk Hasenclever bedient Kunden wie BMW und Mercedes

Später spezialisierte sich das Unternehmen immer mehr und überstand in der Folge jegliche Wirtschaftsdepression, beide Weltkriege und natürlich den deutschen Wiederaufbau. Jetzt sah man sich bereits als Technologie- und Qualitätsführer im Bereich der Fertigung „Hochtemperaturfester Abgaskomponenten“, so das nordhessische Unternehmen. Die Kunden dieser Produkte sind mit Audi, BMW, Ford, Mercedes- Benz, Porsche, und andere internationale Größen bereits das „Who is Who“ der internationalen Automobilindustrie.

Anzeige
AMatveev/Shutterstock

Steigende Kosten belasten das Traditionsunternehmen

Erst in den Jahren von 2019 bis 2021 hat der Betrieb rund 15 Millionen Euro in eine neue Produktionsanlage investiert, die nach einem Großauftrag von Mercedes Benz auch nötig wurde. Das sollte, so der Geschäftsführer Carsten Kloes, nicht nur bestehende Arbeitsplätze sichern, sondern auch noch neue schaffen. Das Unternehmen sei sogar auf dem Weg zum europäischen Marktführer in seinem Produkt-Segment gewesen. Hier wurde auch mit durchschnittlich mit 2,5 Millionen Gussteilen pro Jahr ein Umsatz von rund 172 Millionen Euro generiert.

Anzeige

Was also hat das Traditionsunternehmen so in die Bredouille gebracht? Hauptsächlich die enorm gestiegenen Kosten für Energie, Löhne und Betriebsabläufe des letzten Jahres sind dafür verantwortlich. Durch die Inflation war damit zu rechnen „…dass die Gewerkschaften im Zuge der Tarifverhandlungen […] nicht unerhebliche Forderungen stellen werden“, so das Unternehmen in einer Stellungnahme. Der Jurist und Insolvenzverwalter Martin Mucha erklärte der geschockten Belegschaft: "Die notwenigen Schritte zur Gewährleistung der Fortführung des Geschäftsbetriebs und damit auch die Sicherstellung der Versorgung der Kunden wurden eingeleitet."

Kann das Eisenwerk gerettet werden?

Es existiert also eine realistische Chance, dass dieses Unternehmen, wenn auch vermutlich unter anderer Regie, zumindest nicht die Türen für immer schließen muss. Es wäre auch zu schade, wenn eine solche High-Tech-Schmiede, die immer eine Zierde der deutschen Innovationskraft war, für immer verloren ginge. Und leider ein weiteres Beispiel dafür, die Bekämpfung der exorbitant gestiegenen Energiepreise sowie der starken Inflation an die oberste Stelle der politischen Agenda zu setzen.