Deutsches Unternehmen entwickelt ersten veganen Schwangerschaftstest

Was viele nicht wissen: Normale Schwangerschaftstests arbeiten mit tierischen Produkten und sind somit nicht vegan. Ein Start-up aus Deutschland will das ändern und hat ein entsprechendes Produkt entwickelt.
Deutsches Unternehmen entwickelt ersten veganen Schwangerschaftstest
iStock / SolStock

Wer eine Schwangerschaft vermutet, verschafft sich in der Regel erste Gewissheit durch einen Schwangerschaftstest. Zahllose Menschen haben auf diese Weise bereits darauf gewartet, ob der Test einen oder zwei Balken anzeigt. Den allermeisten dürfte dabei nicht bewusst gewesen sein, dass die Teststäbchen streng genommen nicht vegan sind.

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Während das für einige nur eine irrelevante Nebeninformation ist, gibt es aber auch viele, die bewusst im Alltag auf vegane Produkte setzen und für die das dementsprechend ein Problem darstellt. Bislang gab es diesbezüglich schlicht keine Wahlmöglichkeit. Ein deutsches Unternehmen aus Hannover hat nun aber einen veganen Schwangerschaftstest entwickelt. Was steckt dahinter?

Warum normale Schwangerschaftstests nicht vegan sind

Hinter dem veganen Schwangerschaftstest steckt das Start-up Phaeosynt, im Jahr 2023 ausgegründet aus der Leibniz Universität Hannover. Geforscht wird allerdings schon etwas länger, unter anderem von Dr. Alina Eilers, die heute COO der Firma ist. Die Wissenschaftlerin forscht zu Antikörpern, die auch für einen Schwangerschaftstest wichtig sind.

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Ein solcher Test misst das Hormon hCG (humanes Choriongonadotropin) im Urin oder im Blut, welches der Körper nach einer Befruchtung und Einnistung der Eizelle bildet. Man spricht deshalb auch vom „Schwangerschaftshormon“. Damit der Test dieses Hormon erkennt, kommen bestimmte Antikörper zum Einsatz. Bindet sich das hCG an diese Antikörper, entsteht eine sichtbare Verfärbung – die Streifen auf dem Teststäbchen. Viele Schnelltests funktionieren ähnlich, wobei sie jeweils auf andere Wirkstoffe anspringen.

Im Fall von Schwangerschaftstests waren diese Antikörper allerdings bislang eng an Tierversuche geknüpft und auch in der Herstellung kommen nach wie vor vor allem Mäuse, Kälber und Kaninchen zum Einsatz, wie Dr. Eilers dem MDR erklärte.

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Veganer Schwangerschaftstest setzt auf Kieselalgen: Nahaufnahme der Phaeodactylum tricornutum
picture alliance

Kieselalgen können tierische Komponenten ersetzen

Um das zu ändern und die Schwangerschaftstests somit vegan zu machen, forschte das Team also gezielt im Antikörper-Bereich. Die Lösung fand sich wie auch in zahlreichen anderen Fällen in der Natur selbst: Kieselalgen (Phaeodactylum tricornutum). Dabei handelt es sich um einzellige Organismen, die unter anderem im Meer vorkommen. Phaeosynt nutzt die Alge nun als biologische Produktionsplattform für die nötigen Antikörper.

Das Ergebnis heißt „hey Mela“ und wurde unter anderem auch in der bekannten TV-Show „Die Höhle der Löwen“ vorgestellt. Zu einem Deal kam es zwar nicht, „aber wir haben Aufmerksamkeit und Reichweite erhalten. Und wir haben die Menschen ein Stück weit aufgeklärt“, erklärt Dr. Eilers. Zudem verweist sie auf die komplett in Deutschland stattfindende Wertschöpfungskette.

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Technologie kann Tierleid verhindern

Die Technologie des Unternehmens könnte langfristig auch für andere Bereiche und nicht „nur“ für Schwangerschaftstests interessant sein. Antikörper sind ein wichtiger Bestandteil vieler diagnostischer Tests, für die bislang nur eine tierische Produktion zur Verfügung steht. Dafür wird Tieren hCG gespritzt, um anschließend aus ihrem Blut die Antikörper zu gewinnen.

Bei einer weiteren, stark reglementierten Methode werden Mäusen Zellen in den Bauchraum eingesetzt, die dann die benötigten Antikörper bilden. Zwar gibt es inzwischen auch eine Herstellung im Labor, aber auch dabei sind tierische Komponenten wie das bovine Serumalbumin (BSA) oder das fetale Kälberserum (FKS) vonnöten. Die EU schätzt die Zahl der Tiere, die bei der Antikörperproduktion sterben, auf etwa eine Million pro Jahr. Die Kieselalge könnte dafür eine Lösung im Sinne des Tierwohls bieten.