Blaues Meer, idyllische Strände, reiche Kultur und die vielleicht bekannteste Küche der Welt – für das und noch vieles mehr ist Italien bekannt. Das Land am Mittelmeer hat mehr als 9.000 Kilometer Küste und somit vielerorts einen Zugang zum Meer zu bieten. Das ist nur einer von vielen Aspekten, die das Land in Südeuropa zu einer der beliebtesten Urlaubsregionen überhaupt macht. Allerdings hat das Land aufgrund seines Meerzugangs auch mit einigen Problemen zu kämpfen.
Eines dieser Probleme ist die sogenannte Blaukrabbe. Dabei handelt es sich um eine invasive Art, die ursprünglich aus der Karibik stammt. In den vergangenen Jahren hat sich die Art massiv im Mittelmeerraum ausgebreitet, was das Ökosystem und auch einige Wirtschaftszweige vor enorme Herausforderungen stellt. Dagegen sollen nun andere Meeresbewohner helfen: Oktopusse.
Warum ist die Blaukrabbe so ein großes Problem für Italien?
Die sogenannte Blaukrabbe (Callinectes sapidus) wurde bereits im 20. Jahrhundert in europäische Gewässer eingeschleppt. Aufgrund der höheren Meerestemperaturen, die durch die generelle Erderwärmung verursacht wird, können sich die Tiere viel besser fortpflanzen und vermehren sich deshalb stellenweise explosionsartig.
Diese steigende Population sieht sich einem ökologischen Vakuum gegenüber. Die Blaukrabbe ist ein Allesfresser und ernährt sich unter anderem von Fischlaich und Muscheln – und gerade Letzteres ist für Italien ein Problem. Muschelfischen hat dort eine lange Tradition und gehört immer noch für viele Menschen zur Lebensgrundlage, besonders in Norditalien.
Wie unter anderem das ZDF berichtet, wurden im italienischen Po-Delta in den vergangenen Jahren 70 Prozent der Muschelernte zerstört. Hunderte Betriebe mussten deshalb bereits schließen.

Immer mehr Krabben gegen immer weniger Fressfeinde
Die Blaukrabbe hat allerdings einen natürlichen Fressfeind, der die Population mindestens stabil halten könnte: den Oktopus. Während allerdings die Krabbe von den neuen, durch den Klimawandel geschaffenen Bedingungen profitiert, sieht das bei den Kopffüßern anders aus. Dazu kommt ein weiteres, menschengemachtes Problem.
Schon seit Jahren steigt die Nachfrage nach Tintenfischgerichten weltweit an und es gibt kaum gesetzliche Regularien für den Fang der Tiere beziehungsweise werden diese auch einfach umgangen. Meeresschutzorganisationen warnen bereits seit Jahren vor illegalen Fallen und auch vor den Folgen für das Ökosystem, wenn die Oktopus-Population immer weiter schrumpft, wie das aktuell der Fall ist.
Italien setzt Oktopusse gegen Blaukrabben ein
Italien möchte das Problem nun auf zwei Arten bekämpfen. Zum einen werden 150.000 junge Oktopusse ausgesetzt. Ähnlich wie bei einem Google-Projekt mit modifizierten Mücken soll Natur durch Natur bekämpft werden. Zunächst handelt es sich um ein Experiment in Emilia-Romagna, das unter dem Begriff „Octo-Blu“ läuft.
Die Tiere werden unter kontrollierten Bedingungen gezüchtet und anschließend im Juni 2026 nahe künstlicher Unterwasserbarrieren vor Riccione ins Wasser gelassen. Im August folgten weitere Aussetzungen in der Nähe von Cesenatico. Nun geht es darum, zu beobachten, ob die Tiere im Meer überleben und dort etwas gegen die Blaukrabben ausrichten können.
Zum anderen versucht Italien, die invasive Krabbe ebenfalls in den Speiseplan zu integrieren. Das soll beispielsweise mit Kochshows und Förderprogrammen gelingen. Wie wirksam das ist, muss sich ebenfalls noch zeigen.

