Viele Orte kämpfen mit Eichenprozessionsspinner: So gefährlich ist die giftige Raupe

Der Eichenprozessionsspinner beherrscht gerade die Medien und teilweise ganze Stadtteile. Doch was genau macht die giftige Raupe eigentlich so gefährlich? Und warum gibt es so große Probleme bei der Bekämpfung der Insekten?
Viele Orte kämpfen mit Eichenprozessionsspinner: So gefährlich ist die giftige Raupe
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Seit einigen Jahren ist der Eichenprozessionsspinner in Deutschland auf dem Vormarsch. Zwar gibt es die haarigen Raupen hierzulande bereits mindestens seit dem 18. Jahrhundert. Allerdings führen die durch den Klimawandel zunehmend warmen und trockenen Bedingungen zu einer massiven Ausbreitung, die zahlreiche Städte und Gemeinden vor große Herausforderungen stellt.

Der Eichenprozessionsspinner sitzt, wie der Name schon verrät, als Raupe bevorzugt an Eichen, bevor er sich dann zu einem Nachtfalter weiterentwickelt. In seiner Raupenform stellt er allerdings ein immer größer werdendes Problem für Mensch und Natur dar.

Giftige Raupe mit großem Schadpotenzial

Zum einen beschädigen die Raupen den Baum, an dem sie sich eng festsetzen. Tatsächlich legen die Falter nämlich bereits im Spätsommer ihre Eier in den Baumkronen. Die Raupen schlüpfen dann im Frühjahr und bilden lange Reihen am Stamm und an den Ästen, nachdem sie sich an den Kronen satt gefressen haben. Speziell Eichen haben immerhin eine gute Regeneration, sodass der Schaden in der Regel nicht dauerhaft ist.

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Allerdings bauen die Raupen der Eichenprozessionsspinner dann dichte Gespinstnester, in denen sie sich ausruhen und häuten. Diese Nester können so groß werden, dass man sie gut schon aus der Ferne entdecken kann. Nachts verlassen die Insekten die Nester, um in Ruhe fressen zu können, bevor sie sich dann im Sommer verpuppen.

Die Raupen sind also vor allem im Frühling, bevorzugt im Mai und Juni, aktiv. Und es sind gerade die Raupen der Eichenprozessionsspinner, die für Menschen ein Gesundheitsrisiko darstellen. Das liegt an den feinen Härchen an den Raupen.

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Absperrung mit Schild warnt vor Eichenprozessionsspinner
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Warum der Eichenprozessionsspinner eine Gefahr ist

Der Grund für diese Probleme ist das Nesselgift Thaumetopoein, das auf den Härchen der Larven vorkommt, wie das Umweltbundesamt erklärt. Diese Brennhaare kommen sowohl an den Raupen selbst als auch in ihren Nestern vor, wo sie sie zurücklassen. Wer mit den Härchen des Eichenprozessionsspinner in Kontakt kommt, hat oft mit einer sogenannten Raupendermatitis zu kämpfen, einem rötlichen, unangenehmen Ausschlag, der sich auch als Bindehautentzündung äußern kann.

Schwindel und Fieber sind nach einem Kontakt ebenfalls nicht ausgeschlossen, aber auch die Atemwege werden durch die Brennhaare angegriffen. Deshalb sollten insbesondere Personen mit Asthma oder auch mit einer Allergie ausgesprochen vorsichtig sein. Hunde und Katzen können bei Kontakt zudem ebenfalls heftig reagieren und im schlimmsten Fall eine Entzündung im Rachenraum entwickeln; ein Erstickungstod ist nicht ausgeschlossen.

Die Haare des Eichenprozessionsspinners sind auch deshalb so gefährlich, weil sie über kleine Widerhaken, sogenannte Setae, verfügen. Dank dieser Haken setzen sich die Härchen bei Kontakt mit Haut und Schleimhaut fest und sondern dann ihr Gift ab – ein natürlicher und ausgesprochen unangenehmer Schutzmechanismus.

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Vielfältige Möglichkeiten zur Bekämpfung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um den Eichenprozessionsspinner zu bekämpfen. Grundsätzlich wird Laien unbedingt davon abgeraten, mit den Insekten in Kontakt zu kommen. Stattdessen dürfen nur professionelle Anbieter bestimmte Maßnahmen durchführen. Diese haben verschiedene Möglichkeiten.

  • Chemische Bekämpfung: Einsatz von Biozidprodukten oder von Pflanzenschutzmitteln zum Töten der Larven.
  • Biologische Bekämpfung: Aussetzen natürlicher Fressfeinde wie Fadenwürmern, Meisen oder auch das Bakterium „Bacillus thuringiensis“.
  • Mechanische Bekämpfung: Gespinstnester werden abgesaugt und entsorgt.
  • Thermische Bekämpfung: Gespinstnester werden mit heißem Wasser und Schaum behandelt.

Welche Methode angebracht ist, hängt vom Umfang des Befalls und vom Entwicklungsstadium der Eichenprozessionsspinner ab. Besonders die chemische Bekämpfung greift allerdings stark in die Umwelt ein und schadet auch anderen Insekten und Organismen.

Schädlingsbekämpfer spült Eichenprozessionsspinner-Nester vom Baum ab
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Deutsche Gemeinden kämpfen mit dem Eichenprozessionsspinner

Dass sich einige Orte mit der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners so schwer tun, hat unter anderem mit der schnellen Ausbreitung und unklaren Regelungen zu tun. Das liegt auch daran, dass die Insekten sowohl Bäumen als auch Menschen schaden, weshalb es zu Abstimmungsproblemen bei der Zuständigkeit kommt.

Zudem setzen die Städte und Gemeinden teilweise auf unterschiedliche Bekämpfungsmethoden, was mitunter zu Problemen führt. Dazu kommt, dass Maßnahmen oft nicht koordiniert stattfinden. Dafür ist Berlin ein gutes Beispiel, wo jeweils die Bezirke für die Pflanzen im öffentlichen Raum zuständig sind. Wenn dabei in einem Bezirk strikte und teure Maßnahmen durchgeführt werden, kehren die Raupen allerdings innerhalb kürzester Zeit zurück, indem sie aus der Umgebung abwandern.

In diesem Kontext sind auch befallene Bäume auf Privatgrundstücken ein Problem, um die sich rechtlich die Eigentümerinnen und Eigentümer kümmern müssen. Um wirklich effektiv gegen Eichenprozessionsspinner vorzugehen, müsste flächendeckend gearbeitet werden, was enorm aufwändig und teuer ist.