„Wie in Black Mirror“: Neue Tinder-Funktion geht Nutzern viel zu weit

Endloses Swipen bei Tinder soll mithilfe neuer Funktionen deutlich eingeschränkt werden. Ein Feature hat dabei allerdings einen regelrechten Shitstorm ausgelöst.
„Wie in Black Mirror“: Neue Tinder-Funktion geht Nutzern viel zu weit
Shutterstock / Poetra.RH

Mit der Wischgeste nach rechts und nach links, um Zustimmung oder Ablehnung auszudrücken, hat Tinder damals neue Maßstäbe gesetzt. Das Swipen ist damit zum Markenzeichen der Dating-App geworden. Allerdings ist das Konzept Segen und Fluch gleichermaßen für den Anbieter, vor allem, seit sich zunehmend eine „Swipe Fatigue“ breitmacht. Das zeigt sich unter anderem in den Nutzungszahlen der App, die seit 2021 immer weiter sinken.

Die Menschen sind offenbar des Online-Datings etwas überdrüssig, was zahlreiche aktuelle Dating-Trends, die sich eher auf den analogen Austausch konzentrieren, bestätigen. Deshalb hat Tinder nun eine ganze Reihe neuer Funktionen angekündigt, die zu einem schnelleren Match führen sollen. Dabei kommt Künstlicher Intelligenz eine entscheidende Rolle zu, indem sie die Daten der Nutzerinnen und Nutzer auswertet, um so von vornherein passendere Vorschläge zu machen. Daran gibt es allerdings teils massive Kritik.

Tinder: Frau liegt auf dem Bett und wischt mit dem Finger über ihr Smartphone
iStock / recep-bg

Die neuen Tinder-Funktionen im Überblick

Am 12. März präsentierte Spencer Rascoff, Match Group und Tinder CEO, auf der „Sparks 2026“, die unter dem Motto „Start Something New“ lief, eine Reihe neuer Features für die Dating-App. Zu den Neuerungen und Erweiterungen bestehender Modi gehören:

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  • Music Mode (gemeinsame Musikvorlieben entdecken)
  • Astrology Mode (Matches basierend auf Sternzeichen und Astrologie)
  • Events (soll Offline-Kontakte fördern)
  • Video-Speed-Dating
  • Face Check (verpflichtende Live-Selfie-Prüfung)
  • Are You Sure? (Funktion soll Nutzerinnen und Nutzer vor dem Versenden auf eventuell verletzende Sprache aufmerksam machen)
  • Does This Bother You? (erkennt eventuell verletzende Sprache beim Empfang)
  • Chemistry (KI-basierte Dating-Empfehlungen)
  • Camera Roll Scan (Persönlichkeit durch Foto-Highlights zeigen)
  • Lernmodus (Echtzeit-Empfehlungssystem)
  • Tinder Connect (Partnerschaften mit Duolingo und Co.)

Für besonderes Aufsehen sorgten dabei die KI-gestützten Funktionen. So soll etwa das Feature „Chemistry“ mittels gezielter Fragen zu Persönlichkeit und Interessen die besten Matches vorschlagen. Je länger man das System dann nutzt, desto mehr soll der Algorithmus über die eigenen Vorlieben lernen. Schon das finden manche fragwürdig, weil es zwar auf der einen Seite passendere Matches generieren könne. Die Auswahl könnte dadurch aber auch noch geringer und theoretisch passende Kandidatinnen und Kandidaten aussortiert werden, nur weil sie nicht zu 100 Prozent in ein Profil passen. Viel größere Kritik gibt es allerdings an der Funktion namens „Camera Roll Scan“.

Mehrere Tinder-Profile von Männern nebeneinander
iStock / Kaspars Grinvalds

Darum geht es in der Kritik an der „Camera Roll Scan“-Funktion

Das Feature, das offenbar an die 2024 eingeführte Funktion „Photo Selector“ anknüpft, soll Tinder-Nutzerinnen und -Nutzern helfen, sich selbst bestmöglich darzustellen und passende andere Profile vorzuschlagen. Dafür durchsucht die KI die gesamte Bildergalerie einer Person, um sich ein möglichst genaues Bild machen zu können. Viele empfinden das allerdings eher als einen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte und fragen sich, was genau mit den Daten und ihren Bildern passiert, wenn man der Technologie so umfangreichen Zugriff gewährt.

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Auf X (vormals Twitter) findet man zahlreiche Diskussionen dazu. So postete etwa jemand: „Tinder hat gerade eine Überwachungsfunktion eingeführt und sie als Persönlichkeitstest bezeichnet.“ Eine andere Person fühlt sich dabei stark an die dystopische Serie „Black Mirror“ erinnert. An anderer Stelle heißt es wiederum: „Du findest keine Liebe. Du trainierst eine Empfehlungsmaschine mit deinen intimsten Daten.“

Tinder widerspricht dieser Darstellung und erklärt, dass es bei der Funktion nicht darum gehe, sensible Daten zu sammeln. Stattdessen werde „direkt auf dem Gerät“ gescannt und keine Fotos ohne die Zustimmung der Nutzerinnen und Nutzer hochgeladen. Anschließend würden die Bilder zudem auf den Servern gelöscht. Darüber hinaus betont das Unternehmen, dass man die Funktion erst aktiv einschalten müsse.