Ein kurioser Fall in der Gastronomie sorgt gerade deutschlandweit für Schlagzeilen. Denn nachdem der Gießener Tennisclub Rot-Weiß e.V. lange neue Pächter für sein Vereinsheim suchte, hat er diese dann gleich wieder rausgeschmissen. Grund dafür ist das Konzept des Paares, das am Ende den Zuschlag bekam. Demzufolge wollen die beiden keinen Alkohol im Verein ausschenken.
Die Folge: Zwei Tage, bevor das Lokal offiziell eröffnen sollte, wurde der Vertrag vom Verein wieder gekündigt. Die „Gießener Allgemeine“ berichtet von einem einstimmigen Vorstandsbeschluss. Auf Social Media sorgt der Fall teils für hitzige Diskussionen. Wie konnte es dazu kommen?
Darum geht es in dem Konflikt
Der Tennisclub beteuerte in einem Statement, nichts von den Plänen gewusst zu haben, dass kein Alkohol ausgeschenkt werden sollte. Vorstandsvorsitzender Fred Ostermeyer spricht sogar davon, dass der Verein „belogen und betrogen“ wurde. Auch von Vertragsbruch ist die Rede, da „das Gastrokonzept geändert [wurde], ohne es mitzuteilen.“
Auf der anderen Seite stehen die Pächter, das Ehepaar Isabell und Bayram D. Die beiden wollten eine Gaststätte mit anatolischer Küche in dem Vereinsgebäude betreiben, nun stehen sie vor einem großen wirtschaftlichen Schaden. Denn die Einrichtung wurde nicht nur von den beiden bereits umfassend renoviert. Das Ehepaar ist auch schon mit seinen Kindern in die darüberliegende Wohnung eingezogen.
Zudem verweisen sie darauf, dass in ihrem Konzept, das am Ende den Zuschlag bekommen hat, auch aufgeführt wurde, dass sie keinen Alkohol ausschenken würden. Dabei betonen sie, dass diese Entscheidung nichts mit ihrem muslimischen Glauben zu hat. Man wolle einen familienfreundlichen Ort schaffen, zu dem alkoholische Getränke nicht passen würden, erklärten sie gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen“.

Streit um Alkoholausschank geht vor Gericht
Der Gießener Verein hat inzwischen eine Räumungsklage eingereicht. Die Pächter hoffen, ihr Lokal dennoch irgendwann eröffnen zu können. Ihr Anwalt betont: „Wir wollen doch nur eins: hier friedlich alle zusammenleben.“ Wie das Ganze vor Gericht ausgeht, hängt vor allem vom genauen Wortlaut des Pachtvertrages ab.
Auf Social Media hat der Fall ebenfalls hohe Wellen geschlagen. Es gibt viele, die sich auf die Seite des Vereins schlagen, aber man findet auch zahlreiche Kommentare, die die Position der Pächter vertreten. „Seit wann ist es ein Grundrecht, Alkohol zu konsumieren, was hat in einem Sportclub Alkohol zu suchen?“, fragt etwa eine Person auf Facebook, die die Kündigung aus einem solchen Grund für ungerechtfertigt hält.
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Verständnis und scharfe Kritik: So reagiert das Netz
Andere halten dagegen. „Es sollte dem Pächter eines Sportheims klar sein, dass dort Alkohol konsumiert wird“, kommentiert jemand. „Wenn ich 2 Stunden Tennis gespielt habe, will ich danach auch ein frisches blondes Bier“, fügt eine andere Person hinzu.
Andere finden es wiederum seltsam, dass der Verpächter in diesem Fall dem Pächter vorschreiben möchte, was dieser in seinem Lokal anbietet. Mehrfach kann man scherzhafte Kommentare lesen wie „Einfach laufen lassen und dann gucken, ob die Leute auch ohne Alkohol hingehen.“
Und es gibt weitere mäßigende Stimmen, die den Fehler bei beiden Parteien sehen: „Vielleicht hätten sich beide Seiten mal informieren sollen, was es jeweils bedeutet.“ Noch hofft vor allem das Gastronomen-Ehepaar auf eine Einigung mit dem Verein.
