Football vs. Soccer: Warum die Social-Media-Debatte völlig überflüssig ist

Während bei der WM 2026 in Nordamerika der Ball rollt, kocht im Netz ein alter Streit hoch: Heißt es nun Football oder Soccer? Wer die Geschichte des Sports kennt, merkt schnell: Die hitzige Debatte könnte man auch einfach sein lassen.
Football vs. Soccer: Warum die Social-Media-Debatte völlig überflüssig ist
picture alliance

Die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer ist in vollem Gange. Gastgeberländer sind dieses Mal Kanada, Mexiko und die USA. Nun ist ein alter Streit aufgeflammt, da in zwei der drei Länder die Sportart nicht direkt mit „Football“ übersetzt wird, sondern mit „Soccer“.

In den sozialen Medien kann man dazu zahlreiche Ragebait-Posts finden, die hervorragend funktionieren. Dabei reicht ein schneller Blick auf die Geschichte des Fußballs, um zu verstehen, dass das völlig unnötig ist.

Zwei Begriffe für ein und dasselbe

Zunächst scheint die Sache vor allem aus europäischer Sicht simpel. Fußball wird mit den Füßen gespielt und sollte entsprechend „Football“ heißen. Dazu kommt, dass die beliebte Sportart offiziell in England und somit in Europa gegründet wurde. Dementsprechend argumentieren zahlreiche Fans, dass sie mit „Football“ im Recht und dabei sowieso in der Überzahl seien.

Anzeige

Vor allem US-Amerikanerinnen und Amerikaner halten dagegen und machen sich für „Soccer“ stark. Vor allem ein Post, der offensichtlich über Ragebait auf Reichweite abzielt, sorgte dabei für Aufsehen. „Hey Europa, es heißt 'Soccer'. Respektiert unsere Kultur. Mit freundlichen Grüßen, das Land, das auf dem Mond gelandet ist, das Internet erfunden hat und bald auch euren Sport gewinnen wird“, heißt es dort.

Fußball vs. Soccer: Die Aufnahme vom 01.04.1893 zeigt die Spieler und Offiziellen der englischen Fußball-Nationalmannschaft, die an diesem Tag im Londoner Richmond Athletic Ground ein Länderspiel gegen die schottische Auswahl bestreitet (5:2): Hinten (v.l.): William McGregor (FA-Vorstand), Robert Gosling, J.J. Bentley, John Holt, J.C. Clegg (FA-Vorstand), George Kinsey, Robert Holmes, John Goodall; Mitte (v.l.): Billy Bassett, John Reynolds, George Cotterill, Leslie Gay, Hugh Harrison; Vorne (v.l.): Fred Spiksley, Edgar Chadwick. Der Schotte William McGregor initiierte im Jahre 1888 die Gründung der Football League, deren Vorsitzender er dann auch wurde. Zudem war der Textilkaufmann Präsident des Birminghamer Fußballklubs Aston Villa. McGregor wurde 1846 in Braco, Perthire geboren und verstarb 1911 in Birmingham. Foto: Empics
picture alliance

„Soccer“ leitet sich von „Football“ ab

Der Post wurde vielfach verbreitet und diskutiert, und es gibt zahlreiche vergleichbare Inhalte in den sozialen Netzwerken. Darunter verteidigen überwiegend Fußball-Fans aus Europa ihren Fußball. Allerdings kann man aus rein geschichtlicher Sicht sagen, dass der Streit sinnlos ist.

Anzeige

„Soccer“ bedeutet nämlich nichts anderes als „Association Football“. Der Begriff wurde irgendwann zunehmend abgekürzt. So hieß es zeitweise „Assoc“, dann „Socca“ und schließlich „Soccer“. Dass gerade die USA auf den alternativen Begriff ausweichen, liegt schlicht daran, dass der dort enorm populäre Sport „American Football“ weitaus größer ist als Fußball.

Dieser bildete sich aus „Rugby Football“ heraus, das heute schlicht noch Rugby genannt wird. Hier gibt es also keine begriffliche Verwechslungsgefahr. Anders sieht das bei der US-amerikanischen Variante aus, weshalb in weiten Teilen der Welt der Zusatz „American“ genutzt wird. In den USA selbst heißt die Sportart schlicht „Football“.

Auch interessant: So hoch sind die Preisgelder und Prämien der FIFA bei der WM 2026

Warum „Football“ ein bisschen „richtiger“ ist

Wenn man die Debatte also auf ein stumpfes „Wer hat Recht und wer nicht“ herunterbrechen möchte, kann man mit Blick auf die Geschichte klar sagen, dass „Football“ die originärere Bezeichnung ist. „Soccer“ ist eigentlich nur eine umgangssprachliche Abkürzung für den ersten offiziellen Fußball-Verband, der am 26. Oktober 1863 in England gegründet wurde.

Deshalb tragen zahlreiche Fußball-Vereine in den USA auch noch das originale „FC“ für „Football Club“ im Namen. Solange alle wissen, was eigentlich gemeint ist, sollte die Bezeichnung aber egal sein – vor allem, wenn man sich bewusst macht, dass das eine nur eine Ableitung vom anderen ist.

In Australien hat sich der Prozess im Übrigen inzwischen umgekehrt. Dort hieß der Sport lange Zeit ebenfalls „Soccer“. Der Fußballverband dort heißt inzwischen aber auch einfach „Football Australia“. Nur der Spitzname für das eigene Nationalteam ist gleich geblieben: „Socceroos“