Solche großen Übernahmen wie von Sky Deutschland durch RTL bekommen besondere Aufmerksamkeit, wobei vor allem auch das Kartellrecht eine große Rolle spielt. Dieses soll den Markt schützen und verhindern, dass sich ein großer Player einfach alle anderen einverleibt, um fairen Wettbewerb zu garantieren.
Für Sky wird schon länger ein Käufer gesucht, bereits seit dem Sommer vergangenen Jahres zeigt RTL Interesse. Jetzt hat die EU-Kommission grünes Licht gegeben – ein wichtiger Schritt in Richtung Übernahme. „Das ist ein großer Tag für uns und für den Medienmarkt in Europa insgesamt“, kommentierte auch RTL-Chef Thomas Rabe. Doch was bedeutet das jetzt genau für die Zuschauerinnen und Zuschauer?
Sky-Übernahme durch RTL hat offiziell grünes Licht bekommen
Noch ist der Deal mit der Entscheidung der EU-Kommission nicht abgeschlossen, allerdings sind jetzt die größten Hürden ausgeräumt. Am 1. Juni 2026 soll die Übernahme für insgesamt 150 Millionen Euro dann abgeschlossen werden. Der Deal hat vor allem zur Folge, dass RTL im Pay-TV-Bereich deutlich wachsen wird, genauso wie im Streaming-Geschäft, wo der Anbieter auf dem deutschen Markt mit RTL+ ohnehin bereits stark aufgestellt ist.
Insgesamt wird das RTL den dritten Platz auf dem deutschen Streaming-Markt sichern, hinter den beiden Branchen-Riesen Netflix und Amazon Prime Video. Denn mit dem Deal wandert auch das Streaming-Angebot Wow zu der Sendergruppe. Zuschauerinnen und Zuschauer werden durch die Sky-Übernahme bei RTL also deutlich mehr Inhalte sehen, wobei der Dienst zumindest vorerst erhalten werden soll. Mindestens genauso wichtig dürfte dabei allerdings für viele vor allem die Frage nach den sportlichen Inhalten sein.

Was bedeutet die Übernahme für Sport-Fans?
Vor allem Sky ist seit jeher für sein (Live-)Sport-Angebot bekannt. Und auch RTL hat in der jüngeren Vergangenheit in diesem Bereich ordentlich investiert. So hat man sich diverse Fußballrechte gesichert und etwa die NFL-Übertragung von ProSieben übernommen. Erste öffentlich kommunizierte Pläne zu den nun angedachten Schritten gibt es bereits.
So sollen bei RTL künftig mehr Spiele der 1. und 2. Bundesliga im Free-TV zu sehen sein. Zudem hält Sky derzeit die Rechte an allen 63 Spielen im DFB-Pokal. Diese sollen künftig parallel zu Sky auch Teil des Angebots bei RTL+ sein. Der Streaming-Dienst von RTL ist wiederum aktuell die Heimat der Europa League. Davon sollen nun umgekehrt Sky-Nutzerinnen und -Nutzer ohne Aufpreis profitieren, da die internationalen Spiele auf beiden Plattformen zu sehen sein sollen.
Sky Stream eröffnet neue digitale Möglichkeiten für RTL
Aber auch technisch wird die Übernahme einiges umkrempeln. Wie etwa „DWDL“ erklärt, soll mit dem Deal nämlich auch der IPTV-Dienst Sky Stream an RTL gehen. Das dürfte die Rolle des Anbieters im Fernsehgeschäft noch einmal grundlegend verändern, denn bisher war die Sendergruppe vor allem auf das klassische Fernsehen ausgerichtet. Damit wird RTL künftig zum veritablen Konkurrenten für Anbieter wie MagentaTV, Waipu.tv und Co. aufsteigen und sich ein stabiles Standbein in einem für das Unternehmen neuen Sektor aufbauen.
Stand jetzt bietet Sky Stream mittels einer kleinen Box gegen eine monatliche Gebühr Zugriff auf etwa 100 TV-Sender. Darüber hinaus sind zahlreiche Apps angeschlossen, sodass Sky Stream seinen Nutzerinnen und Nutzern eine gebündelte Oberfläche für alles rund um den Fernseher bietet. Damit bedient das Angebot eine Nachfrage, die zunehmend zu beobachten ist. Bei einem zunehmend zersplitterten Markt wünschen sich viele nämlich einen übersichtlichen Ausgangspunkt, an dem ihre TV-Sender und Streaming-Dienste gebündelt sind.

Übernahme könnte den deutschen TV- und Streaming-Markt neu ordnen
Mit der Sky-Übernahme wird RTL also auch diesbezüglich einen wichtigen Schritt machen, der für das Unternehmen mindestens von außen betrachtet wichtig wäre. Denn der TV-Markt ist weiterhin hart umkämpft und das Unternehmen steht bereits seit geraumer Zeit unter Druck. Aufmerksamkeitsstarke Aktionen wie der 90-Millionen-Euro-Deal mit Stefan Raab oder die Übernahme des Verlags Gruner & Jahr haben sich bisher kaum bezahlt gemacht.
Der generelle Wandel auf dem TV-Markt hat zudem sinkende Werbeeinnahmen zur Folge. Wohl vor allem deswegen gab es zuletzt einen massiven Stellenabbau über nahezu alle Sendersparten der Gruppe hinweg. Medien berichten von etwa 600 betroffenen Stellen. Mit der Sky-Übernahme kann sich RTL im digitalen Sektor deutlich breiter aufstellen.

