Das „Time Magazine“ genießt international einen sehr guten journalistischen Ruf. Aktuell gibt es allerdings jede Menge Kritik an einem Projekt des Mediums, das sich um den US-amerikanischen Unabhängigkeitskrieg dreht. Direkt zum Start der ersten Folge einer Dokumentation mit dem Titel „On This Day 1776“ gab es einiges an Häme und Spott für das Magazin.
Die erste Folge, die auf YouTube erschienen ist, soll den Moment zeigen, in dem damals die 13 Kolonien ihre Unabhängigkeit vom British Empire verkündeten, indem sie eine eigene Flagge hissten. Schlüsselfigur in diesem bedeutsamen historischen Moment war George Washington. Der damalige General wurde schließlich zum ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt.
Dementsprechend ist er auch in der Doku des „Time Magazine“ zu sehen, die im Wochentakt erscheinen und dabei die historisch wichtigen Geschehnisse aus dem Jahr 1776 in kurzen Folgen zusammenfassen soll. Das Projekt erhielt ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit. Das liegt zum einen am prominenten Regisseur, Darren Aronofsky. Vor allem aber interessiert viele die Machart des Ganzen. Denn statt einer klassischen Doku bekommen Zuschauerinnen und Zuschauer eine bis auf die Stimmen komplett KI-generierte Serie zu sehen. Das stößt auf einige Kritik.

Doku löst Debatte aus, inwiefern Künstliche Intelligenz in einem solchen Bereich zum Einsatz kommen sollte
Unter dem Video der ersten Folge beschweren sich viele Zuschauerinnen und Zuschauer über die Technologie. So schreibt jemand: „Es ist verrückt, dass Darren Aronofsky und das Time Magazin sich diesen Mist angesehen und gesagt haben: Ja, schick es ab.“ Aronofsky war für bekannte Filme wie „Requiem for a Dream“, „Black Swan“ oder auch „The Whale“ verantwortlich, die teilweise renommierte Filmpreise gewinnen konnten. Das ausgerechnet so ein bekannter Name für eine Doku auf Künstliche Intelligenz setzt, stößt vielen sauer auf.
„Ich habe nur eine Frage: Warum?“, schreibt ein Zuschauer. Ein anderer konstatiert ironisch: „Wir lieben die hyperrealistische, ultra-detaillierte, ledrige/faltige Haut von König George in Kombination mit einem Mund, der sich nicht wirklich wie bei einem echten Menschen bewegt und damit den Uncanny-Valley-Effekt erzeugt.“ Dieser Effekt beschreibt das unbehagliche Gefühl, das viele beim Betrachten eines humanoiden Roboters oder einer Animation haben. Dinge sehen zwar realistisch aus, das Gehirn erkennt aber, dass es sich um enechte Abbildungen handelt. Neben der KI selbst kritisieren aber auch viele den generellen Schnitt und das Tempo der Dokumentation. Positive Stimmen finden vor allem das Projekt als solches spannend und weisen daraufhin, dass KI eine Chance sein kann, historische Ereignisse ohne enormen Produktionsaufwand abzubilden.
Es ist nicht der erste Shitstorm um eine KI-Videoproduktion. So hat erst vor wenigen Monaten der Fast-Food-Riese McDonald's einen Werbespot zurückgezogen, der mit Künstlicher Intelligenz erzeugt wurde. Eine Hauptkritik an solchen Projekten bezieht sich darauf, dass man auf diese Weise in einer ohnehin schon umkämpften Branche weitere Jobs abbauen würde, indem man die Technologie die Arbeit eines Menschen erledigen lassen würde – für ein Ergebnis, das viele eher fragwürdig finden, wie auch ein Blick auf die Likes unter dem Video des „Time Magazine“ zeigen.
