Warum man unter manchen Telefonnummern niemals jemanden erreichen wird

Telefonnummern sind einmalig, können aber jederzeit neu vergeben werden, wenn eine Person ihren Vertrag kündigt. Es gibt jedoch einige Nummern – abgesehen von den Notrufleitungen – die niemals vergeben werden. Diese Nummern werden „Drama Numbers“ genannt.
Warum man unter manchen Telefonnummern niemals jemanden erreichen wird
iStock / Keeproll

Wer eine sogenannte „Drama Number“ anruft, wird am anderen Ende niemals jemanden erreichen. Diese Nummern werden aus Prinzip nicht vergeben, und zwar nicht, damit irgendwelche Leitungen freibleiben. Stattdessen dienen die Nummern als wichtige Platzhalter für eine gesamte Branche: Film und Fernsehen. Denn bei „Drama Numbers“ geht es eben genau darum, dass man niemanden erreicht.

Anzeige

„Drama Numbers“ erfüllen in der Medienlandschaft eine wichtige Funktion

Dahinter steckt eine Idee, die in erster Linie der US-amerikanischen Filmindustrie entstammt. Denn die Figuren in Filmen und Serien telefonieren teilweise genauso wie im echten Leben und manchmal ist es für die Handlung nötig, dass auch eine Telefonnummer zu sehen ist. Genau an dieser Stelle kommen die „Drama Numbers“ zum Einsatz, die im Deutschen auch „Rufnummern für Medienproduktionen“ genannt werden. Neben Film und Fernsehen werden die Nummern beispielsweise auch in Büchern und Broschüren abgedruckt.

Die Überlegung dahinter ist simpel. Würden auf den Bildschirmen echte Telefonnummern gezeigt, würden früher oder später Nachrichten und Anrufe bei tatsächlich existierenden Menschen eingehen. In der Vergangenheit ist das teilweise vielfach geschehen, teilweise auch, weil Nummern nach einem Dreh vergeben wurden.

Anzeige

Um das zu verhindern, wurden Rufnummern speziell für den Einsatz in Film und Fernsehen reserviert, die damit grundsätzlich nicht vergeben werden können. Diese Vorgehensweise hat sich inzwischen in nahezu allen Ländern etabliert, sodass es spezifische Nummern für die jeweiligen Länder gibt.

Drama Numbers: Bob Odenkirk in „Better Call Saul“ am Telefon
IMAGO / Everett Collection

Liste der „Drama Numbers“ in Deutschland

Teilweise kann man diese Nummern auf den ersten Blick erkennen. So wird in den USA oft die fiktive Vorwahl „555“ verwendet, um direkt zu signalisieren, dass es sich um eine nicht existente Nummer handelt. In Deutschland ist die Bundesnetzagentur zuständig, die bestimmte Telefonnummern speziell für Medienproduktionen zur Verfügung stellt. Dabei gibt es mehrere Festnetznummern für große deutsche Städte, aber auch diverse Handynummern.

Anzeige

Festnetznummern:

  • Berlin: (0)30 23125 000 bis 999
  • Frankfurt am Main: (0)69 90009 000 bis 999
  • Hamburg: (0)40 66969 000 bis 999
  • Köln: (0)221 4710 000 bis 999
  • München: (0)89 99998 000 bis 999

Handynummern:

  • (0)152 28817386
  • (0)152 28895456
  • (0)152 54599371
  • (0)171 39200 00 bis 99
  • (0)172 9925904
  • (0)172 9968532
  • (0)172 9973185
  • (0)172 9973186
  • (0)172 9980752
  • (0)174 9091317
  • (0)174 9464308
  • (0)176 040690 00 bis 99

Für die Nutzung dieser Nummern braucht man keine Genehmigung und es werden auch keine Gebühren für Medienschaffende erhoben, wie die Bundesnetzagentur erläutert.

Nummern in Filmen und Serien, die man anrufen kann

In manchen Produktionen ist es allerdings aus Marketing-Gründen gewollt, dass Zuschauerinnen und Zuschauer dort anrufen. In diesen Fällen wird extra auf eine „Drama Number“ verzichtet. Eines der bekanntesten Beispiele der jüngeren Geschichte ist die Serie „Stranger Things“. In der Serie sind mehrfach Telefonnummern zu sehen, unter denen man tatsächlich jemanden erreichen konnte. So führte die Nummer eines Pizzadienstes zu einer authentischen Bandansage und wer die Nummer auf einem Vermisstenplakat anrief, bekam ebenfalls eine eigens aufgenommene Aufnahme zu hören.

Vor allem im US-amerikanischen Raum gibt es zahlreiche weitere Beispiele. In der vierten Staffel von „Scrubs“ wird beispielsweise die Telefonnummer einer Figur Turk genannt. Rief man dort an, konnte man einen fiktiven Anrufbeantworterspruch abhören. Auch die Familie Cooper in der Serie „Young Sheldon“ konnte man tatsächlich anrufen, gleiches galt für Saul Goodman in der Serie „Better Call Saul“.

Weitere Beispiele sind „The Office“, „Supernatural“, „Squid Game“ oder auch „Gilmore Girls“, wobei Letztere beispielsweise einen Anrufbeantworterspruch von Luke Danes (Scott Patterson) enthielt, der dazu aufforderte, an das Johns Hopkins Children's Center zu spenden.