„Chris Nolan hat Homer entweiht und sich auf die Knie geworfen, nur um die woken Regeln zu erfüllen, die für einen Oscar erforderlich sind.“ Das postete Elon Musk Mitte Mai in Bezug auf „Die Odyssee“, den neuen Blockbuster des Regisseurs Christopher Nolan. Es ist nur ein Post in einer Reihe von Beiträgen, die der X-Besitzer auf seiner Plattform veröffentlichte. Seine Kritik bezieht sich vor allem auf den Cast des Films.
Hauptsächlich geht es ihm dabei um zwei Personalien: Lupita Nyong'o und Elliot Page. Die Oscar-Preisträgerin übernimmt im neuen Film die Doppelrolle der Helena von Troja und ihrer Schwester Klytaimnestra. Der Transgender-Schauspieler Page spielt hingegen den Kundschafter Sinon, nachdem vor dem Start zunächst in Gerüchten die Rede davon war, dass er als Achilles besetzt worden sei.
Elon Musk möchte eigene Version der „Odyssee“ veröffentlichen
Elon Musk warf Christopher Nolan mehrfach vor, etwa die Rolle der Helena nur mit Nyong'o besetzt zu haben, um den Cast divers zu gestalten und nicht, weil sie tatsächlich geeignet sei, die „schönste Frau der Welt“ zu spielen. In Bezug auf Elliot Page teilte Musk zudem mehrere Beiträge, unter anderem mit KI-Karikaturen des Schauspielers, die sich über dessen Männlichkeit lustig machen. Dass Page nun gar nicht Achilles, sondern eine ganz andere Rolle spielt, kommentierte der Tesla-CEO bisher nicht.
Dafür kündigte Musk nun eine eigene Version von „Die Odyssee“ an. Diese soll mithilfe seines KI-Systems Grok Imagine produziert werden und „historisch korrekt und der Kunst Homers treu“ sein. Dazu wurde ein etwa dreiminütiger Kurzfilm gezeigt, der von einem X-Account mit Grok Imagine erstellt wurde. Unter dem Beitrag ist nun eine Diskussion über das Projekt entbrannt, von dem noch nicht ganz klar ist, ob es tatsächlich zur Umsetzung gebracht wird.

Elon Musks Kritik im Faktencheck
Musks Aussagen werden von einigen X-Nutzerinnen und Nutzern zwar gefeiert, viele sehen sie allerdings auch kritisch. Dabei stören sich einige vor allem an der Aussage, dass das neue Projekt „historisch korrekt“ sein soll. Bei der „Odyssee“ von Homer handelt es sich um ein rein fiktives Werk, in dem unter anderem die griechischen Götter und mystische Wesen wie Zyklopen und Sirenen einen Auftritt haben. Von realen historischen Ereignissen kann also keine Rede sein.
Mit Blick auf Musks Kritik an der Besetzung von Nyong'o schreibt eine X-Nutzerin diesbezüglich amüsiert: „Ich freue mich schon auf das akkurate Casting einer Figur, die von einem Gott gezeugt wurde und aus einem Ei geschlüpft ist.“ Eine andere Person bringt allerdings auch Verständnis für die Kritik auf und schreibt, dass vor allem die Darstellung der Figur von Diane Kruger im Film „Troja“ (2004) das Bild vieler Zuschauerinnen und Zuschauer geprägt habe.
Der Vorwurf, der diverse Cast sei den offiziellen Oscar-Kriterien geschuldet, wurde hingegen bereits vielfach von Expertinnen und Experten entkräftigt. Es stimmt zwar, dass der „Beste Film“ seit einigen Jahren gewisse Diversitätskriterien erfüllen muss. Diese müssen allerdings nicht zwingend vor der Kamera stattfinden, wie etwa Nolans eigener Film „Oppenheimer“ beweist.
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Debatte um den Cast bestimmte die Wochen vor der Premiere
Der Titel gewann bei der Oscarverleihung 2024 sieben Auszeichnungen: Neben besagtem Hauptpreis als Bester Film gewann das Werk auch in den Kategorien Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Cillian Murphy) und Bester Nebendarsteller (Robert Downey Jr.), Beste Kamera, Beste Filmmusik und Bester Schnitt. Und das, obwohl kein offen diverser Cast zu sehen war. Stattdessen müssen Filme in zwei von vier Kategorien auf Diversität setzen, was bei „Oppenheimer“ durch die Teamstrukturen und die Produktionsweise gewährleistet wurde.
Unabhängig von der Debatte um Elon Musk und „Die Odyssee“ gibt es allerdings auch kritische Stimmen bezüglich des Casts, die aus einer ganz anderen Richtung kommen. So sehen es zumindest Teile der Öffentlichkeit kritisch, dass in dem Epos, das immerhin in Griechenland spielt, sich der Mythologie bedient und zur grundsätzlichen Schullektüre gehört, keine griechischstämmigen Darstellerinnen und Darsteller zu sehen sind.
Zudem kritisiert die kleine griechische nationalistische Partei Niki die eigene Regierung dafür, dass Subventionen dafür gezahlt wurden, dass die Dreharbeiten zu „Die Odyssee“ in Griechenland stattfinden. Dabei bezieht sich die Partei offen auf Elon Musks Argumentation und wirft der Regierung vor, „woke“ Ideen mit Steuergeldern zu unterstützen.

Nolans „Die Odyssee“ ist ausgesprochen erfolgreich gestartet
Christopher Nolan selbst nimmt die Diskussion um seinen Film im Übrigen gelassen. In einem Interview im „Telegraph“ sagte er dazu: „Diese Diskussionen, die stattfinden, bevor die Leute den Film gesehen haben – sie sind immer irrelevant, weil niemand, der sie führt, weiß, wie der Film tatsächlich ist.“ Und die aktuellen Zahlen geben ihm Recht.
Allein am ersten Wochenende spielt der Film, der im Übrigen der erste ist, der komplett mit Imax-Kameras gedreht wurde, 264 Millionen Dollar ein. Inzwischen steht der Blockbuster bereits bei Einnahmen von 304 Millionen Dollar (Stand: 23. Juli); es ist also an nur drei Werktagen noch einmal ordentlich etwas dazugekommen.
Das ist nicht nur der erfolgreichste Kinostart in Nolans Karriere, die immerhin Filme wie „Memento“, „The Dark Knight Rises“ und „Inception“ umfasst. Unter anderem auch auf Letterboxd hat „Die Odyssee“ direkt einen Rekord gebrochen, und zwar als Film, der am schnellsten von einer Million Nutzerinnen und Nutzern als Gesehen markiert wurde. Dazu kommen herausragende Kritiken wie etwa 95 beziehungsweise 97 Prozent bei Rotten Tomatoes und 8,5 Sterne bei IMDb.

