Debatte entfacht: Das sind die häufigsten Gründe für Krankschreibungen in Deutschland

Die Politik will gegen hohe Krankenstände in Deutschland vorgehen – doch die Pläne für neue Regeln bei der Krankschreibung habe eine Debatte entfacht. Welche gesundheitlichen Probleme belasten die Deutschen eigentlich und was sagen Ärzte dazu?
Debatte entfacht: Das sind die häufigsten Gründe für Krankschreibungen in Deutschland
Photoroyalty/Shutterstock

Die Koalition plant die Krankschreibung ab Tag 1 gesetzlich festzulegen. Bundeskanzler Friedrich Merz hat bereits erklärt, dass Betriebe davon abweichen können, jedoch wolle man den hohen Krankenständen in Deutschland entgegenwirken. Außerdem soll die telefonische Krankschreibung abgeschafft werden.

Ärztinnen und Ärzte haben die Pläne der Regierung bereits scharf kritisiert. Der Mehraufwand sei für die Praxen kaum zu bewältigen. Der Vorstoß, der noch den Gesetzgebungsprozess durchlaufen muss, hat also schon jetzt eine hitzige Debatte entfacht. „Das sind fast drei Wochen, in denen die Menschen in Deutschland aus Krankheitsgründen nicht arbeiten. Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?“, fragte Merz im Januar 2026 und stieß schon damals auf eine Welle der Kritik.

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Krankschreibungen in Deutschland: Was hat sich seit der Corona-Pandemie geändert?

Insbesondere nach der Corona-Pandemie seien die Krankenstände angestiegen. Während die Politik mit der Neuregelung möglichem Missbrauch entgegenwirken will, wird in den sozialen Medien und unter Experten intensiv über die Ursachen diskutiert. Der Rettungssanitäter Luis Teichmann erklärte daraufhin auf der Videoplattform TikTok, dass viele Arbeitnehmer öfter fehlen, weil sie keinen Termin bei Fachärzten mehr kriegen. Sie müssen sich mit belastenden Symptomen durchkämpfen, während sie auf ihre Termine warten und produzieren in dieser Zeit Krankentage.

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Außerdem leiden zahlreiche Arbeitnehmer unter Long-Covid-Symptomen oder sogar unter dem Post-Vac-Syndrom. Wie der Bundestag im Oktober 2024 selbst mitteilte, liegen zwar keine umfassenden Erkenntnisse zu Long-Covid-Patienten vor, man müsse aber davon ausgehen, dass es „eine sechsstellige Zahl von Betroffenen“ gebe. Eine Statistik zu Krankschreibungen in Deutschland von der DAK für das Jahr 2024 zeigt zudem, dass die meisten Menschen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung benötigten, weil sie unter Problemen mit dem Atmungssystem und dem Muskel-Skelett-System litten. Auf dem dritten Platz folgen bereits psychische Erkrankungen.

Immer mehr Menschen leiden unter psychischen Erkrankungen

Die Anzahl der psychischen Erkrankungen hat durch und nach der Corona-Pandemie weltweit noch einmal deutlich zugenommen. Forscher haben herausgefunden, dass insbesondere ein Zusammenhang zwischen einer Coronainfektion und Depressionen besteht. Auch Angststörungen treten seit der Pandemie häufiger auf. Wie die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. erklärte, leiden rund 18 Millionen Menschen in Deutschland an einer psychischen Erkrankung. Medizinisches Personal sowie Kinder und Jugendliche wurden durch die Pandemie und den Lockdown besonders belastet.

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BKK-Analyse zeigt, was die Kassen das meiste Geld kostet

Eine Analyse des BKK Dachverbands der Betriebskrankenkassen hat nun außerdem ergeben, dass „oft Muskel-Skelett und psychisch bedingte Ausfälle zum eigentlichen Kostentreiber werden“. Hier ging es speziell um das Krankentagegeld, welches ab dem 43. Krankentag gezahlt wird. Mehr als ein Viertel aller Fehltage, die im Jahr 2025 registriert wurden, entfielen auf das Krankengeld. Die Daten der BKK zeigten, dass im vergangenen Jahr psychische Leiden zwar nur 5,4 Prozent aller Krankschreibungen ausmachten, doch durchschnittlich dauern sie mehr als fünf Wochen an.

Symbolbild Krankschreibungen: Arzt hört Patientin ab
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Warum die Bundesregierung die telefonische Krankschreibung abschaffen will

„Die telefonische Krankschreibung wird abgeschafft und die unrichtige Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nach § 278 StGB stärker bestraft“, heißt es nun in dem Reformpapier der Bundesregierung. Gesundheitsministerin Nina Warken sagte, man wolle „Missbrauch“ so entgegenwirken. Untersuchungen von Krankenkassen wie der DAK zeigten zuletzt jedoch keinen systematischen Missbrauch durch die Telefon-AU. „Wir brauchen eine offene Debatte über die tatsächlichen Ursachen der Rekordkrankenstände und müssen die wachsende Misstrauenskultur in der Arbeitswelt eindämmen“, betonte Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit im vergangenen Jahr.

„Termingarantie für Fachärzte“ soll Patienten helfen

Gleichzeitig soll der Koalition zufolge eine „Termingarantie für Fachärzte“ eingeführt werden. So sollen die von Experten immer wieder angesprochenen Probleme gelöst werden. Doch es kommen erste Zweifel auf. „Mit der Termingarantie bei Fachärzten verspricht die Bundesregierung den gesetzlich Versicherten das Blaue vom Himmel. Denn ungeklärt bleibt, wer diesen Anspruch erfüllen soll“, fragte Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Ob die Reform tatsächlich so umgesetzt werden kann wie geplant, bleibt demnach abzuwarten. Fest steht, dass die Diskussion um das Gesundheitssystem und den Gesundheitszustand der Bundesrepublik noch lange nicht beendet ist.