Krankschreibung ab Tag 1: Ärzte warnen vor geplanter Änderung

Die Bundesregierung plant weitreichende Änderungen bei der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Künftig soll eine Krankschreibung bereits ab dem ersten Tag Pflicht sein. Doch der Vorstoß stößt auf massiven Widerstand. Mediziner warnen nun sogar vor den Folgen.
Krankschreibung ab Tag 1: Ärzte warnen vor geplanter Änderung
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Die Bundesregierung hat große Pläne. Am Donnerstag verkündete der Kanzler Friedrich Merz, dass zahlreiche Reformen umgesetzt werden sollen. Dazu zählen auch Regelungen, die den Arbeitsalltag von Millionen Bürgern betreffen. Insbesondere die Änderungen für die Krankschreibung sorgen für eine Welle der Empörung.

Merz kündigte an, dass es keine telefonische Krankschreibung mehr geben solle und dass eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gesetzlich ab dem ersten Krankheitstag verlangt werden soll. Aktuell muss erst eine Bescheinigung vorgelegt werden, wenn man mehr als drei Tage fehlt. „Sie müssen nicht am ersten Tag in die Arztpraxis“, stellte Merz bei Maybrit Illner klar, doch eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab Tag 1 sei nötig.

Ärztin mit Kittel und Stetoskop
Andrei_R/Shutterstock

Die Bundesregierung fordert eine Krankschreibung ab Tag 1: Das sagen die Ärzte

Allerdings können die Arbeitgeber in Deutschland von der geplanten neuen Regel abweichen, wenn dies vertraglich so vereinbart ist. Die Reaktionen der Ärzte in Deutschland sowie der Arbeitnehmer zeigen eine eindeutige Tendenz. Im Netz wurden schon nach wenigen Stunden Videos veröffentlicht, in denen sich die User fragen, wie die Regel umgesetzt werden soll. „Dann warten wir künftig also mindestens vier Stunden und stecken jeden an?“, heißt es beispielsweise in den Kommentaren. Auch die Kassenärzte schlagen Alarm und warnen vor der Krankschreibung ab dem 1. Tag.

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„Die Regierungspläne bedeuten eine massive Mehrbelastung für die Ärzte. Sie müssen sich künftig mit Fällen rumschlagen, die eigentlich nicht in die Praxis müssten. Als Folge fehlen Termine für Patienten, die wirklich zum Arzt müssen“, betonte der Kassenärzte-Chef Andreas Gassen gegenüber der Bild. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung schätzt, dass es durch die Änderung zu 30 Millionen zusätzlichen Praxisbesuchen pro Jahr kommen könnte. „Während sich also die Infektfälle, die nur ein, zwei Tage im Bett gebraucht hätten, in unseren Wartezimmern stapeln, werden die dringlichen Fälle warten müssen, weil wir nicht hinterherkommen“, sagt auch der Verband der Hausärzte.

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Nina Warken erklärt, wie die Regel umgesetzt werden soll

Nina Warken betonte hingegen, dass es wichtig sei, die telefonische Krankschreibung wieder abzuschaffen, da dadurch die „Hürden für eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung deutlich gesenkt wurden“. Digitale Sprechstunden sollen hingegen gefördert werden. „Die Bundesgesundheitsministerin hat heute schon gesagt: Natürlich müssen wir das Ganze so hinbekommen, dass niemand, der krank ist, dann auch wirklich zum Arzt gehen muss“, erklärte wiederum Lars Klingbeil. Die Regierung könnte stattdessen auf die Möglichkeit setzen, dass die Bescheinigung nachträglich ausgestellt wird. Allerdings handelt es sich bisher nur um Beschlüsse, die noch sämtliche parlamentarischen Gesetzgebungsverfahren durchlaufen müssen.