Die Debatte um digitales Eigentum wird in kaum einer Branche so intensiv geführt wie im Videospielbereich. Ein großes und wichtiges Beispiel, an dem sich das nachvollziehen lässt, ist der große Hersteller Sony, der nicht nur eigene Spiele an den Start bringt, sondern mit der PlayStation auch eine der wichtigsten Konsolen stellt.
Anfang Juli gab der Konzern dann bekannt, ab 2028 keine physischen Versionen seiner Spiele mehr herauszubringen. Die Nachricht löste eine Empörungswelle in der Community aus. Zwar werden physische Datenträger immer weniger wichtig, da die meisten ihre Spiele ohnehin online kaufen. Mit der Möglichkeit einer physischen Ausgabe verschwindet aber auch die Option, ein Spiel tatsächlich zu besitzen. Nun hat Sony mit einer neuen Nachricht für Wirbel gesorgt.
Debatte um digitales Eigentum gewinnt an Intensität
Unter anderem der Verbraucherschutz und auch die Spielerinnen und Spieler selbst bemängeln seit Jahren, dass nicht ausreichend klargestellt wird, dass man ein Spiel gar nicht wirklich kauft, wenn man auf den „Kaufen“-Button drückt und den Preis bezahlt. Man erwirbt damit lediglich die Nutzungsrechte an einem Spiel. Theoretisch können diese Nutzungsrechte jederzeit wieder entzogen werden.
Und während man beispielsweise ein altes Videospiel aus den 90er-Jahren mit einem Laufwerk und dem entsprechenden Equipment immer noch spielen kann, ist das teilweise bei deutlich jüngeren Spielen nicht mehr der Fall, wenn man nur über die digitale Variante verfügt und beispielsweise der Support eingestellt wurde. Das wird dadurch verschärft, dass einige Spiele generell nur noch mit entsprechendem Support und Server-Kapazitäten funktionieren, auch im Singleplayer-Bereich.
Sony verschickt Info-Mails an seine Nutzer
Darauf weist Sony nun in einer E-Mail an seine PlayStation-Nutzerinnen und -Nutzer hin. Die Nachricht enthält außer den PlayStation-Nutzungsbedingungen auch einen Abschnitt des sogenannten „End User License Agreement“ (EULA), also den rechtlichen Vertrag zwischen einem Softwarehersteller und dem Endnutzer.
Konkret heißt es: „Die Software wird Ihnen lizenziert, nicht verkauft. Ihnen wird eine begrenzte, nicht-exklusive, nicht übertragbare und persönliche Lizenz gewährt, um die Software für Ihre private, nicht-kommerzielle Nutzung auf dem dafür vorgesehenen System oder Gerät zu spielen oder zu verwenden.“

Nutzer werden erinnert, dass ihnen digitale Spiele gar nicht gehören
In diesem Abschnitt wird also nochmals hervorgehoben, dass man lediglich die Lizenz an der Software erwirbt und das Spiel durch den „Kauf“ nicht in den Besitz der Käuferin oder des Käufers übergeht. Dass das so ist, ist bekannt, Sony stellt nur noch einmal bestehende Tatsachen heraus. Allerdings beschweren sich viele Empfängerinnen und Empfänger, dass sich Sony für diese Benachrichtigung den denkbar schlechtesten Zeitpunkt ausgesucht habe.
Denn durch die Nachricht flammt die Debatte wieder auf, die das japanische Unternehmen im Juli mit seiner Nachricht, ab 2028 keine physischen Spiele mehr produzieren zu wollen, selbst angestoßen hatte. Seitdem wird wieder rege über digitale Nutzungs- und Eigentumsrechte sowie Wettbewerbsbedenken debattiert.
Denn im Fall von Sony kommt eben dazu, dass das Unternehmen für seine PlayStation die absolute Marktmacht hält. Entfallen künftig physische Kopien der Spiele, steht Spielerinnen und Spielern wirklich nur noch der PlayStation Store zur Verfügung – und dort kann Sony die Preise alleine und ohne Wettbewerb diktieren.
Nutzer rufen zum Boykott von Sony auf
Gegen das Vorgehen des japanischen Unternehmens laufen bereits mehrere Klagen, allerdings nur mit geringer Aussicht auf Erfolg. Auch die Europäische Union sieht derzeit keine rechtliche Möglichkeit, Spielehersteller zu verpflichten, weiterhin physische Datenträger anzubieten, wie unter anderem EU-Kommissar Michael McGrath im Europäischen Parlament erklärte.
Dass das Thema überhaupt dort gelandet ist, nachdem die Politik die Problematik rund um digitales Eigentum jahrelang eher vernachlässigt hatte, verdeutlicht, wie hoch die Wellen sind, die vor allem Sony mit seiner Entscheidung ausgelöst hat. Spielerinnen und Spieler gehen deshalb im wahrsten Sinne des Wortes auf die Barrikaden. Bereits Ende Juli wurde unter dem Hashtag „PSBlackout“ ein einwöchiger Boykott angekündigt, der nun bis zum 30. August läuft.
Und mitten in dieser Gemengelage hat Sony seine E-Mail verschickt, in der die Spielerschaft an die Nutzungs- und Lizenzbedingungen erinnert wird. Allerdings zweifelt sogar die eigene Community daran, dass der Boykott, vor allem aufgrund der zeitlichen Begrenzung, irgendetwas bewirken wird.

