Kein Sprit an ersten Tankstellen: Werden Benzin und Diesel wirklich knapp?

An mehreren Tankstellen gab es in der vergangenen Woche keinen Sprit mehr. Doch woran liegt das und werden Benzin und Diesel nun knapp? Experten äußern sich und geben Entwarnung.
Kein Sprit an ersten Tankstellen: Werden Benzin und Diesel wirklich knapp?
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Die Spritpreise sind seit Beginn des Iran-Krieges auch in Deutschland deutlich angestiegen. Teilweise mussten Autofahrer an den Zapfsäulen rund 2,15 Euro für einen Liter Super und 2,30 Euro für einen Liter Diesel bezahlen. Doch der Kraftstoff wird nicht nur teuer, er wurde in ersten Regionen auch knapp.

Betroffen sind Standorte im tschechischen Grenzgebiet. In der vergangenen Woche konnte eine Tankstelle am Grenzübergang Johanngeorgenstadt kein Benzin 95 und Benzin 95 Plus mehr anbieten. Aktuell kommt es vor Ort zu einem großen Andrang, da viele Deutsche hoffen, hier günstiger tanken zu können. Experten erklärten jedoch, dass diese Auswirkung nicht mit einer allgemeinen Knappheit zusammenhängt.

Kein Sprit mehr an ersten Tankstellen
Rangsarit Chaiyakun/Shutterstock

Wird jetzt der Sprit in Deutschland knapp? Tankstellenverband reagiert

Auch Super Plus und Diesel waren nur noch in geringen Mengen vorhanden. In Bärenstein und im Umkreis von 10 Kilometern kam es ebenfalls zu ersten Engpässen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche äußerte sich zu der aktuellen Situation in Deutschland. „Noch sehen wir keine Knappheiten beim Volumen, aber wenn der Konflikt nicht endet, rechnen wir damit vermutlich Ende April oder im Mai“, erklärte die Politikerin. Die Unsicherheiten wachsen und erste Verbraucher stornieren ihre Neuwagenbestellungen bei Autoherstellern, um auf Elektro-Alternativen umzusteigen. Doch der Tankstellenverband gab Entwarnung und kritisierte Reiche sogar für ihre Aussage.

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Experten kritisieren Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche

„Aktuell sehen wir keine Hinweise auf eine akute oder absehbare Knappheit bei Benzin, Diesel oder Kerosin in Deutschland. Weder aus der Branche insgesamt noch von Importeuren liegen uns Signale vor, dass es Einschränkungen beim verfügbaren Volumen gibt“, heißt es in einem Statement von Daniel Kaddik vom Bundesverband Freier Tankstellen. Reiches Aussagen seien „heikel“, da sie für Unsicherheit sorgen „und im Extremfall zu Vorzieheffekten oder Hamsterkäufen führen. Das würde die Nachfrage kurzfristig erhöhen und damit die Preise zusätzlich treiben – ohne dass sich an der realen Versorgungslage etwas geändert hat.“ Solche Hamsterkäufe und extremer Andrang können außerdem, ähnlich wie in der Grenzregion, tatsächlich dafür sorgen, dass es bei einzelnen Anbietern kurzfristig knapp wird.

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Das sind die Konsequenzen für Verbraucher

Die Bundesregierung hat kürzlich eine neue Regel beschlossen, die ab dem 1. April gelten soll. Tankstellen dürfen die Preise dann nur noch einmal täglich erhöhen. Das Nachbarland Österreich diente bei diesem Beschluss als Vorbild. Eine Veröffentlichung der Neuerungen im Bundesgesetzblatt ist für den 31. März vorgesehen. „Die beteiligten Akteure haben uns gebeten, für eine reibungslose Umsetzung auf ein Inkrafttreten zum 1. April hinzuwirken“, erklärte ein Sprecher des Bundesministeriums. Die Regelung ist Teil des neuen Kraftstoffmaßnahmenpakets. Sollte sich die Preissituation wieder beruhigen, ist auch davon auszugehen, dass der Andrang in den Grenzregionen nachlässt.