Der Sommer 2026 hat in Europa zahlreiche Hitzerekorde gebrochen und auch Durchschnittsmessdaten über mehrere Jahre hinweg zeigen aktuell, dass sich der Kontinent deutlich stärker aufheizt als der Rest der Welt. So berichtete zuletzt die Süddeutsche Zeitung, dass die durchschnittlichen Temperaturen in Europa fast doppelt so stark angestiegen sind wie im globalen Mittel.
Diese Beobachtung beruht auf Daten des europäischen Copernicus-Projekts. Grundlegend ist das Expertinnen und Experten zufolge auf eine Destabilisierung des Jetstreams zurückzuführen, allerdings war bislang nicht geklärt, warum sich dieser gerade über Europa so sehr verändert hat. Dazu gibt es nun neue Erkenntnisse.
Der Jetstream beeinflusst das Klima in Europa massiv
Bereits seit den 1980er-Jahren ist zu beobachten, dass sich der sogenannte Jetstream über Europa verändert. Dabei handelt es sich um ein schmales Band aus starken Winden, das in 8 bis 12 Kilometern Höhe in der oberen Troposphäre rund um die Erde weht. Dieses Band entsteht durch kalte Polarluft und warme Tropenluft, die in der Höhe aufeinanderprallen, was große Luftdruckunterschiede verursacht. Die Erdrotation wiederum sorgt dafür, dass sich diese Luftmassen Richtung Osten bewegen.
In früheren Jahren floss der Jetstream stabil und größtenteils gleichmäßig vor sich hin; das ist inzwischen aber anders. Immer wieder kommt es speziell über Europa zu Ausbuchtungen. Das führt dazu, dass sich über dem Kontinent im Sommer Hochdruckgebiete bilden und nicht abziehen können. Dadurch kommt es zu einem Anstieg extremer Hitzewellen, was in den Daten einwandfrei nachzuvollziehen ist. Vor allem in den vergangenen beiden Jahrzehnten sind entsprechende Entwicklungen zu beobachten. Aber warum passiert das nun ausgerechnet über und dadurch in Europa?

Luftverschmutzung hat Folgen des Klimawandels lange gebremst
Im Juni 2026 veröffentlichte das Barcelona Supercomputing Center das Ergebnis mehrerer Simulationen, die zeigen, dass es einen Zusammenhang mit der vergleichsweise geringen Luftverschmutzung in Europa gibt. Weniger Luftverschmutzung bedeutet weniger Aerosole in der Luft. Das für das menschliche Auge unsichtbare Gemisch aus winzigen Schwebeteilchen reflektiert allerdings auch das Sonnenlicht und wirft es zurück ins Weltall.
Dadurch, dass weniger Aerosole in der Luft sind, wird auch weniger Sonnenlicht zurückgeworfen und landet stattdessen auf der Erde. Das Ergebnis ist eine stärkere Erwärmung als an Orten mit schlechterer Luft – vor allem mit Blick Richtung Osten, wohin der Jetstream die Luft ja eigentlich schieben sollte. Expertinnen und Experten schätzen, dass die gesamte Erderwärmung des industriellen Zeitalters aufgrund der Luftverschmutzung um 0,5 Grad reduziert werden konnte. In einer Zeit, in der um jedes Hundertstelgrad gekämpft wird, ist das enorm viel.
Da Aerosole zudem Kondensationskeime zur Wolkenbildung sind, sind auch diese über Europa weniger vertreten. Das ist nicht nur direkt bei der Temperatur ein Faktor, sondern auch beim Niederschlag. Das bedeutet allerdings nicht, dass Aerosole durch Luftverschmutzung eine gute Sache sind.
Warum mehr Aerosole keine Lösung sind
Ja, Aerosole haben tatsächlich eine temporär kühlende Wirkung. Allerdings muss man in diesem Fall von einem „riesigen dreckigen Sonnenschirm“ sprechen, wie unter anderem Arte erklärt. Denn mit den Aerosolen kommen diverse Stoffe, die den Klimawandel weiter vorantreiben, aber auch direkt der menschlichen Gesundheit schaden, indem sie beispielsweise Asthma oder Lungenkrebs verursachen. Es gibt aber die Idee, Aerosole ohne Schadstoffe in die Atmosphäre zu geben, um die Erwärmung zu begrenzen.
Die Folgen eines solchen Geoengineering wären allerdings überhaupt nicht abzusehen. Dazu kommt, dass sich Aerosole innerhalb kurzer Zeit wieder auflösen; es müsste also ständig nachgelegt werden. Zudem würde die Maßnahme nichts an den eigentlichen Ursachen des Klimawandels ändern.

