„Im Jahr 1886 erfand John Stith Pemberton in Atlanta die Formel für Coca-Cola und legte damit den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht.“ So steht es auf der offiziellen Website des Unternehmens. Cola gilt als eines der wichtigsten Markenzeichen der USA, die Firma und ihre Produkte sind omnipräsent.
Nun wurde allerdings in einem Florentiner Klosterarchiv in Italien eine Entdeckung gemacht, die infrage stellt, dass Coca-Cola tatsächlich in den USA erfunden wurde. Ein Dominikanermönch hat nämlich im Archiv der Klosterapotheke von San Marco in Florenz einen Werbezettel entdeckt, der ein Getränk anpreist, dessen Zutaten verdächtig nach dem Kultgetränk klingen – und der definitiv älter ist als die 1886 in Atlanta erfundene Formel.
Wurde ein Coca-Cola-Vorläufer im Kloster hergestellt?
Zuerst berichtete die regionale Kirchenzeitung „Toscana Oggi“ von dem Fund. Der Zeitung zufolge ist der Dominikanerpater Manuel Russo auf einen vergilbten Zettel gestoßen, der sich auf ein „Elixir vinoso ricostituente“ bezieht. Übersetzt bedeutet das „Stärkendes Weinelixier“. Die Mönche verkauften dieses Elixier damals offenbar in großen Mengen.
Das ergibt insofern auch Sinn, da die Kirchenmänner bereits seit Mitte des 15. Jahrhunderts die Menschen in der Region mit Heilkräutern und Ähnlichem versorgten. Dass die Mönche also ein Elixier anboten, das dem Text zufolge Kopfschmerzen lindern und Müdigkeit vorbeugen sollte, ist nicht weiter ungewöhnlich. Die ebenfalls auf dem Zettel zu findende Zutatenliste lässt allerdings aufhorchen:
- 30 Gramm Colanüsse
- 10 Gramm bolivianische Kokablätter
- 1 Liter Alkohol
Cola-Getränk war ursprünglich eine Droge
Auch wenn die genaue Rezeptur für Coca-Cola streng geheim und nur wenigen Menschen auf der ganzen Welt bekannt ist, so weiß man doch, dass Kokablätter und Colanüsse bei der Erfindung die beiden Grundzutaten waren, auf die sich auch der Name des Getränks bezieht, das im Übrigen zunächst ebenfalls als Medizin verkauft wurde. Dazu kam vor allem Rotwein, weshalb das Produkt zunächst „Pemberton's French Wine Coca“ hieß.
Da Kokablätter mit dem Alkaloid Kokain jedoch eine Droge enthalten, wurden sie 1903 aus der Coca-Cola-Rezeptur entfernt. Die Colanuss wurde später vor allem aus Kostengründen ersetzt. Die Mönche aus Italien hatten allerdings offenbar guten Zugriff auf die Frucht der Colabäume, die vor allem unter tropischen Bedingungen gut gedeiht. Doch was genau bedeutet der Fund in Italien nun für die Erfindung von Coca-Cola?

Kein Zusammenhang zwischen Fund in Italien und den USA
Bislang lassen sich keinerlei Belege dafür finden, dass John Stith Pemberton irgendetwas von der Rezeptur der Mönche wusste. Grundsätzlich gibt es keine Spur, die in die USA führt, wie auch der Finder Manuel Russo betont. Man muss zudem festhalten, dass sich kokahaltige Getränke im Allgemeinen einer großen Beliebtheit erfreuten – auch in der katholischen Kirche.
Mariani Wine (im Original Vin Mariani), das zu einem wahren Giganten der Branche, dem Korsen Angelo Mariani, gehörte, machte Ende des 19. Jahrhunderts sogar Werbung mit dem Gesicht von Papst Leo XIII., der das Getränk geliebt haben soll. Mariani war übrigens ein Vorbild für Asa Griggs Candler, der Pemberton das Patent für dessen Produkt schließlich abkaufte, es aufgrund cleverer Marketing-Strategien enorm erfolgreich verkaufte und schließlich die Coca-Cola-Company gründete.
Geschichte von Coca-Cola beginnt schon vor Candler und Pemberton
Mariani ist es auch, dem die ursprüngliche Idee zugeschrieben wird, Kokablätter in Wein aufzulösen. Die Blätter wurden dabei von den spanischen Eroberern in Südamerika entdeckt, wo sie von der indigenen Bevölkerung gegen Hunger und Müdigkeit gekaut wurden. Der von Mariani erfundene Koka-Wein verbreitete sich innerhalb kürzester Zeit und soll – außer von Papst Leo – unter anderem auch gerne von Queen Victoria, Thomas Edison oder Jules Verne getrunken worden sein.
Inwiefern sich John Stith Pemberton davon im Detail inspirieren ließ, ist nicht klar. Es gilt allerdings als erwiesen, dass es zahlreiche verschiedene Mischverhältnisse gab. Eines davon geht offenbar auch auf die Dominikanermönche in Florenz zurück, wie der aktuelle Fund nahelegt.

