Banksys wahre Identität enthüllt? Fans gehen auf die Barrikaden

Eine umfangreiche Recherche soll die wahre Identität des Künstlers Banksy aufgedeckt haben. Fans auf der ganzen Welt zeigen sich von dieser Entwicklung allerdings alles andere als begeistert.
Banksys wahre Identität enthüllt? Fans gehen auf die Barrikaden
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Zwei sich küssende Polizisten, eine zugemüllte Monet-Brücke und natürlich ein Mädchen, das einen roten Luftballon steigen lässt – diese Motive und noch viele mehr stammen von Banksy. Bei dem Namen handelt es sich um ein Pseudonym, das die wahre Identität des Künstlers verschleiern soll. Dieser fällt seit Jahren durch seine Guerilla-Streetart auf, die oft provozierende und gesellschaftskritische Motive aufgreift.

Das und das Geheimnis um die Identität des Künstlers sind entscheidend für den Erfolg. Nun wurde aber im Rahmen einer intensiven Recherche der Nachrichtenagentur Reuters Banksys echter Name enthüllt. Dafür wurden Unmengen an Material gesichtet und mit diversen Zeuginnen und Zeugen gesprochen. Der Weg führte unter anderem in die Ukraine, nach Jamaika und New York.

Banksy-Kunstwerk zeigt Mann in Badewanne an einer Hauswand
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Banksy aka Robin Gunningham aka David Jones? Künstler hat wohl seinen Namen geändert

So soll Banksy aktuell unter dem Namen David Jones zu finden sein, eine der häufigsten Männernamen-Kombinationen in Großbritannien, seinem Wohnort. Diesen Namen hat der Künstler offenbar angenommen, um seinen vermutlich echten Namen abzulegen, nachdem dieser im Jahr 2008 von der „Mail on Sunday“ veröffentlicht worden war. Dem damaligen Bericht zufolge heißt er in Wirklichkeit Robin Gunningham.

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Den Namen David Jones hat nun Simon Gardner von Reuters, selbst bekennender Banksy-Fan, recherchiert, wofür er unter anderem in die Ukraine gefahren ist. Dort hatte der Künstler nämlich nach Kriegsbeginn im Jahr 2022 mehrere Graffiti gesprüht. Unter anderem mithilfe von Zeugenaussagen konnten drei Männer identifiziert werden, die im Dorf Horenka ein Graffiti anbrachten, das Banksy zugeschrieben wird: einen Mann in einer Badewanne an einem zerstörten Haus. Einer der Männer ist besagter David Jones, der wohl am selben Tag Geburtstag hat wie Robin Gunningham. Dessen Identität als Banksy wurde zwar nie offiziell bestätigt.

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Reuters kommt im Rahmen der Recherche aber offenbar zu dem Schluss, dass es sich um denselben Mann handeln muss, der zudem besagter Künstler sein soll. Außerdem wird Robin Gunningham in Polizeiakten zu einer Festnahme erwähnt, bei der ein Künstler verhaftet wurde, der im Jahr 2000 ein Werbeplakat in Manhattan umgestaltet hatte. Reuters konnte diese Akten einsehen und kommt, auch aufgrund einiger Fotos aus dem Jahr 2004, zu dem Schluss, dass es sich tatsächlich um den Künstler handeln muss, der jetzt unter dem Namen David Jones auftritt.

Banksy-Kunstwerk auf Stoppschild
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Streit um die Identität des Künstlers hält schon viele Jahre an

Dass Banksy zwischendurch seinen Namen geändert hat, hat auch sein ehemaliger Manager Steve Lazarides bereits bestätigt, diesen aber nie verraten. Unter anderem Banksys Anwalt hat sich bereits zu dem Reuters-Artikel geäußert und unter anderem gesagt, dass der Künstler „viele der Details nicht für zutreffend“ halten würde. Zudem kritisierte er die Recherche, um deren Zurückhaltung wohl vor der Veröffentlichung gebeten worden war.

Eine Enthüllung könne Banksy „obsessivem, bedrohlichem und extremistischem Verhalten“ aussetzen. Die Anonymität ermögliche es dem Künstler, seiner Arbeit nachzugehen, wichtige gesellschaftliche Interessen zu verkörpern und die Meinungsfreiheit zu schützen. Fans auf der ganzen Welt zeigen sich ebenfalls nicht begeistert von der Veröffentlichung. Die Anonymität wird dabei vielfach als Teil der Kunst verstanden.

Reuters wiederum argumentiert, dass ein berechtigtes öffentliches Interesse an der Identität des Künstlers bestehe. Wer den öffentlichen Diskurs so lange präge, müsse auch einer Art der öffentlichen Kontrolle unterliegen, heißt es weiter. Zudem könne andernfalls der Eindruck entstehen, dass Banksy über dem Gesetz stehen. In diesem Zusammenhang beschweren sich bereits seit Jahren einige Künstlerinnen und Künstler, dass ihre Werke als Vandalismus gewertet würden, die von Banksy jedoch nicht.