Zweimal im Jahr werden in Deutschland und auch in zahlreichen anderen Ländern alle Uhren umgestellt. Die grundsätzliche Idee der Zeitumstellung entstammt dabei dem Wunsch, Energie zu sparen, indem Tageslicht besser genutzt wird. Im Oktober wird deshalb auf Winterzeit umgestellt, im März auf Sommerzeit.
Das stellt entsprechend zweimal im Jahr zahlreiche Leute vor Herausforderungen. Diese sind nicht nur organisatorischer Natur – Haustieren, Kleinkindern und auch dem eigenen Biorhythmus kann man das Konzept der Zeitumstellung nur schwer erklären. Es gibt auch messbare körperliche Auswirkungen, die langfristig gesundheitsschädigend sein können. Deshalb gibt es immer wieder Petitionen gegen das Konzept, in denen die Abschaffung gefordert wird.
Von Migräne bis Herzinfarkt: Zeitumstellung hat reale gesundheitliche Folgen
Die sogenannte „Innere Uhr“ ist ein körpereigenes Zeitsystem, auf das zahlreiche biologische Prozesse im Körper abgestimmt sind und das in etwa einem 24-Stunden-Takt folgt. Gerät diese Uhr durcheinander, was durch die Zeitumstellung häufig der Fall ist, kann das zahlreiche gesundheitliche Folgen haben. Zu diesen gehören etwa Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Unregelmäßigkeiten oder auch Konzentrationsstörungen. Eine 2025 veröffentlichte Studie der Schmerzklinik Kiel zeigte zudem, dass am Montag nach der Umstellung auf die Sommerzeit die Zahl der gemeldeten Migräne-Fälle deutlich ansteigt.
Darüber hinaus zeigen Zahlen, dass unmittelbar nach der Zeitumstellung – speziell bei der Sommerzeit, da dann eine Stunde „verloren geht“ – beispielsweise die Zahl der Unfälle im Verkehr und auch bei der Arbeit zunimmt; vermutlich, weil die Menschen unkonzentrierter sind. Es gibt auch mehrere Studien, die ein erhöhtes Herzinfarktrisiko infolge der Umstellung feststellen konnten.

Chronotypen sind entscheidend für den Schlaf
Eine davon stammt bereits aus dem Jahr 2014 und wurde im Fachmagazin „Open Heart“ veröffentlicht. Die Analyse zeigte, dass es nach der Zeitumstellung Richtung Sommer ebenfalls am Montag danach 24 Prozent mehr Herzinfarkte gab. Andere Studien kommen ebenfalls zu einem Anstieg, wenn auch weniger drastisch. Vor allem Personen mit einem ohnehin erhöhten Risiko sind diesbezüglich gefährdet.
Viele Expertinnen und Experten sind sich deshalb einig, dass eine einheitliche ganzjährige Normalzeit gut für den Biorhythmus und damit generell für die Gesundheit wäre. Zwar würden sich dadurch abhängig vom Chronotyp teilweise andere Probleme für einzelne Gruppen ergeben. Diese seien jedoch geringer einzuschätzen als die übergreifenden Risiken durch die Zeitumstellung.
Als Chronotypen bezeichnet man die individuelle Veranlagung der „Inneren Uhr“. So gibt es Menschen, die schon früh am Tag durch ihren Hormonhaushalt ihren Energie-Peak erreichen, sogenannte Lerchen. Dem gegenüber stehen Eulen, bei denen sich die Aktivität eher auf den Abend verlagert. Der Tauben-Typ liegt hingegen zwischen den beiden Polen.
Warum die Zeitumstellung immer noch nicht abgeschafft wurde
Vor allem aufgrund der gesundheitlichen Implikationen wird immer wieder eine flächendeckende Abschaffung der Zeitumstellung gefordert. Das zeigt sich unter anderem in zahlreichen Petitionen. Zudem zeigen Umfragen, dass etwa 80 Prozent nicht begeistert von dem ständigen Drehen an der Uhr sind.
In vielen Ländern gibt es die Zeitumstellung schon längst nicht mehr. Das hat zur Folge, dass sich mit Blick auf diese Länder auch die Zeitverschiebungen zweimal im Jahr neu berechnen. Auch in der EU soll das Konzept eigentlich abgeschafft werden. Eine Abstimmung dazu fand bereits 2019 im Parlament statt, in der sich auf eine Abschaffung geeinigt wurde. Die Umsetzung scheitert offenbar bis heute an der Frage, ob dauerhaft auf Sommer- oder Winterzeit umgestellt werden soll.
Die Wissenschaft hat dazu tatsächlich eine recht klare Meinung. Studien zufolge ist die Winterzeit weniger schädlich für den Biorhythmus der meisten Menschen. Die Ergebnisse stammen zwar überwiegend aus den USA, sind aber in Teilen auch auf Deutschland anwendbar. Und auch die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin hat sich für die Winterzeit ausgesprochen. Eine dauerhafte Umstellung zur Winterzeit würde übrigens vor allem Menschen mit dem Chronotyp „Eule“ entgegenkommen.

