Wie auch das Gesundheitsministerium in Rom inzwischen bestätigt hat, wurde bei einem Mann in der Lombardei, einer Region im Norden Italiens, das Vogelgrippe-Virus nachgewiesen. Der Mann wird zurzeit isoliert in einem Krankenhaus behandelt. Dabei handelt es sich um die Variante A (H9N2). Es ist der erste bei einem Menschen bestätigte Fall in ganz Europa. Dennoch geben Expertinnen und Experten zunächst Entwarnung.
Die Vogelgrippe, die auch Geflügelpest genannt wird, verdankt ihren Namen vor allem dem Umstand, dass sie in erster Linie bei Vögeln auftritt. Auch in Deutschland ist das Virus sicherlich den meisten ein Begriff, da es vereinzelt zu Ausbrüchen in Geflügelbetrieben oder auch bei Wildtieren kommt. In seltenen Fällen kommt es, auch dank strikter Schutzmechanismen, zu einer Übertragung auf den Menschen.

Vogelgrippe-Virus H9N2 bei einem Mann in Italien entdeckt
Die meisten gemeldeten Fälle der vergangenen Jahrzehnte stammen aus Asien und Afrika; dort hat sich Behördenangaben zufolge auch der aktuelle Patient in Italien angesteckt. Seit 1998 wurden allerdings insgesamt nur knapp 200 Infektionen mit Vogelgrippe bei Menschen festgestellt. Es handelt sich also keinesfalls um ein Massenphänomen. Bei Geflügel zeigt sich das Virus durch Teilnahmslosigkeit, Atemnot, verfärbten Durchfall und plötzlichen Tod. Für den Menschen ist das Vogelgrippe-Virus hingegen nicht so gefährlich. Bekannte Symptome sind Fieber, Husten, Atemnot und teilweise eine Bindehautentzündung, wie unter anderem „MSD Manual“ erklärt.
Was Expertinnen und Experten nach wie vor positiv stimmt, ist zum einen die Tatsache, dass es sich bei der in Italien entdeckten Version um das weniger aggressive H9N2 handelt und nicht etwa um die gefährlichere H5N1-Variante. Zum anderen wird das Virus bisher nur von Tier zu Tier und von Tier zu Mensch übertragen. Eine Ansteckung von einem Menschen zum anderen, wie es beispielsweise beim Corona-Virus der Fall ist, ist hingegen bisher nicht beobachtet worden.

Droht nun eine Vogelgrippe-Pandemie?
Mehrere Medien zitieren in diesem Zusammenhang den italienischen Epidemiologen Gianni Rezza: „Es besteht daher keine Alarmlage in Italien.“ Nichtsdestotrotz hat das Gesundheitsministerium die Lage genau im Blick, genau wie das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Auch diese Institution schätzt das Risiko aktuell allerdings gering ein.
Das könnte sich ändern, wenn das Vogelgrippe-Virus dahingehend mutiert, dass es auch von Mensch zu Mensch übertragen wird. Dann wäre auch eine weitere Pandemie möglich, weshalb etwa der bekannte US-Infektiologe Patrick Jackson in „The Washington Post“ die Vogelgrippe Anfang des Jahres als eines von mehreren Viren nannte, die in diesem Zusammenhang zumindest unter Beobachtung stehen. Nach aktuellem Kenntnisstand besteht diesbezüglich aber kein Grund zur Sorge.

