Der Hauterreger „Dermatophilus congolensis“ – im alltäglichen Sprachgebrauch vor allem „Regenfäule“ genannt – tritt hauptsächlich bei Huftieren wie Pferden, Schafen, Ziegen und Rindern auf. Dort verursachen die Bakterien schmerzhafte Verkrustungen und teilweise auch Haarausfall. Ihren Namen verdankt die Krankheit der Tatsache, dass sie stark von Feuchtigkeit und Nässe profitiert.
Wenn beispielsweise Pferde über mehrere Tage nass oder feucht sind, greift die Feuchtigkeit die Haut der Tiere an und verursacht kleine Verletzungen; man spricht auch von Regenekzemen. Über diese wandert dann das Bakterium ein und kann sich in den oberen Hautschichten über den gesamten Körper verteilt vermehren.
In jüngerer Vergangenheit wurden mehrere menschliche Infektionen mit der „Regenfäule“ in Europa gemeldet. Die Infektionen verliefen zwar in der Regel mild und ungefährlich, dennoch hat unter anderem das Robert Koch-Institut (RKI) die Infektionslage genau im Blick.
Menschliche Infektionen mit Dermatophilus congolensis nehmen zu
Wie unter anderem auch das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (European Centre for Disease Prevention and Control, kurz ECDC) vermeldet, gab es bis zum 20. August 2026 insgesamt 123 gemeldete Fälle von „Regenfäule“ in zehn europäischen Ländern, darunter auch Deutschland. Die Häufung dieser Fälle wird vor allem auf die Übertragung von einem Menschen auf einen anderen zurückgeführt. Eine Übertragung von Tier zu Mensch ist eher selten.
Expertinnen und Experten vermuten engen Hautkontakt als möglichen Übertragungsweg. So berichtet das RKI, dass die Betroffenen überwiegend sogenannte sexpositive Saunen besucht hätten. In solchen Einrichtungen kommt es zu engem Hautkontakt. Zudem werden Oberflächen in einer feuchtwarmen Umgebung gemeinsam genutzt, was eine Übertragung ebenfalls begünstigt haben könnte.
Bislang ist nicht klar, wie die Erreger in diese Umgebung gelangen konnten. Vermutlich kamen einzelne Personen über infizierte Tiere in Kontakt mit den Bakterien und brachten diese dann unbewusst in die Einrichtungen mit.

Diese Symptome verursacht „Regenfäule“ bei Menschen
In Deutschland haben sich (Stand: 17. Juni 2026) insgesamt 17 Personen mit Dermatophilus congolensis angesteckt. Ende Mai berichtete das RKI noch von 16 gemeldeten Fällen im Zeitraum zwischen Dezember 2025 und April 2026. Grundsätzlich treten dabei folgende Symptome auf:
- pockenartige Hautveränderungen
- moderater bis starker Juckreiz
- krustige oder mitunter auch schuppige Hautstellen
- Auftreten in verschiedenen Hautbereichen (bspw. Leiste, Oberschenkel, Gesicht, Arme und Rücken)
Problematisch ist in diesem Zusammenhang, dass die Symptome von „Regenfäule“ beim Menschen denen zahlreicher anderer Hauterkrankungen ähneln. Deshalb wird eine Infektion potenziell nicht erkannt und für eine Diagnose ist oft eine mikrobiologische Untersuchung erforderlich.
Mit Blick auf die bisher gemeldeten Fälle waren vor allem Männer betroffen, die im Schnitt 45 Jahre alt waren. Alle gemeldeten Fälle bezogen sich zudem auf den Großraum Berlin; 14 Betroffene waren direkt in der Hauptstadt gemeldet, zwei in Brandenburg.
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Einschätzung des aktuellen Risikos
Das generelle Risiko, sich mit „Regenfäule“ zu infizieren, wird vom ECDC und auch vom RKI als gering eingeschätzt. Auch bei Personen, die sexpositive Saunen besuchen, ist das Risiko nur mit mäßig angegeben. Grundsätzlich ist aber bei allen Personen, die engen körperlichen Kontakt mit anderen Menschen haben, ein gewisses Risiko vorhanden, sich mit dieser oder einer ähnlich übertragbaren Krankheit anzustecken.
Dazu gehören beispielsweise auch Personen, die einem Kontaktsport nachgehen. Auch gemeinsam genutzte Gegenstände, vor allem im Fall einer Hautverletzung, bergen bei einer Infektion offenbar ein gewisses Übertragungsrisiko. Wer sich absichern möchte, sollte also Vorsicht walten lassen und hygienische Standards einhalten.
Grundsätzlich sollte man ungewöhnliche Hautveränderungen auch unabhängig von „Regenfäule“ wie beispielsweise juckende oder verkrustete Stellen medizinisch abklären lassen und bis zur Identifizierung den Hautkontakt mit anderen Personen vermeiden. Bei Verdacht auf Dermatophilus congolensis wird dann eine Probe genommen und im Labor untersucht. Wird dann tatsächlich eine Infektion festgestellt, kann diese in der Regel gut mit Antibiotika behandelt werden.

