Dicht an dicht liegen Leute gemütlich schlafend auf ihren Sitzsäcken unter der lauen Frühlingssonne – diese Bilder aus Südkorea gehen gerade um die Welt. Dahinter steckt der „Power Nap Contest“. Unter einem sogenannten Powernap versteht man einen kurzen und erholsamen Schlaf, der überwiegend tagsüber abgehalten wird. Aber Schlafen als Contest? Das wirkt dann doch wie ein ziemlich schräger Wettbewerb. Tatsächlich geht es im Hintergrund um mehr als „nur“ ein kurzes Nickerchen.
Schlafen um die Wette mitten in einer Metropole
Die Regeln des Wettbewerbs sind einfach: Besonders tief und erholsam schlafen. Um die Siegerin oder den Sieger zu ermitteln, wurde den Teilnehmenden vor und während des laufenden „Power Nap Contest“ der Puls gemessen. „Ich bin hier, um meine Nickerchenkünste unter Beweis zu stellen und zu demonstrieren, wie ein König schläft“, erklärte etwa ein teilnehmender Student gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Es ist bereits das dritte Mal, dass der „Power Nap Contest“ in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul abgehalten wird. Die Veranstaltung findet im im Yeouido-Hangang-Park statt. Dieser befindet sich im Herzen der Stadt direkt am Han-Fluss und ausgerechnet mitten im Finanz- und Politikzentrum.
Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch wirkt, ist tatsächlich ziemlich passend. Denn der Wettbewerb steht sinnbildlich für ein großes Problem Südkoreas: Schlafmangel. Kaum ein anderes Land auf der Welt leidet so sehr unter hoher Arbeitsbelastung bei fehlendem Schlaf, wie etwa OECD-Daten belegen.

„Power Nap Contest“ soll auf Schlafmangel-Problem aufmerksam machen
Schlafmangel beeinträchtigt die körperliche und kognitive Leistung massiv und wirkt sich irgendwann zunehmend negativ auf die Gesundheit und auch auf die Psyche aus. Die Folgen sind nicht „nur“ Erschöpfung und Konzentrationsschwierigkeiten. Langfristig erhöht sich durch zu wenig Schlaf auch das Risiko für Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck und einen Herzinfarkt. Zudem wird das Immunsystem empfindlich geschwächt.
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„Zwischen Prüfungsvorbereitung und Nebenjobs komme ich mit drei oder vier Stunden Schlaf pro Nacht aus und ergänze das tagsüber mit kurzen Nickerchen am Schreibtisch“, fasst der bereits zitierte Student des „Power Nap Contest“ zusammen. Insgesamt haben Medienberichten zufolge etwa 170 Personen teilgenommen.
Gewonnen hat am Ende im Übrigen ein Mann in seinen Achtzigern, während der 37-jährige Hwang Du-seong Platz 2 belegte. Dieser zeigte sich glücklich mit seinem zweiten Platz, den er auch seiner Erschöpfung zuschreibt: „Ich war völlig erschöpft, da ich neben meiner täglichen Arbeit oft Nachtschichten geschoben und außerdem beruflich viel Auto gefahren bin.“

