Wie entsteht eigentlich Gänsehaut?

Ob bei eisiger Kälte oder einem emotionalen Moment: Wenn die Härchen auf der Haut stehen, ist das ein faszinierendes Zusammenspiel von Muskeln und Nerven. Doch was steckt biologisch wirklich hinter dem Phänomen Gänsehaut?
Wie entsteht eigentlich Gänsehaut?
iStock / Domenico Fornas

Kälte, Freude und Angst haben eine Gemeinsamkeit: Sie verursachen Gänsehaut. Jeder kennt das Gefühl, wenn ein leichtes Prickeln und Schaudern über die Hautoberfläche geht, bevor sich die feinen Härchen aufstellen. Dabei handelt es sich um eine natürliche körperliche Reaktion, die ihren Namen der Ähnlichkeit zur Haut einer gerupften Gans verdankt. Aber wie entsteht die Reaktion überhaupt und was genau passiert dabei im menschlichen Körper?

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Spezielle Muskeln verursachen (fast) am ganzen Körper Gänsehaut

Der medizinische Begriff für Gänsehaut lautet Piloerektion, korrekterweise spricht man im Lateinischen auch von einer „cutis anserina“. Verantwortlich für das Aufstellen der Härchen ist der Musculus arrector pili, der Haarbalgmuskel. Der winzige glatte Muskel sitzt direkt in der Haut beziehungsweise am äußeren Rand der Haare und reagiert dort auf verschiedene Reize der Umwelt.

Er sorgt dafür, dass sich die Haarfollikel erheben und dadurch neben den aufgestellten Haaren selbst die unebene Haut entsteht, die man als Gänsehaut bezeichnet. Entsprechend reagiert die Haut auch bei abrasierten Haaren. Die Reaktion tritt am kompletten Körper auf. Besonders auffällig ist sie allerdings an den Extremitäten.

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Eine besondere Ausnahme stellt diesbezüglich das Gesicht dar. Das liegt daran, dass dieses aus ganz praktischen Gründen weniger kälteempfindlich ist, wodurch sich die Behaarung und auch die entsprechenden Muskeln, die Gänsehaut hervorrufen können, zurückgebildet haben. Die gleiche Begründung ist auch auf die Hände anwendbar.

iStock / Hailshadow

Ursachen für eine Gänsehaut im Überblick

Verschiedene Faktoren können die körperliche Reaktion hervorrufen. So lösen vor allem starke Emotionen eine Gänsehaut aus, aber auch nervliche Reize und Kälte – daher kommt die evolutionäre Erklärung für Gänsehaut. Die Ursachen in der Übersicht:

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  • Kälte (davon abgeleitet auch Fieber und Schüttelfrost)
  • Angst und Bedrohung
  • intensive Freude
  • unangenehme Geräusche oder Gerüche

Darüber hinaus können auch medizinische oder chemische Reaktionen eine Gänsehaut verursachen. So ist das Aufstellen der Haare unter anderem typisch beim Entzug von Opiaten. Daher stammt auch der englische Begriff für einen Entzug: „cold turkey“. Auch ein starker Überschuss an stimulierenden Substanzen wie Kaffee kann das sympathische Nervensystem so stark anregen, dass sich die Haarmuskeln zusammenziehen.

Warum die Reaktion des Körpers wichtig ist

Bei einer Gänsehaut handelt es sich um ein evolutionäres Überbleibsel, wie Dr. Julian Bergmann, Experte für neuromuskuläre Anpassungsfähigkeit, bei der Akademie für Sport und Gesundheit erklärt. Am besten ist das am Beispiel von Kälte zu erklären. Das Aufrichten der Haare sorgte bei den noch deutlich stärker behaarten menschlichen Vorfahren für ein wärmendes Luftpolster unter der Haut. Auf diese Weise wurde der Körper vor dem Auskühlen geschützt.

Heute hat die Gänsehaut diese Funktion nahezu komplett verloren, da die Körperbehaarung der meisten Menschen dafür bei Weitem nicht mehr ausreicht. Auf den Reiz reagiert der Körper allerdings immer noch entsprechend. Dass die Muskeln auch auf große Freude oder andere Reize wie beispielsweise besonders schöne Musik reagieren, liegt daran, dass dabei das zentrale Nervensystem auf die Emotionsverarbeitung reagiert.

Bei negativen Emotionen wie stark ausgeprägtem Ekel handelt es sich hingegen um eine Abwehrreaktion. Der Körper soll durch die Gänsehaut instinktiv vor Krankheitserregern oder Schadstoffen geschützt werden. Und es gibt noch einen in der Evolution begründeten Schutzmechanismus für Gänsehaut. Denn durch das Aufstellen der Haare wirkten die menschlichen Vorfahren ein wenig imposanter und gefährlicher. Ähnliches Verhalten ist in der Tierwelt zu beobachten, wenn beispielsweise Katzen ihren Schwanz aufplustern.