Unbewusste kleine Gesten und Verhaltensweisen können viel über das Innere einer Person und auch über ihren Charakter verraten. Wer beispielsweise genau darauf achtet, wie jemand geht und ob er oder sie dabei auf den Boden schaut, kann daraus einige Rückschlüsse ziehen. Und auch, wenn man das Verhalten bei sich selbst bemerkt, lässt das interessante Erkenntnisse zu.
So ist das Gehen mit gesenktem Kopf in erster Linie ein Zeichen für Unsicherheit, wie Joern Kettler, Wirtschaftspsychologe und Experte für Körpersprache, bei „Focus“ erklärt. Wer Blickkontakt hält, signalisiert Selbstbewusstsein. Wer ihn meidet, wirkt unsicher und defensiv. Es kann aber noch zahlreiche andere Gründe dafür geben, dass jemand – bewusst oder unbewusst – vor allem auf den Boden schaut.

Psychologische Gründe für das auf den Boden schauen
So handelt es sich bei dem gesenkten Blick gleich in mehrfacher Hinsicht um einen Schutzmechanismus.Wer so Blickkontakt vermeidet, vermeidet auch unerwünschte soziale Interaktion. Dazu gibt es unter anderem auf Reddit zahlreiche Einträge, in denen Leute beschreiben, dass sie bewusst beim Gehen nach unten schauen würden, weil ihnen Augenkontakt mit Fremden unangenehm sei. Einige beschreiben dabei einen regelrechten Automatismus: Wenn ihnen eine unbekannte Person entgegenkommt, schauen sie automatisch auf den Boden, anstatt einfach weiter geradeaus zu schauen.
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Zudem kann das Verhalten Kettler zufolge auch auf einen Wunsch nach kognitiver Abschirmung zurückzuführen sein. Der Blick auf den Boden hilft dabei, die Umgebung auszublenden und sich auf sich selbst, den zurückgelegten Weg oder ein anderes Detail zu konzentrieren. Man sollte zudem bedenken, dass es auch Kulturkreise gibt, in denen der Blick nach unten als Höflichkeit gilt, was einige völlig internalisiert haben.

Autismus und Handy-Nacken: Körperliche und neurologische Ursachen
In einigen Fällen kann dahinter aber auch noch mehr stecken. Wie etwa „The Autism Service“ erklärt, kann das Vermeiden von Augenkontakt auch eine Ausprägung von Autismus sein. Denn für Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) sei es mitunter äußerst unangenehm, Augenkontakt herzustellen und diesen auch zu halten. Daraus kann sich der Reflex ableiten, als Vorsichtsmaßnahme vorrangig nach unten zu schauen.
Joern Kettler erinnert aber auch daran, dass das Verhalten völlig andere Gründe haben kann. Menschen lassen den Kopf im wahrsten Sinne des Wortes hängen, wenn sie einen anstrengenden Tag hatten oder unter Nackenproblemen leiden. Angesichts des immer weiter verbreiteten Phänomens des „Handy-Nackens“ drängt sich auch diesbezüglich ein Zusammenhang auf. Menschen schauen immer mehr auf ihre Smartphones und überdehnen dabei häufig den Nacken. Das führt nicht nur zu Nackenproblemen, sondern auch zu einer generellen Tendenz, den Blick eher nach unten zu richten.

