Die sogenannte Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung des Gehirns und die häufigste Demenz-Ursache. Dabei ist nicht „nur“ das Gedächtnis betroffen, sondern mit der Zeit die ganze Persönlichkeit, das Denken und Verhalten. Wie unter anderem die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. warnt, steigen die Zahlen weiter an. Angesichts einer alternden Gesellschaft ist das ein massives Problem, wobei grundsätzlich auch jüngere Personen betroffen sein können.
Je nachdem, wie sich die Altersstruktur der deutschen Bevölkerung insgesamt entwickelt, wird sich die Zahl der Menschen über 65 Jahren mit Demenz Schätzungen zufolge bis zum Jahr 2050 auf 2,3 bis 2,7 Millionen erhöhen. Die meisten dieser Fälle wären dann – und sind es auch jetzt schon – auf Alzheimer zurückzuführen.
Forscherinnen und Forscher hoffen unter anderem mit Impfstoffen gegen die neurodegenerative Erkrankung vorgehen zu können. Eine neue Pilotstudie hat sich dabei auf den Tuberkulose-Impfstoff BCG (Bacillus Calmette-Guérin) konzentriert und untersuchte, ob dieser frühe biologische Prozesse beeinflussen kann, die mit Alzheimer in Verbindung gebracht werden. Die Ergebnisse lassen aufhorchen.
Studie untersuchte biologische Auswirkungen des BCG-Impfstoffs
Teil der Studie waren 23 erwachsene Personen, die mindestens 55 Jahre alt waren. Zwölf dieser Probandinnen und Probanden galten als gesund, elf wiederum wiesen bereits einige biologische Veränderungen auf, die in der Wissenschaft als typische Alzheimer-Biomarker festgelegt sind, wie beispielsweise Plaques im Gehirn.
Das Forschungsteam begleitete diese Personen über einen Zeitraum von einem Jahr, in dem alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer jeweils im Abstand von einem Monat zwei BCG-Impfungen erhielten. Im Laufe des Jahres wurden zudem zahlreiche Tests mit den Probandinnen und Probanden durchgeführt, zu denen unter anderem Blut- und Liquorproben gehörten.

Kann die Impfung Alzheimer vorbeugen?
Bei BCG handelt es sich um einen Lebendimpfstoff, der das Immunsystem stimuliert und deshalb bereits vorbeugend gegen Tuberkulose, aber auch gegen Blasenkrebs als Immuntherapie zum Einsatz kommt. Und auch in der Alzheimer-Forschung gewinnt der Impfstoff zunehmend an Bedeutung, wie die nun bei „Communications Medicine“ veröffentlichte Studie zeigt.
Den Ergebnissen zufolge sank die Konzentration des für Alzheimer typischen Eiweißfragments Beta-Amyloid deutlich. Zudem konnten Hinweise auf eine gezielte Aktivierung bestimmter Immunzellen gefunden werden. Beide Effekte wurden allerdings nur bei den gesunden Teilnehmerinnen und Teilnehmern festgestellt, nicht bei denen, die bereits entsprechende Biomarker aufwiesen.
Einordnung der Studienergebnisse
Das Forschungsteam erhofft sich ableitend davon, dass man mit einer Impfung tatsächlich langfristig Alzheimer vorbeugen könnte, indem man die Immunabwehr im Gehirn verstärkt, damit schädliche Eiweiß-Ablagerungen verhindert oder zumindest verlangsamt werden. Allerdings ist noch unklar, ob das auch einen tatsächlichen Effekt auf das Alzheimer-Risiko hätte.
Entsprechend ordnen auch die Studienautorinnen und -autoren ihre Ergebnisse ein. Die Studie hat vor allem die biologischen Mechanismen untersucht und nicht den konkreten Schutz vor Alzheimer. Basierend auf den Ergebnissen kann man nun aber weitere Untersuchungen durchführen, die am Ende möglicherweise tatsächlich eine effektive Impfung gegen die neurodegenerative Erkrankung liefern.

