Von Polizei, Feuerwehr und Co.: Warum Sirenen in der Stadt anders klingen als auf dem Land

Wer genau hinhört, bemerkt einen Unterschied zwischen Sirenen in der Stadt und auf dem Land. Doch worin besteht dieser genau und warum gibt es überhaupt Unterschiede? Der Grund dahinter ist simpel, aber wichtig.
Von Polizei, Feuerwehr und Co.: Warum Sirenen in der Stadt anders klingen als auf dem Land
iStock / Reinhard Krull

Wer Blaulicht sieht und das sogenannte Martinshorn hört, weiß sofort, dass Rettungskräfte im Einsatz sind. In Deutschland sowie in den meisten anderen Ländern dürfen ausschließlich behördlich genehmigte Einsatzfahrzeuge von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten mit Sirenen fahren. Entsprechend sind auch der Aufbau und Einsatz hierzulande präzise genormt.

Das hat unter anderem zur Folge, dass Sirenen auf dem Land anders klingen als in der Stadt und sich zudem auch die einzelnen Töne je nach Einsatzfahrzeug unterscheiden. Doch woran liegt das im Detail?

Warum das Martinshorn immer eine Quarte spielt

Martinshörner erzeugen grundsätzlich nur zwei verschiedene Töne, und zwar eine reine Quarte; in der Regel handelt es sich dabei um die Töne a' und d". Eine Quarte ist ein musikalisches Intervall (Tonabstand), der genau fünf Halbtonschritte umfasst. Dieses Intervall klingt nicht nur besonders markant.

Anzeige

Er ist auch auf allen Blechblasinstrumenten mit und ohne Ventile gut spielbar, wie der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) erklärt. Diese erfüllten wiederum in der Feuerwehrmusik lange eine wichtige Funktion.

Rettungswagen fährt mit Blaulicht und Sirene
iStock / filmfoto

Klänge werden auf unterschiedliche Weise erzeugt

Moderne Martinshörner funktionieren natürlich schon lange nicht mehr mit echten Instrumenten. Stattdessen werden die Töne in der Regel entweder per Druckluft oder elektronisch erzeugt. Während man bei der Polizei überwiegend auf die elektronische Variante setzt, bei Rettungswagen findet man etwas häufiger Druckluft.

Anzeige

Wer genau hinhört, kann also eventuell Rückschlüsse darauf ziehen, welches Einsatzfahrzeug sich nähert, bevor man es sieht. Absolut verlässlich ist das allerdings nicht, da das nicht im Bereich der „Akustischen Warneinrichtungen für bevorrechtigte Wegebenutzer“ (Norm DIN 14610) explizit geregelt ist. Die Tonhöhe für Sirenen hingegen schon.

Passend zum Thema: Warntag: Was im Fall einer echten Warnung zu tun ist – und warum viele schlecht vorbereitet sind

Sirenenfrequenzen werden dem Einsatzgebiet angepasst

Die Norm legt nämlich fest, dass die Frequenz eines Martinshorns zwischen 360 und 630 Hertz liegen muss. Auch der Tonabstand der reinen Quarte ist dort geregelt. Die Frequenzen unterscheiden sich allerdings, je nachdem, ob die Sirene in der Stadt oder auf dem Land zu hören sein soll. Elektronische Martinshörner können je nach Einsatzbereich aktiv wechseln.

Für den Einsatz auf dem Land ist der Frequenzbereich zwischen 362 und 482 Hertz vorgesehen, in der Stadt sind es hingegen zwischen 410 und 547 Hertz. Das hat zur Folge, dass die Sirenen in der Stadt höher klingen als weiter draußen. Der Grund ist einfach: Tiefe Töne tragen weiter und sind dementsprechend auch über längere Distanzen für das menschliche Gehör gut wahrnehmbar – eine Eigenschaft, die in ländlichen Regionen wichtig sein kann.

Höhere Frequenzbereiche und dementsprechend auch höhere Töne strahlen dafür stärker in verschiedene Richtungen ab. Das macht die Sirenen auch in dicht besiedelten Gebieten gut hörbar. Wechselt ein Fahrzeug zwischen den beiden Modi hin und her, dann ist das tatsächlich gut wahrnehmbar.