Erika Mustermann, geborene Gabler, ist 160 cm groß, hat grüne Augen, wohnt in Köln, ist am 12. August 1983 geboren und eine der bekanntesten Frauen Deutschlands. Und das, obwohl sie in dieser Form gar nicht wirklich existiert. Denn seit 2010 ist die leise lächelnde Frau mit den langen blonden Haaren, die ihr als Pony ins Gesicht fallen, auf dem deutschen Muster-Personalausweis abgebildet. Seit der „Perso“ in seiner jetzigen Form ausgegeben wird, grüßen dieses Bild und diese Angaben also von allen Vorlagen und aus Informationsmaterial.
Und auch zuvor war Erika Mustermann bereits auf dem Personalausweis zu sehen, damals aber mit anderen Daten und einem anderen Foto. Das ist bereits seit 1982 so und allein der Name „Erika Mustermann“ ist bereits seit 1973 in Gebrauch. Und während die Daten auf den Ausweisen fiktiv sind, so sind es die abgebildeten Frauen keineswegs.
Das Geheimnis um die Frauen auf dem deutschen Personalausweis
Bei den bisherigen Erika Mustermanns soll es sich stets um Mitarbeiterinnen der Bundesdruckerei handeln. Die Behörde ist auch für den Druck der Personalausweise zuständig. Offiziell bestätigt ist das zwar nicht, es gilt aber als offenes Geheimnis.
Das liegt vor allem daran, dass die wahre Identität der Frauen geheim bleiben soll, die im Übrigen die deutsche Durchschnittsfrau repräsentieren sollen. Was passiert, wenn die Identität der Frauen an die Öffentlichkeit gerät, zeigt der Fall von „Erika 1“, deren Name Ende der 80er-Jahre von der Zeitschrift „Bunte“ veröffentlicht wurde.
Daraufhin brach ein regelrechter Hype um die Frau aus. Die Mitarbeiterin der Druckerei, die eigentlich anonym bleiben wollte, bekam jede Menge Fanpost und sogar Heiratsanträge. Das passiert im Übrigen auch heute noch, allerdings gehen diese aufgrund der Geheimhaltung direkt an die Bundesdruckerei, die sie nicht weiterleitet.
Alle „Erika Mustermann“-Frauen im Überblick
Im Laufe der Jahre gab es inzwischen vier verschiedene Frauen, die als Erika Mustermann auf den deutschen Ausweisen abgebildet waren. Dabei änderten sich auch die Daten. So war „Erika 1“ noch 175 cm groß und die Frau ist im Laufe der Jahre mehrfach umgezogen und ging zudem mehreren Berufen nach, unter anderem als Soldatin im Rang eines Oberleutnants oder auch als Triebfahrzeugführerin.
- 1983: schulterlange hellblonde Haare, Schwarz-Weiß-Bild
- 1997: etwas dunklere Haare, Brille und erstmals in Farbe
- 2001: jüngere Frau mit Kurzhaarschnitt
- 2010: aktuelles Model
1983 – 1997

1997 – 2001

2001 – 2010

2010 – heute

Die Familie Mustermann ist inzwischen recht umfangreich
Darüber hinaus ist die Familie Mustermann übrigens noch wesentlich größer. So gibt es nicht nur Max Mustermann als männliches Pendant zu Erika Mustermann. Auf dem europäischen Führerschein war zwischenzeitlich eine Desiré Jeanette Mustermann abgebildet, Maria Mustermann grüßte von einem Entwurf für die neue Gesundheitskarte und Dr. Renate Musterfrau war das neue Gesicht auf dem elektronischen Arztausweis. Auch im Nachbarland Österreich ist seit Jahren der Nachname Musterfrau für den entsprechenden Gebrauch etabliert.
Rund um die in diesem Fall fiktive Familie Mustermann hat sich inzwischen eine ganz eigene Geschichte gesponnen. So geht man gemeinhin davon aus, dass Max und Erika verheiratet sind beziehungsweise waren. Zeitweise fand sich in einem Musterausweis von Erika Mustermann nämlich auch ein Ordensname: Schwester Agnes. In der Mustermann-Lore wird deshalb angenommen, dass sich Erika und Max irgendwann scheiden ließen und sie daraufhin ins Kloster eintrat.
Den Nachnamen Mustermann gibt es darüber hinaus tatsächlich und es gibt sogar einen echten Max Mustermann, auch wenn dieser mit seinem fiktiven Namensvetter auf deutschen Muster-Ausweisen nichts zu tun hat.

