Ein Wisch nach rechts bedeutet, dass man interessiert ist, ein Wisch nach links lässt ein Profil verschwinden. Dieses Konzept wurde von der Dating-App Tinder groß gemacht und von vielen anderen Anbietern wie etwa Bumble übernommen. Seitdem findet es aber nicht nur im Online-Dating breite Anwendung. Auch Apps in diversen anderen Bereichen setzen inzwischen auf den simplen Vorgang.
Ausgerechnet in der Welt des Online-Datings gibt es jetzt allerdings auch eine starke Gegenbewegung. Diese kommt von Tinder-Konkurrent Bumble. Statt des gewohnten Swipens will man dort künftig auf Künstliche Intelligenz setzen – und stößt damit auch auf Skepsis und Kritik.
KI-Assistenz Bee soll Swipen ersetzen
Bumble plant bereits seit Monaten eine strategische Neuausrichtung. Wie nun unter anderem „Axios“ berichtet, ist das Abschaffen des Swipens ein wesentlicher Teil davon. Statt des üblichen Wischens nach rechts und nach links soll die KI-Assistenz Bee zum Einsatz kommen.
Bee ist laut Bumble eine persönliche Dating-Assistenz. Diese analysiert Nutzerinnen und Nutzer auf wesentliche Parameter wie Interessen und Beziehungsvorstellungen. Basierend auf den so gewonnenen Daten werden dann passende Matches vorgeschlagen.
In Teilen der USA ist die Funktion bereits verfügbar. User haben allerdings noch die Wahl, ob sie sich für die neue oder die alte App-Version entscheiden. Bis Ende des Jahres soll Bee allerdings in ausgewählten Testmärkten ausgerollt werden.

Immer mehr KI in Dating-Apps
Bei der Präsentation ist von einem revolutionären neuen Feature die Rede, gänzlich neu ist die Idee allerdings nicht. Erst im März 2026 hat Tinder eine ähnliche Änderung angekündigt. Dort heißt die Funktion „Chemistry“ und es werden mittels gezielter Fragen ebenfalls Profile erstellt, die dann auf Basis von KI miteinander abgeglichen werden.
Der Ansatz bei Bumble und Tinder ist also im Detail verschieden, in der Basis allerdings ähnlich. Für Nutzerinnen und Nutzer der Apps soll dadurch „lästiges“ Swipen überflüssig und die Enttäuschung über schlechte Dates vermindert werden, indem von vornherein nur noch Personen vorgeschlagen werden, mit denen es viele Überschneidungspunkte gibt. Und genau darauf richtet sich die Kritik.
Viele äußern etwa Sorge darüber, dass künftig die Künstliche Intelligenz einen Partner oder eine Partnerin aussuche. „Wie wäre es, wenn du mir einfach alle Mitglieder meiner Community zeigst und mich dann selbst entscheiden lässt?“, kommentiert jemand auf Instagram.
Bumble kämpft mit massivem Wertverlust
Andere finden es kritisch, dass man auf diese Art und Weise immer mehr in seiner eigenen Bubble bleibt und weniger in Kontakt mit Menschen aus anderen Bereichen kommt. „Nein, wir brauchen nicht noch mehr KI, um das Problem mit der Partnersuche zu lösen“, kommentiert jemand. Und eine andere Person schreibt amüsiert: „Meine letzte Hoffnung auf wahre Liebe ist dann wohl KI.“
Auf der anderen Seite könnte der KI-Algorithmus tatsächlich passende Matches filtern und Zeit sparen. Bumble betont zudem in einem Kommentar, dass Künstliche Intelligenz nur im Hintergrund arbeite und dabei unterstützen solle, menschliche Verbindungen in den Mittelpunkt zu rücken. So soll die KI etwa dabei helfen, bessere Fotos von sich auszuwählen, um sich vorteilhafter darzustellen, ohne jedoch selbst Bilder oder Texte zu generieren.
Die Maßnahmen sind Teil einer größeren Strategie, um den Umsatzrückgängen und dem Wertverlust an der Börse entgegenzuwirken. Deshalb hatte das Unternehmen zuletzt mehr in KI investiert und arbeitet vor allem daran, eine qualitativ hochwertige Mitgliederbasis zu stabilisieren.

