In jeder größeren Stadt und auch darüber hinaus gibt es öffentliche Toiletten, die zur Verfügung stehen, wenn die Not wirklich groß ist. Man findet sie an öffentlichen Plätzen wie Bahnhöfen, an der Autobahn oder der Nähe von touristischen Einrichtungen. Manche sind kostenlos, in der Regel fällt für die Benutzung aber ein kleinerer Betrag an. Das Konzept, für eine öffentliche Toilette zu bezahlen, ist also nicht neu. Ein Unternehmen in China hat sich allerdings ein erweitertes Geschäftsmodell ausgedacht, das im Netz für einiges Aufsehen gesorgt hat.
So zeigte ein Video von „China Insider“ ein neues Bezahlkonzept für Toilettenpapier. An der automatischen Ausgabe ist ein QR-Code angebracht. Wenn man diesen scannt, erscheint eine Werbeeinblendung – erst dann gibt der Automat einige Blätter des „kostenlosen“ Papiers frei. Wer keine Werbung sehen möchte oder mehr Papier benötigt, muss 0,5 Renminbi Yuan (RMB) bezahlen; der Betrag entspricht umgerechnet etwa 6 Cent. Das Konzept wird heftig diskutiert.

Toilettenpapier gegen Werbung: Was das Konzept bringen soll
Dem „China Insider“ zufolge gehe es dabei nicht nur um die Werbung. Stattdessen soll das System „Abfall reduzieren – früher haben manche Leute kostenloses Papier missbraucht. Jetzt heißt es: ‘Entweder eine Werbung ansehen oder eine Münze bezahlen.‘“. Unter diesen Gesichtspunkten gibt es durchaus Nutzerinnen und Nutzer, die das Konzept befürworten. So schreibt etwa jemand auf Reddit: „Toilettenpapier ist eben nicht einfach umsonst“. Viele finden zudem, dass das Vorgehen angemessen sei, da man ja eine Wahl habe, ob man die Werbung anschauen oder eben davon bezahlen wolle. Und ein Nutzer schreibt: „Man kann ja auch einfach sein eigenes Toilettenpapier mitbringen, wenn es einen stört.“
Andere sehen das Vorgehen hingegen deutlich kritischer. „Das ist das erste wirklich dystopische Ding, das ich bisher gesehen habe“, wird etwa kommentiert. Oft taucht zudem der Name „Black Mirror“ auf. In der Serie geht es um die dunklen Seiten von zukunftsweisender Technologie. Auch der Vergleich zu George Orwells „1984“ wird mehrfach gezogen. Einige betrachten die Werbung mit Verweis auf fehlendes Kleingeld als erzwungen und als Möglichkeit, weiter Daten abzugreifen. Zudem wird auf die Probleme solcher Automaten verwiesen, wenn man etwa kein Kleingeld dabei hat und der Akku des Smartphones leer sit.
Offenbar ist die chinesische E-Commerce-Firma Meituan in das Projekt involviert. Der QR-Code am Automaten leitet dann auf die Website beziehungsweise die App des Unternehmens weiter, auf der dann auch die Werbung angezeigt wird. Medienberichten zufolge soll das Vorgehen tatsächlich Wirkung beim Einsparen von Papier in öffentlichen Toiletten gezeigt haben.
