Pokémon Go für Strommasten: Wie Japan per App seine Infrastruktur rettet

Japans Infrastruktur altert, das Personal fehlt. Einen ungewöhnlichen Lösungsansatz liefert das Spiel „PicTrée“.
Pokémon Go für Strommasten: Wie Japan per App seine Infrastruktur rettet
Shutterstock / slyellow

Wie viele andere westliche Länder kämpft auch Japan mit einer alternden Infrastruktur. Das liegt, ähnlich wie in Deutschland, daran, dass die Grundlage für vieles bereits vor Jahrzehnten gelegt wurde, weil die Nationen schon damals das entsprechende Geld dafür hatten. Der Alterungsprozess macht allerdings auch vor Strom- und Kommunikationsmasten nicht halt.

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Die Wartung ist aufwändig und theoretisch müssten Hunderttausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das ganze Jahr nur damit zubringen, die Masten zu kontrollieren – angesichts einer deutlich alternden und schrumpfenden Bevölkerung wird das immer schwieriger. Deshalb wurde daraus nun ein gemeinschaftliches Projekt, bei dem die Bevölkerung spielerisch mit einbezogen wird.

Dafür wurde die App „PicTrée“ entwickelt. Diese liefert einen gamifizierten Ansatz und soll Spaß und Bewegung mit einem Nutzen für die Allgemeinheit verbinden.

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So funktioniert das japanische Spiel „PicTrée“

„PicTrée“soll in erster Linie dabei helfen, Schäden und Alterungserscheinungen frühzeitig zu erkennen, damit es nicht zu Störungen im Netz oder bei der Stromversorgung kommt. Das Konzept ist einfach: Nutzerinnen und Nutzer fotografieren Masten in ihrer Umgebung, die in der App markiert sind. Diese Bilder werden später sowohl von einer Software als auch manuell ausgewertet.

Und auch die Spielerinnen und Spieler haben etwas davon. Sie werden im Rahmen eines Systems mit Punkten belohnt, die man anschließend beispielsweise in Gutscheine umtauschen kann. Andere nutzen die App „PicTrée“ als Bewegungsanstoß, da es dazu animiert, bestimmte Routen abzulaufen und sich generell mehr zu bewegen, wie der Entwickler des Spiels, Yuya Takahashi, beim SRF erklärt.

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Bevölkerung wird spielerisch in den Erhalt der Infrastruktur eingebunden

Entwickelt wurde das Spiel gemeinsam mit der Firma Growth Wing Grid; an dieser sind mehrere japanische Energieunternehmen beteiligt, die natürlich ebenfalls davon profitieren, wenn Schäden frühzeitig gemeldet werden. Zudem verringert sich der Arbeitsaufwand für die zuständigen Teams enorm. Dabei sollen keine Fachleute ersetzt werden; diese kontrollieren immer noch selbst vor Ort. Die App liefert aber wichtige Hinweise und hilft bei der Priorisierung und einer besseren Vorabeinschätzung.

„Als wir darüber nachdachten, wie wir diese Infrastruktur bei einer schrumpfenden Bevölkerung langfristig warten können, kamen wir auf die Idee, die Kraft von Spielen zu nutzen“, erklärt Kito Kazuki von Growth Wing Grid. „Die Fotos beschleunigen die Inspektionszyklen, sodass wir den Zustand der Anlagen schneller erfassen können, erklärt Atsushi Obotaka, Leiter der Betriebsoptimierung beim zuständigen japanischen Unternehmen NTT ME.

Ein weiterer Aspekt ist, dass die Bürgerinnen und Bürger Japans auf diese Weise ein besseres Gefühl für die Infrastruktur des Landes bekommen. Auf diese Weise wachse auch das Verständnis und Interesse am Erhalt dieser Strukturen, so Obotaka.

Gamification kommt auch in Europa in der Stadtplanung vor

Vergleichbare Projekte gibt es auch in anderen Ländern. Etwa mit der finnischen Crowdsourcing- und Gamification-Plattform und App „Crowdsorsa“ werden Bürgerinnen und Bürger, aber auch Gemeinden und Organisationen spielerisch belohnt, die Mikroaufgaben für Umwelt und Infrastruktur übernehmen. Auch dabei werden in erster Linie Fotos und Videos gemacht, beispielsweise von invasiven Pflanzenfunden oder Schäden an Radwegen.

Speziell in Deutschland wurde beispielsweise die MobileCity-App vom Fraunhofer ISI, dem KIT und der takomat GmbH entwickelt. Dabei sollen Nutzerinnen und Nutzer selbst in der Städteplanung aktiv werden, um – beginnend mit Karlsruhe – ihre Stadt klimaneutral zu gestalten. Die Auswertung der Spielverläufe soll dabei der sozialwissenschaftlichen Mobilitätsforschung echte Daten über die Präferenzen der Bevölkerung liefern. Die Erkenntnisse sollen wiederum in zukünftige, reale Infrastrukturplanungen einfließen.