Der Supermarkt Tegut zieht sich aus Deutschland zurück; das hatte die Schweizer Eignerin Migros bereits im März bekannt gegeben. Seitdem hat ein Tauziehen um die mehr als 300 Filialen begonnen. Große Namen im Ring sind vor allem Edeka und Rewe, inzwischen hat auch die Smart-Store-Kette Tante Enso Interesse angemeldet.
Für Kundinnen und Kunden bedeutet das allerdings nicht, dass einfach ein Supermarkt gegen den anderen eingetauscht wird. Denn mit Tegut verschwindet zum einen ein ganzes Konzept vom deutschen Markt. Zum anderen könnte vor allem eine komplette Übernahme durch die beiden Branchenriesen Edeka und Rewe negative Auswirkungen haben.
Tegut konnte mit der Preisentwicklung in Deutschland nicht Schritt halten
Tegut war und ist vor allem für seine große Auswahl an regionalen und an Bio-Produkten bekannt. Damit hatte der Supermarkt stets ein gutes Image, das er auch seiner Vorreiterrolle in diesem Bereich zu verdanken hatte. Allerdings hat die Konkurrenz, auch aufgrund des gestiegenen Kundeninteresses an entsprechenden Produkten, nachgezogen.
Vor allem die Discounter haben im Bereich der Bio-Qualität nachgebessert – und dort sind die Produkte naturgemäß deutlich günstiger als bei der Konkurrenz, in diesem Fall Tegut. Die jüngsten Preisentwicklungen haben zusätzlich dazu geführt, dass viele Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland wieder mehr auf den Preis schauen (müssen), was zu massiven Verlusten bei dem Supermarkt geführt hat.

Ausgerechnet bei Lebensmitteln: Experten warnen vor Marktmonopol
Der komplette Rückzug Teguts aus Deutschland bedeutet, dass ein wichtiger Name im Qualitätssektor dem Markt verloren geht. Und sowohl Expertinnen und Experten als auch Daten aus der Vergangenheit zeigen: Ein solcher Verlust an Vielfalt auf dem Markt wirkt sich am Ende negativ auf die Kundinnen und Kunden aus. In diesem speziellen Fall kommt hinzu, dass der Tegut-Rückzug für viele Zulieferer, vor allem im regionalen Bereich, ein großer Verlust ist.
Diese Gemengelage hat zu einer Diskussion über die geplante Aufteilung der Tegut-Geschäfte geführt. Etwa 200 Märkte sollen an Edeka gehen, circa 40 weitere an Rewe. Das Bundeskartellamt muss dem allerdings noch zustimmen. Das ist keine kleine Hürde, da die sogenannten großen Vier – Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland – etwa 85 Prozent des deutschen Lebensmittelhandels unter sich aufteilen.
„Die Tegut-Übernahme wird daher als möglicher Wendepunkt gesehen, an dem sich entscheidet, wie stark der Wettbewerb im deutschen Einzelhandel künftig noch ist. Das Verfahren beim Kartellamt dürfte entsprechend komplex und langwierig werden“, heißt es etwa in den „Deutschen Wirtschaftsnachrichten“.
Tegut-Aus schränkt das Angebot vor allem in einem Bereich ein
Das Verschwinden von Tegut könnte die Marktmacht der großen Namen also weiter stärken. Das wiederum schwächt den Wettbewerb vor Ort. Die Leidtragenden davon könnten am Ende die Kundinnen und Kunden sein. Denn ein Wettbewerb unter den Anbietern führt meist zu geringeren Preisen. Fehlender Wettbewerb treibt diese eher in die Höhe. Vor einem lokalen Monopol warnen auch bereits einige Expertinnen und Experten.
Dazu kommt, dass sich für alle, die nicht bei den großen Vier einkaufen wollen, die potenziellen Wege verlängern, um einen anderen Supermarkt zu erreichen. Zudem wird das Angebot mit dem Tegut-Rückzug vor allem im regionalen und im Bio-Segment schrumpft – ein Trend, der auch an einigen anderen Stellen aufgrund der Preisentwicklung bereits zu beobachten ist.

